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Mobilität in Balve: Heftige Debatte bei Facebook (WP+)

Hönnetal am Haltepunkt Sanssouci: Verspätungen und Zugausfälle sorgen immer wieder für Unmut.

Hönnetal am Haltepunkt Sanssouci: Verspätungen und Zugausfälle sorgen immer wieder für Unmut.

Foto: Jürgen Overkott / WP

Balve.  Mobilitätsprobleme im Hönnetal bringen Balver immer wieder in Wallung. Geht ohne Auto gar nichts? Sind Bus und Bahn eine Alternative?

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Mobilität im Hönnetal: Das Thema ist mit Frust und Wünschen verbunden. So viel steht fest. Die Podiumsdiskussion der SPD-Landtagsabgeordneten Inge Blask löste beim Facebook-Auftritt der WP eine leidenschaftliche Kontroverse zwischen zwei Balvern mit öffentlichen Funktionen aus.

Markus Ickler ist hauptberuflich Mitarbeiter des Märkischen Kreises in Altena; in Balve ist er besser bekannt als Stadtbeauftragter der Malteser. Adalbert Allhoff-Cramer vermietet in Balve Ferienwohnungen. Er ist Geschäftsführer des Verkehrsvereins Balve und des Naturhistorischen Vereins Hönnetal. Zudem sitzt er oft am Steuer des Balver Bürgerbusses.

Die Rolle des Autos

Markus Ickler kritisierte den SPD-Verkehrsexperten im Düsseldorfer Landtag, Carsten Löcker. Dem Landtagsabgeordneten zufolge fällt vielen Zeitgenossen der Umstieg auf Bus und Bahn schwer, weil das Auto für sie „nach wie vor eine fast erotische Bedeutung“ habe.

Zudem stößt sich Markus Ickler an einer Aussage des Mendener Stadtwerke-Chefs Bernd Reichelt. Er hatte ebenfalls in der Experten-Anhörung gesagt: „Derjenige, der im eigenen Auto neben einem Bus steht, muss sich eigentlich fast schämen und fragen, warum er nicht den Bus genommen hat.“

Stattdessen stellt sich Markus Ickler hinter die Einschätzung von Balves SPD-Chef Thomas Vogtmann. Er hatte auf dem Blask-Podium gesagt: „Ohne Auto ist man hier aufgeschmissen.“

Markus Ickler weiter: „Wir werden wohl niemals solche Nahverkehrsverbindungen wie in Ballungsgebieten an Rhein und Ruhr haben. Und solange habe ich überhaupt kein schlechtes Gewissen, mit dem eigenen Auto neben einem Bus zu stehen (wenn das überhaupt mal passieren sollte)!“

Adalbert Allhoff-Cramer hält dagegen. Demnach muss sich „jeder mit einem veränderten Individualverkehr in Zukunft auseinandersetzen“. Adalbert Allhoff-Cramer argumentiert: „Das hat etwas mit physikalischen Gesetzmäßigkeiten zu tun. Der Klimawandel macht vor dem Lande nicht halt, es wäre ja zu schön.“ In diesem Zusammenhang sieht Adalbert Allhoff-Cramer das Baugebiet Schmandsack und weitere Gewerbeflächen kritisiert. Seiner Meinung nach bedeuten sie noch mehr Verkehr im Stadtgebiet.

Die Rolle von Bus und Bahn

Adalbert Allhoff-Cramer appelliert an Bürger, sich zu fragen, „wozu jedes Familienmitglied, kaum dass es 18 ist, ein eigenes Auto braucht“.

Er wirbt für einen besseren ÖPNV auf dem Lande: „Das Potential ist gigantisch, wenn die Fehler der Vergangenheit endlich korrigiert werden und Mittel dafür zur Verfügung stehen. Dann wird der öffentliche Verkehr auch wieder ,sexy’. Derzeit ist es ja für viele eine Art sozialer Abstieg, sich in ein öffentliches Verkehrsmittel zu setzen.“

Die Zukunftsaussichten

Mit Blick auf die Debattenbeiträge von MVG-Chef Matthias Laise und Mendens Stadtwerke-Chef Bernd Reichelt, der derzeit neuartige Mobilitätskonzepte vorantreibt, sagte Adalbert Allhoff-Cramer: „Es ist klar, dass sich im öffentlichen Verkehr etwas tut, und Balve wäre gut beraten, das Thema aktiv voranzutreiben. Stattdessen guckt man dem Bürgerbus zu, wie er seine Runden dreht, mit verdammt viel heißer Luft.“

Der Bürgerbus

Dabei sieht Adalbert Allhoff-Cramer den Bürgerbus als Alternative zu Hönnetalbahn und MVG-Bus. Dazu Markus Ickler: „1. Ich bin berufstätig. 2. Daher ist der Bürgerbus zwar eine super Einrichtung (!), aber insgesamt trotzdem auch keine Lösung dieses gesellschaftlichen Problems auf dem Land. So ist es nun mal.“

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