BILDUNG

Madame Sylvie bringt Beckums Kindern Französisch bei

Madame Sylvie und ihre Kinder

Madame Sylvie und ihre Kinder

Foto: Alexander Lück

Beckum.   Beckums Kinder lieben sie: Sylvie Oesten, in der Grundschule besser bekannt als „Madame Sylvie“. Sie leitet ein ganz besonderes Projekt.

„Je ne parle pas francais, aber bitte red’ weiter“, singt Popmusikerin Namika in ihrem aktuellen Hit. 13 Mädchen und Jungen der Beckumer Grundschule kennen diesen Song natürlich in- und auswendig. Vor allem aber arbeiten sie daran, dass dieser Satz demnächst auf sie nicht mehr zutrifft: „Ich spreche kein Französisch.“ Denn am Donnerstag startete wieder die Französisch-AG.

Ein Alleinstellungsmerkmal

Das ist ein Alleinstellungsmerkmal der St.-Nikolaus-Grundschule, weit über Balve hinaus. Angeboten vor allem für Dritt- und Viertklässler wurde die Arbeitsgemeinschaft zum ersten Mal mit Schuljahresbeginn 2017. Im Anschluss an den regulären Unterricht in der fünften und sechsten Stunde, auf freiwilliger Basis und ohne die Vergabe von Noten fanden sich jeweils gut 15 Interessierte. 13 sitzen an diesem Donnerstag im Klassenraum. Einige sind neu dabei, andere haben schon im vorigen Schuljahr mitgemacht.

Besuch aus Frankreich

So wie die achtjährige Mathilda. Entsprechend sind ein paar Wörter und Floskeln auch noch über den langen Sommer hängen geblieben. Vor allem aber erzählt das Mädchen begeistert von ihrem ersten Austauschbesuch in Frankreich. In Beckums Partnergemeinde Roussay. „Und wenn die jetzt zu uns kommen nehmen wir drei französische Kinder zuhause auf“, freut sie sich schon auf den turnusgemäßen Gegenbesuch in etwas mehr als einem Monat, direkt im Anschluss an die Herbstferien. Und da will Mathilda wie auch die anderen AG-Teilnehmer zumindest mit ein paar Brocken Französisch die Gäste beeindrucken. „Als ich in Frankreich war, konnte unsere Familie auch ein bisschen Deutsch.“

Lebendige Freundschaft

Die jahrelange Freundschaft zwischen Beckum und der westfranzösischen Gemeinde Roussay gab den Ausschlag dafür, eine Lerngruppe für die Sprache des Nachbarlandes an der Grundschule ins Leben zu rufen. Und damit eine Sprache, die hier sonst eigentlich noch nicht unterrichtet wird. „Diese Freundschaft ist so lebendig, wird von vielen Gruppen im Dorf getragen. Da kann die Schule einen wichtigen Teil dazu beitragen. Vor allem sind es ja die Kinder, die diese Verbindung in der Zukunft weiterführen sollen.“

Besonders viel Spaß

Die Arbeitsgemeinschaft entstand in Kooperation mit der Volkshochschule. Die AG leitet Sylvie Oesten aus Menden. Seit fast 25 Jahren wohnt sie in Deutschland, stammt aber aus Paris. „Es ist für die AG ganz toll, eine Muttersprachlerin bekommen zu haben“, sagt Schulleiterin Petra Köhler. Sylvie Oesten dazu: „Mit den Kindern macht es ganz besonders viel Spaß. Ich unterrichte ja auch anderswo Französisch. Auch in Firmen, wo die Mitarbeiter zu dem Kurs verpflichtet werden. Da ist es natürlich was anderes.“

Und dass sie ihre Schützlinge so dermaßen ins Herz schließen, kann man wohl auch nur von der Grundschule behaupten: „In der zweiten Stunden werden sie dann kommen und mich zur Begrüßung umarmen. Bonjour, Madame Sylvie!“ Im Gegensatz zur weiterführenden Schule wird hier nicht groß die Grammatik unterrichtet. „Die Kinder sollen einfach ins Sprechen kommen“, sagt Oesten. Etwa über häufiges Wiederholen der Sätze.

Höflichkeit ist Trumpf

Am besten funktioniert so was meistens dann, wenn es spielerisch und unbewusst passieren kann. Deshalb, und weil bei zwei Schulstunden und eineinhalb Stunden Zeit auch die Konzentration irgendwann nicht mehr ganz auf der Höhe ist, geht die ganze Gruppe zur Halbzeit in der Regel in die Turnhalle oder auf den Schulhof.

Die höfliche Umgangsform stimmt auch. Ob nun ein Junge darum bat, kurz aufs Klo gehen zu dürfen („S´il te plait“ – „Bitte“) oder man sich für die am Ende der Stunde ausgeteilten Schokoriegel bedankte: „Merci, Madame Sylvie.“

>> INFO: BONJOUR; ROUSSAY

Gut 30 Kinder und ebenso viele Eltern kommen am Montag, 29. Oktober, für den Austauschbesuch aus Roussay, Frankreich, nach Beckum.

Das Programm dafür steht schon: Ausflüge ins Balver Hallenbach oder zu „Kiki Island“ nach Menden, Dorfrallye, das gemeinsam Essen (in der Schützenhalle oder beim Grillabend an der Schule), der Beuch des Unterrichts an der St.-Nikolaus-Schule und freie Zeit mit den Gastfamilien.

Die Abschlussfeier steigt am Freitag, 2. November, in der Schützenhalle, bevor es tags darauf wieder in die Heimat geht.

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