SCHULAUSSCHUSS

Rektorin: Balver Realschüler drücken Sorgen

Nachdenklich: Schulleiterin Nina Fröhling 

Nachdenklich: Schulleiterin Nina Fröhling 

Foto: Jürgen Overkott / wp

Balve.  Realschulleiterin Nina Fröhling nahm im Schulausschuss kein Blatt vor den Mund. Vor allem das soziale Miteinander leide. Was folgt daraus?

Es gibt Momente, in denen ein Blick mehr sagt als 1000 Worte. Am frühen Mittwochabend gab es so einen. Verwaltungschef Bürgermeister Hubertus Mühling und sein Vertreter Michael Bathe führten die Mitglieder des Schulausschusses durch die Realschule. Immerhin hat die Stadt Balve eine Menge Geld in die Hand genommen, um Gebäude und Schulhof aufzuhübschen. Während die Ausschuss-Mitglieder den Fortgang der Arbeiten in der neuen Schulküche bestaunten, stand Schulleiterin Nina Fröhling gedankenverloren im Raum, der Blick besorgt. Was trieb sie um? Die Antwort gab sie später in der Sitzung des Ausschusses, der praktischerweise in der Aula tagte.

Nina Fröhling wirkte wie ausgewechselt, als sie die Lage ihrer Schule beschrieb. Sie war bestens vorbereitet, sprach konzentriert, ja leidenschaftlich und emotional. Es gab, wie bei Halloween, Süßes und Saures. Die Rektorin hatte gute Gründe.

Zunächst äußerte sie sich zu Schulgebäude und Außenanlage. „Der neue Schulhof ist wirklich klasse“, lobte Nina Fröhling das Engagement der Stadt, „wir wollen Hochbeete anlegen, für Kräuter.“

Die Schule, fügte sie hinzu, sei „in einem guten Zustand“ – um dann ein großes Aber hinzuzufügen. „Die Fachräume sind in einem nicht guten Zustand.“ Vor allem der Chemie-Raum sei in die Jahre gekommen. Die Ausstattung sei 35 Jahre alt – und damit nicht mehr zeitgemäß. Auch die Räume für Bio und Physik entsprechen nach Auffassung der Schulleiterin nicht mehr aktuellem Unterrichtsstandard.

Sie mahnte Nachbesserung an – mit Hinweis auf Konkurrenz anderer weiterführender Schulen in der Nachbarschaft und mittelfristig schrumpfender Schülerzahl.

Besser fiel Nina Fröhlings Bilanz der Digitalisierung des Unterrichts aus. Die Realschule sei dank städtischer und privater Unterstützung schon „sehr weit“. Nina Fröhling: „Der Jahrgang 7 arbeitet komplett mit iPads, und die Lehrer sind geschult. Wir hatten ein Jahr Vorlauf.“

Dazu kommen Investitionen in schnelle Standrechner (PC) und schnelle Server. Allerdings sei auch schnelles Internet vonnöten, um die technischen Neuerungen nutzen zu können.

Freitod mit bedrückenden Folgen

Und dann kam sie zu einem Punkt, der sie hörbar aufwühlte: der Punkt „Soziales“. Nina Fröhling bekannte: „Der 20. November 2016 war der schlimmste Tag meines Lebens.“ Es war der Tag, als die Realschule eine Schülerin verlor – durch Suizid. Der Freitod des Mädchens löste eine Schockwelle aus, unter der die Schule lange litt – auch die Schulleiterin. „Anderthalb Jahre lang gab es immer wieder Selbstmord-Androhungen“, erinnerte sich die Pädagogin. „Wir sind so froh, dass wir einen Schulsozialarbeiter haben. Manche Schüler haben ein Abo bei ihm.“

Nina Fröhling machte Ausschuss und Verwaltung klar, dass sie alarmierende Verhaltensveränderungen von Schülern und Eltern beobachte – als Reaktion auf gesellschaftliche Veränderungen.

Die Rektorin machte sich für eine Verstärkung der Schulsozialarbeit stark. Der Ausschuss pflichtete ihr klopfend bei. SPD-Ratsherr Cay Schmidt meinte: „In vielen Familien findet Erziehung nicht mehr statt. Schulen sollten ausreichend mit Schulsozialarbeitern versorgt werden.“

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