Natur

Kyrill-Reserven vieler Waldbesitzer sind aufgebraucht

Revierförster Georg Cormann zieht mit Berufsschülern zur Exkursion durch den Mellener Forst.

Revierförster Georg Cormann zieht mit Berufsschülern zur Exkursion durch den Mellener Forst.

Foto: Marcus Bottin

Mellen.   Als grünes Klassenzimmer für rund vier Dutzend Schülerinnen und Schüler des Gertrud-Bäumer-Berufskollegs diente der Mellener Forst.

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Die beiden Lehrerinnen Siggi Drees aus Mellen und Kornelia Daniel aus Balve hatten mit ihren Kollegen Sebastian Pohlmann und Marianne Lopatenko eine Forstwirtschaftliche Exkursion organisiert und mit dem Mellener Revierförster Georg Cormann einen ausgewiesenen Experten eingeladen.

Die Nachwirkungen von Orkan Kyrill sind auch rund um Mellen noch immer unübersehbar. „Kyrill wird noch für Jahrzehnte ein großes Thema bleiben“, erklärte der Revierförster seinen jugendlichen Zuhörern. Denn der Wald, durch den Georg Cormann seine Besucher führte, ist nicht der Wald, der vor jener Orkannacht das Bild bestimmt hatte. Es fehle vor allem an Geld für Investitionen, so der Revierförster.

Pro Festmeter eingeschlagenen Holzes muss der Besitzer einen Euro für den Ausbau und Pflege der Infrastruktur in die Gemeinschaftskasse zahlen. Vor dem Orkan fielen so im Schnitt jedes Jahr 6000 Euro Rollgeld an. Weil es zurzeit aber kaum Holz gibt, das geerntet werden kann, sind es nur noch rund 600 Euro, die jedes Jahr an Rollgeld zusammen kommen – zu wenig, um die Forst- und Wirtschaftswege zu unterhalten. Und die Reserven, die sich nach dem Verkauf des Kyrill-Holzes auf dem Konto der Forstbetriebsgemeinschaft angesammelt hatten, seien so langsam aufgebraucht, erklärte der Revierförster.

Warten auf Durchforstungen

„Momentan müssen Waldbauern zwar investieren, erzielen aber keine Erträge. Und das wird wohl noch die nächsten 30 Jahre so ein. Erst dann kommt durch die ersten Durchforstungen wieder Geld in die Kassen“, so Cormann

Das zweite große Problem heimischer Waldbauern sei der Klimawandel, dessen Auswirkungen auch im Mellener Forst zu spüren seien. Wo früher durchschnittlich 1000 bis 1200 Millimeter Regen pro Jahr fielen, waren es 2016 nur rund 700 Millimeter. „Das typisch Sauerländer Schietwetter, über das wir uns früher immer geärgert haben, gibt es nicht mehr“, stellt der Förster fest.

Entfremdung von der Natur

Die Exkursion mit den Berufsschülern habe ihm viel Spaß gemacht, sagte Georg Cormann. Leider müsse er feststellen, dass junge Menschen sich immer mehr von der Natur und dem Wald entfremden: „Für viele ist es schon etwas Besonderes, mal abseits der Wege durch den Wald zu gehen. Darüber staune ich immer wieder.“

Nach der Forstwirtschaftlichen Exkursion besuchte die Umweltgruppe den für rund 300 Milchkühe neu erbauten Hof Vedder-Stute in Bruchhausen, um sich über moderne Milcherzeugung und nachhaltige Landwirtschaft zu informieren. Dort hat der Landwirt auch eine neue Biogasanlage in Betrieb genommen.

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