Meinung

Lieber Brezeln als Popcorn

Foto: Alexander Bange

Martinszug in Balve: Eines Tages ein Relikt der Vergangenheit?

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Vielleicht steht eine riesige Leinwand auf dem Schulhof der Grundschule. Gezeigt wird zwar St. Martin – dieses Mal aber in einer Action-Version. Auf den Stühlen davor sitzen noch ein paar Kinder. Aber nicht mehr mit selbst gebastelter Laterne in der Hand, sondern mit 3-D-Brillen auf der Nase. Die Schützenbruderschaft hat sich für solch eine Vorführung entschieden. Denn Ehrenamtliche konnten für das Martinsspiel nicht gefunden werden, die Zahl der Eltern und Kinder hat ohnehin Jahr für Jahr stark abgenommen. Niemand muss an diesem November-Abend frieren: Etliche Heizstrahler sind aufgestellt. Statt Brezeln gibt es Popcorn.

Spinnerei? Oder der Martinstag anno 2042?

Die bezaubernde Geschichte vom barmherzigen Mann, der den wärmenden Mantel mit einem frierenden Bettler teilt, zählt zu meinen schönsten Kindheits-Erinnerungen — neben Ostern und Weihnachten. Der stimmungsvolle Fackelzug der Kinder und Erwachsene im Laternenlicht singend zusammenführt – unvergessen. Die christliche Botschaft des Teilens – in Balve in Szene gesetzt von Adjutant Lutz Errulat (St. Martin) und Markus Stracke (Bettler) sowie erzählt vom Urgestein Peter-Josef John.

Noch schließen sich viele dem Brauch an – in Balve wie auch in den umliegenden Ortsteilen. Noch zeigt der Heilige St. Martin den Kindern, dass er ein Symbol für uneigennützige Hilfe ist – und zwar „live“ und nicht auf Kino-Leinwand. Er rettet einen Bettler vor dem Erfrieren. Wunderbar!

„Ob Soldat oder Bettler, vor Gott sind wir Brüder.“

Meine Tochter öffnet mir die Augen. Seit Tagen singt sie aufgeregt „Laterne, Laterne“ und fragt ungeduldig, wann der Umzug und das Martinsspiel endlich seien. Natürlich auch, um ihr gebasteltes Kunstwerk anderen Kindern zeigen zu können.

Wir haben es in der Hand, dass unsere Sprösslinge eines Tages auch von solch schönen Kindheitserinnerungen erzählen. Also: Heute (oder am Wochenende) dick ein­packen und die Martinszüge besuchen. Das Smartphone bleibt zu Hause oder zumindest in der Tasche. Stattdessen wird gesungen.

Und Brezeln schmecken schließlich auch viel besser als Popcorn.

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