TAG DES OFFENEN DENKMALS

Interesse groß an Geheimnissen von Balves St.-Blasius-Kirche

Anita Weins (links) kennt die Geheimnisse der Kirche.  

Anita Weins (links) kennt die Geheimnisse der Kirche.  

Foto: Fabian Paffendorf/WP

Balve.  Sie fasziniert noch immer: die Pfarrkirche von St. Blasius Balve. Kein Wunder, dass beim „Tag des offenen Denkmals“ großer Andrang herrschte.

Rund 100 Bau- und Bodendenkmäler waren am Sonntag zum bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ in Nordrhein-Westfalen für Besucher geöffnet. Im Herzen Balves luden der Bauverein St. Blasius und die Gemeinde dazu ein, die Geheimnisse der Kirche kennenzulernen – mit verblüffendem Erfolg.

Der Glockenturm von St. Blasius ist jetzt nicht der Höchste, gerade einmal 22 Meter geht’s hoch. Dennoch ist der Aufstieg nicht gerade einfach. Das liegt daran, dass er über die ältesten Treppen Balves führt – ein Holzkonstrukt, das viele Hundert Jahre und zahlreiche Auf- und Abstiege hinter sich hat. Es erfordert ein Höchstmaß an Vorsicht, wenn man Wolfgang Lazer vom Bauverein St. Blasius folgen möchte, hoch zum Uhrwerk des Turms, hoch zu den Glocken des Gotteshauses. Der Weg ist eine kleine Herausforderung. Hier muss man sich ducken, dort den Kopf einziehen. Und immer wieder Ausschau halten, nach den den provisorischen Handläufen aus Metall, die hier und da mal auftauchen, als Aufstiegshilfe. Wie mögen wohl damalig die Geistlichen, deren Portraits im unteren Bereich des Kirchentreppenhauses hängen, den Weg in den Turm gemeistert haben? „Wenn man sich die Herren da anschaut, die da teilweise so grimmig gucken – ja, dann fällt auch auf, dass die ziemlich gut genährt waren“, sagt Wolfgang Lazer.

Weniger anspruchsvoll als so ein Besuch des Glockenturms ist da schon die Stippvisite zur Orgel von St. Blasius. Noch einmal da vorbeigeschaut, dann wird Lazer abgelöst als fachkundiger Führer durch die Geschichte der Kirche. Anita Weins übernimmt die Aufgabe, mit den interessierten Besuchern im Schlepptau die restlichen Winkel des Gotteshauses zu erkunden. Und die sind nicht weniger interessant als der alte Turm. Um 1200 wurde St. Blasius erstmals erwähnt. Was davor war?

„Wir wissen nicht, ob unsere Kirche auf dem Grund einer Kirche gebaut wurde, die vielleicht hier zuvor einmal stand. Was wir aber wissen, ist dass sie immer außerhalb der Gemeinde stand“, erläutert Anita Weins. Die Gemeinde Balve habe sich nämlich unten an der Hönne entwickelt, nur die Kirche war in früheren Zeiten immer außerhalb der Stadtmauern beheimatet. Seltsam, aber trotzdem auch ziemlich vorteilhaft, denn bei Stadtbränden nahm St. Blasius dadurch niemals Schaden. Über die Jahrhunderte sei das Haus immer wieder erweitert, ausgebaut worden. Dennoch sind viele der Spuren der Vergangenheit noch sichtbar und gut erhalten. So etwa auch der Bodenbelag aus Schieferplatten. „Bei den Anbauten wurde er konservatorisch gesichert und angehoben“, sagt Weins.

Ein Geheimnis ist es nicht wirklich, aber trotzdem mag das für den ein oder anderen überraschend sein: In Sachen Heiligenverehrung gab es über die Jahrhunderte verschiedene Trends. „Und dann wurden die Heiligen, die gerade out waren, einfach auf den Wänden der Kirchen übermalt. Heilige, die in waren, nahmen ihren Platz ein“, erklärt Anita Weins. Gut zu sehen ist das in St.Blasius heute noch an den Wänden des alten Altarraums.

Ein Blick in die Geschichte der Kirche entzaubert aber auch manche Dinge, die man vielleicht im Vorfeld als ganz besonders wertvoll angesehen hat. Beispielsweise die große Madonnenfigur, die da im kleinen Turmanbau sitzt. Die Madonna ist keine besondere Kostbarkeit, sie kam erst 1912 nach Balve und wurde von einer Münchner Firma gefertigt, die diese Statuen in relativ großer Stückzahl herstellte und in ganz Europa vertrieb“, erzählt Anita Weins. Es ist laut Weins ziemlich wahrscheinlich, dass einem eine dieser Madonnen auch mal in einer anderen Kirche begegnen könnte. Sie selbst habe schon welche mit blauen oder weißem Mantel gesehen in anderen Häusern erblickt.

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