REITSIMULATOR

Reiterverein Balve – Brexit ist Hürde fürs Leader-Projekt

Der Reitsimulator bei der Equitana in Essen  

Der Reitsimulator bei der Equitana in Essen  

Foto: stefan ahrend / funke mediengruppe

Balve.  Der Reiterverein Balve will Angebote machen für alle, egal ob behindert oder nicht. Er hat einen Plan - und der wird gefördert.

Der Reitsportverein Balve will auch jene pferdebegeisterten Menschen für das Reiten begeistern können, denen es für gewöhnlich nicht möglich ist, sich in den Sattel eines echten Tieres zu setzen. Dafür soll ein neuer, barrierefreier Schulungsraum entstehen, in dem am realitätsnahen Simulator trainiert werden kann. Ermöglicht wird das zukunftsträchtige Unterfangen mit der Förderung durch das Leader-Projekt.

Innovation beim Reitunterricht und revolutionäre Technik sollen künftig auf die Reitanlage Wocklum, dem Sitz des Reitvereins Balve, einziehen. Das umfassende Bildungsangebot, das der Verein in Kooperation mit der dort ansässigen Reitschule von Marisa Philipp bereithält, will man um einen Schulungsraum erweitern, in dem die Reiten lernen können, die sonst nicht auf den Rücken eines Pferdes steigen können oder möchten. Ein computergesteuertes Simulationspferd und ein virtueller Parcours machen’s möglich.

Angebot für behinderte Menschen

„Das Ganze richtet sich zum Beispiel an Menschen, die durch körperliche Handicaps nicht in der Lage sind, echte Pferde zu reiten. Aber es gibt auch ehemalige Reitsportler, die sich nach einem Sturz oder Abwurf erst wieder langsam ans Reiten herantasten müssen – ohne echte Pferde“, erklärt Heike Ludwig, die Geschäftsführerin des Reitvereins.

Der Reitsimulator ahme naturgetreu die Bewegungen eines Pferdes in allen Grundgangarten nach, sei computergesteuert und daher jederzeit ausschaltbar. Anders als beim Pferd sei der Simulator zudem unempfindlich gegen hohe Gewichtslasten oder äußere Reize. Das heißt, dass das Tierrisiko gänzlich entfällt.

Das Projekt „Reiten lernen ohne Risiko“ soll darüber hinaus auch erfahrene Reiter ansprechen, die den Simulator aufgrund zahlreicher Funktionen und Programmeinstellungen nutzen können. „Deutschlandweit gibt es bisher nur drei dieser Geräte“, sagte Marisa Philipp der Leader-Gruppe. Die Idee zum Reitsimulator kam von ihr, Pächterin der Reitanlage, sie stellte auch den Kontakt zur britischen Firma Racewood her, die die Technik anbietet.

Eine besondere Herausforderung war laut Heike Ludwig, die geforderten Auflagen für die Förderung durch das Leader-Projekt zu erfüllen. So mussten im Vorfeld für die jeweiligen Gewerke jeweils drei verschiedene Angebote eingeholt werden. Hinsichtlich des geplanten Umbaus für den geeigneten Schulungs- und Übungsraum habe es kein Problem gegeben, doch da der Reitsimulator eben nur von einer einzigen Firma hergestellt und angeboten wird, habe es an dieser Stelle keinerlei Möglichkeiten gegeben, bei weiteren Anbietern Preise einzuholen.

Begleitet vom regionalen Leader-Verein habe man aber einen Weg finden können. Dennoch war in den vergangenen Wochen das große Zittern bei den Verantwortlichen des Projekts angesagt. Grund dafür waren die Verhandlungen der Briten um den EU-Austritt. „Seit Bestellung des Simulators haben wir die Geschichte um den Brexit stetig verfolgt, denn im ungünstigsten Fall hätte das bedeutet, dass wir eine hohe Summe an bisher nicht eingeplanten Mehrkosten für den Import des Trainingsgeräts hätten zahlen müssen.“

Das Gerät ist mittlerweile auf die Reise nach Balve geschickt worden, sollte dann in den nächsten Wochen dort ankommen. Dann muss es jedoch erst einmal eingelagert werden, bis der neue Trainingsraum umgebaut ist. Der Umbau, der auch Barrierefreiheit durch ein Liftsystem herstellen soll, startet sobald die Baugenehmigung erteilt wurde.

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