Geschichte

Opfer der Hexenverfolgung erhalten Ehre und Würde zurück

Der Vorsitzende der Balver Heimwacht, Werner Ahrens, legt ebenso wie alle anderen Vorstandsmitglieder großen Wert auf die Rehabilitierung der Menschen, die durch die Hexenverfolgung ums Leben gekommen sind.

Der Vorsitzende der Balver Heimwacht, Werner Ahrens, legt ebenso wie alle anderen Vorstandsmitglieder großen Wert auf die Rehabilitierung der Menschen, die durch die Hexenverfolgung ums Leben gekommen sind.

Foto: Richard Elmerhaus

Balve.   Zu den dunkelsten Kapiteln der Geschichte Balves zählen ohne Zweifel die Hexenverfolgungen im 16. und 17. Jahrhundert.

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Laut Sauerländer Heimatbund sind in keinem anderen Ort Westfalens so viele Menschen wegen Zauberei und Hexerei verfolgt, verklagt, gefoltert und unschuldig hingerichtet worden. Winterberg hat schon 1993 eine Rehabilitation der Opfer beschlossen, seit 2002 sind viele Städte diesem Beispiel gefolgt, darunter Soest, Sundern oder Menden. Nun sind auch die ca. 300 unschuldig hingerichteten Bürger der Stadt und des Amtes Balve offiziell rehabilitiert.

Eine Würdigung, die der Heimwacht Balve, aber auch betroffenen Familien, die Generationen später noch in der Hönnestadt leben, viel bedeutet. „Die geschichtliche und unheilvolle Zeit bedurfte einer Wiedergutmachung“, sagt Werner Ahrens als Vorsitzender der Heimwacht Balve, die sich der Geschichte, der Kultur und den Bräuchen der Stadt widmet.

Menschen aller Stände betroffen

Es sind grauenvolle, unmenschliche Geschichten, die beim Sauerländer Heimatbund über Hexenprozesse in Balve von 1592 bis 1666 dokumentiert sind. Betroffen sind Menschen aller Stände, längst nicht nur die Ärmsten. Oft werden sie enthauptet und der Leichnam schließlich verbrannt. Stellvertretend für viele Menschen steht das Schicksal der Bürgermeisterin Anne. Als sich ihr Mann, der Stadtvater, außerhalb von Balve aufhält, wird sie ebenso wie zehn andere Personen am 5. Oktober 1628 enthauptet. Die Hexenkommissare verbrennen ihre Leiche nicht, sondern begraben sie an einem Dornenstrauch am Wachtloh.

Der Galgenberg hinter dem Wachtloh ist die uralte Richtstätte des damaligen Freigerichts. Die Verurteilten werden seinerzeit in Karren dorthin gefahren. Hier sind laut der Heimwacht und dem Sauerländer Heimatbund Hunderte Menschen hingerichtet und auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden, weil sie als „verdammliche, teuflische Hexenkreaturen“ abgestempelt wurden. Ein Denkmal in Form einer 2,5 Meter hohen Stele, die im August 2006 von dem Heimatverein Heimwacht Balve eingeweiht wurde, erinnert an die Opfer der Balver Hexenverfolgung. „Hier starben durch Feuer, Schwert und Galgen ca. 300 Frauen und Männer aus dem Balver Land im Hexenwahn im 16. und 17. Jahrhundert“ steht dort geschrieben.

Unschuldig gequält und gefoltert

Dem Meilenstein zur Erinnerung an die Gräueltaten folgte jetzt die sozialethische Rehabilitierung der durch Hexen- und Zauberverfolgung unschuldig gequälten und ermordeten Menschen von den Politikern der Stadt Balve. Die öffentliche Rehabilitierung gibt den Opfern im Namen der Menschenrechte Ehre und Würde zurück. „Danke“, sagt Werner Ahrens.

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