DISKUSSION

Kolpingforum Balve: Organspende weckt Emotionen

Großes Interesse an Vortrag von Heiner Smit

Großes Interesse an Vortrag von Heiner Smit

Foto: Alexander Lück / wp

Balve.  Angstthema Organspende. Das Kolpingforum Balve wollte Information statt dumpfer Emotion. Mit Fachmann Heiner Smit tat es einen guten Griff.

Ein hoch emotionales Thema war dem Kolpingforum in Balve so wichtig, dass es dafür gleich zwei Abende ansetzte: Organspende. Der Balver Arzt Dr. Jürgen Schmitz begrüßte mit Referent Heiner Smit einen leidenschaftlichen Kämpfer für Organspenden.

Smit, gelernter Krankenpfleger, hat von Beginn der ersten Transplantationen in Deutschland vor knapp 60 Jahren bei der Organisation dieser medizinischen Eingriffe mitgewirkt, später auch an verantwortlicher Stelle in der Deutschen Stiftung Organtransplantation.

Am Montag vor einer Woche hatte im Rahmen des Kolpingforums bereits ein erster Termin rund um die Organspende stattgefunden. Ein kleiner, aber sehr interessierter Besucher-Kreis sah den Film „Die Lebenden reparieren“. Sowohl aus der Perspektive eines kürzlich Verstorbenen, der als Organspender in Betracht kommen könnte, wie auch einer Schwerkranken als potenzieller Empfängerin betrachtet dieses Werk in erster Linie die emotionalen Aspekte des Themas.

Heiner Smit zeigte dann die medizinischen Fortschritte und Möglichkeiten der Organtransplantation, ebenso Zahlen aus den letzten Jahren. Sie brechen seit einigen Jahren ein – seitdem ein Skandal aufgedeckt wurde, bei dem Ärzte Krankheitsbefunde gefälscht hatten, um Patienten höher in der Warteliste für ein Spenderorgan zu befördern. „Hier wurde nachhaltig Vertrauen erschüttert“, so Heiner Smit, der von krimineller Energie sprach, um dieses System der Fälschungen über längere Zeit aufrecht erhalten zu können.

Verständnis für handelnde Ärzte

Eine Zuhörerin widersprach im anschließenden Diskussionsteil. Sie wollte Verständnis für die so handelnden Mediziner aufbringen: „Ich glaube, dass mancher Arzt das Leid dieser Menschen, die so dringend auf ein Organ warten, irgendwann einfach nicht mehr aushalten kann.“

Dieses ohnmächtige Gefühl gebe es durchaus, antwortete Smit. Er gab aber zu bedenken, dafür würde ein noch stärker behandlungsbedürftiger Menschen auf der nach strengen und objektiven Kriterien geführten Liste nach unten rutschen.

Und wegen der genauen Kontrollen und strengen Kriterien habe es nun mal einiges an krimineller Energie gebraucht, diese Liste gewissermaßen erfolgreich zu manipulieren.

Smit nannte genaue Zahlen. Gut 20.000 Menschen, die jährlich in deutschen Krankenhäusern sterben, könnten grundsätzlich vielleicht für eine Organspende in Frage kommen. Letzten Endes wurden in den letzten Jahren aber weniger als 1000 Transplantationen verwirklicht. Eingeschlossen seien auch Lebendspenden, von einer Niere zum Beispiel. „Das ist sehr tragisch, weil die Transplantationsmedizin mittlerweile so viel besser geworden ist.“

Smit ließ durchblicken, dass er die Widerspruchslösung für ein gutes Vorgehen hält. Schließlich dürfe jeder aus gutem Grund widersprechen oder auch die Entnahme bestimmter Organe ausschließen.

Nachfragen gab es zu einer möglichen Schmerzempfindlichkeit des Hirntoten während der Organentnahme, die Smit klar verneinte. Er verabschiedete seine kleine, aber sehr konzentrierte Zuhörerschar mit den Worten: „Bleiben Sie gesund! Auf dass Sie niemals auf eine Organspende angewiesen sein müssen.“

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