Polizei

Mann haust eine Woche lang in Bäckerei-Keller in Balve

Nicole Knecht im Geschäftsraum. Der Täter kam ihr entgegen.

Nicole Knecht im Geschäftsraum. Der Täter kam ihr entgegen.

Foto: Sven Paul

Balve.   Grote-Verkäuferin Nicole Knecht begegnet einem „Kellergespenst“: Den ungebetenen Gast erwischt sie beim Diebstahl ihrer Geldbörse.

Nicole Knecht ist eine unerschrockene Frau, das hat sie bewiesen. Denn am vorvergangenen Sonntag setzte sie einem 33-jährigen Mann auf der Straße nach, als der vor der hinzugerufenen Polizei flüchten wollte.

Der Unbekannte hatte, wie sich herausstellte, zuvor mehrere Tage illegal im Keller des Wohn- und Geschäftshauses an der Hauptstraße gehaust, in dem sich auch das City-Café der Bäckerei Grote befindet. Und zwar, nachdem er, wie er bei seiner Festnahme der Polizei erzählte, einige Tage zuvor in der Hönnetalbahn eingeschlafen und erst in Balve aufgewacht war.

Was sich zunächst anhört wie ein schlechter Witz, erwies sich bald als ausgewachsener Einbruchdiebstahl. Denn der polizeibekannte Mann aus Lendringsen war zunächst durch die Haustür an der Seite ins Gebäude eingedrungen, um dann unten im Keller mindestens eine weitere Tür aufzubrechen. Dort, berichtet Nicole Knecht, fand er Decken und einen Teppich – und richtete sich damit in dem Keller häuslich ein. Auf den Decken und dem Teppich muss er mehrere Nächte geschlafen haben, auch eine Plastiktüte mit Lebensmitteln wurde gefunden. Seine Notdurft hatte er im Keller allerdings auch verrichtet, sodass sich bei der Entdeckung des Verstecks alle Beteiligten die Nasen zuhalten mussten.

Bei Fluchtversuch zur Seite gestoßen

Wie sich der als „Kellergespenst“ bekannt gewordene Mann Nahrung und Getränke besorgt hat, ist im Nachhinein nicht genau zu belegen. Dass es nicht auf ehrliche Art und Weise geschah, lässt die Tatsache vermuten, dass Nicole Knecht den ungebetenen und lange unentdeckten Gast ausgerechnet beim Diebstahl ihrer Geldbörse aus ihrem Spind im Umkleideraum auf frischer Tat erwischte. Und spätestens, als der mutmaßliche Dieb die Frau, die er gerade bestohlen hatte, grob zur Seite stieß, um entkommen zu können, war auch die amüsante Geschichte vom Kellergespenst zu Ende: Nicole Knecht kann wohl von Glück sagen, dass sie bei dieser unerwarteten Begegnung unverletzt geblieben ist.

Freude über ehrlichen Finder

Der 33-Jährige hastete weiter ins Freie, konnte später aber von der Polizei gefasst werden, noch während eine andere Streife in der Bäckerei den Sachverhalt aufnahm. „Ich bin erst noch hinterhergelaufen, aber erwischt hat ihn die Polizei, vermutlich an der Hönnetalstraße“, berichtet die Balverin. Sie bekam den Mann gleich darauf noch einmal zu Gesicht. Denn um sicherzugehen, dass es sich um das „Kellergespenst“ handelte, brachten ihn die eingesetzten Beamten zurück zur Bäckerei: Sie sollte sie den Festgenommenen identifizieren, bevor ihn der Streifenwagen schließlich ins Gewahrsam fuhr.

Gegenüber der Polizei hat der Mann die Tat gestanden. Bei seiner Festnahme hatten die Beamten Haschisch und etwas Bargeld bei dem mutmaßlichen Täter gefunden. Dabei dürfte es sich um das Geld aus Nicole Knechts Portmonee gehandelt haben. Allerdings gab der 33-Jährige an, die Geldbörse auf der Flucht weggeworfen zu haben. „Das war keine gute Nachricht für mich“, sagt Nicole Knecht. „Denn neben den fünf Euro, deren Verlust ja zu verschmerzen ist, steckten da auch Scheckkarten und mein Führerschein drin.“

Das Portmonee ist wieder da

So richtete sich die Hönnestädterin schon auf reichlich Laufereien ein. Doch am Freitag folgte die Erlösung von allen befürchteten Behördengängen: „Ein ehrlicher Finder von der Firma Schilling hat das Portmonee an der Straße Am Stadtgraben gefunden und ins städtische Fundbüro gebracht“, zeigt sich die Verkäuferin dankbar dafür, „dass es noch ehrliche Menschen gibt!“ Denn bis auf das Geld habe nichts gefehlt.

Für den Tatverdächtigen, der nach Informationen der WP in einer Gemeinschaftsunterkunft in Lendringsen gemeldet ist, dürfte der Aufenthalt in Balve bald ein gerichtliches Nachspiel haben – wegen des Einbruchs, des gewaltsamen Diebstahls und der gefundenen Drogen.

Zur Anordnung eines Untersuchungshaftbefehls reichten seine mutmaßlich begangenen Delikte aber offenbar nicht aus: Der 33-Jährige wurde laut dem Polizeibericht nach Rücksprache mit dem zuständigen Amtsgericht kurz nach seiner Festnahme bereits wieder auf freien Fuß gesetzt.

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