KLIMAWANDEL

Rettet Slowenische Eiche den Wald in Balve?

Waldführung in Garbeck: Bernward Lösse erklärt der Kolpingsfamilie Garbeck Busch und Baum.

Waldführung in Garbeck: Bernward Lösse erklärt der Kolpingsfamilie Garbeck Busch und Baum.

Foto: Fabian Paffendorf / WP

Garbeck.  Der Laie sieht den Wald vor Bäumen nicht. Agrar-Ingenieur Bernward Lösse indes kennt die Unterschiede. Er sieht die Folgen des Klimawandels.

Wie steht’s um den Balver Wald? Und wie lassen sich verschiedene Gattungen von einzelnen Bäumen auch für den Laien unterscheiden? Waldbauer Bernward Lösse erklärte es der Kolpingsfamilie Garbeck beim Spaziergang durch seinen Baumbestand.

Die Deutsche Eiche gilt im Volksmund als besonders robust und langlebig. Sie wird als Synonym für Standfestigkeit begriffen. Doch dem Klimawandel trotzt auch sie nicht, wie Diplom-Agraringenieur Bernward Lösse weiß.

„Unsere Holzindustrie im Sauerland muss sich in Zukunft umstellen, wenn sie überleben will. Der Klimawandel und seine extremen Temperaturen sorgen dafür, dass zahlreiche Hölzer nicht mehr die gewohnte Qualität haben “, erklärt Waldbauer Lösse. Man müsse sich darauf einstellen, andere Holzarten zu verarbeiten, um überlebensfähig zu bleiben. Eine pflegeleichtere Alternative für die Deutsche Eiche hat Lösse schon ausgemacht – die Slowenische Eiche. „Das ist die weltbeste Eiche“, meint Fachmann Lösse. Von deren Qualitäten habe sich der Balver jüngst bei den Kollegen in Kroatien überzeugen können, wie er beim Waldspaziergang mit den Mitgliedern der Garbecker Kolpingsfamilie erzählt.

Das Trauma „Kyrill“

Mittlerweile gebe es in Nordrhein-Westfalen zwei Versuchsflächen für die Aufzucht der Slowenischen Eiche.

Beim Rundgang durch seinen Wald wagt der Hausherr des Garbecker Jungfernguts aber nicht nur Zukunftsprognosen, sondern liefert den zwölf Wissbegierigen, die ihm folgen, zahlreiche Informationen über seinen Baumbestand und dessen Historie. Bernward Lösse übernahm den elterlichen Betrieb im Jahre 1977. In mehr als vier Jahrzehnten als Waldbauer ist er krisenerfahren. Er hat sich vielen Herausforderungen stellen müssen: „Als ich 1978 Praktikant des Forstamtes Arnsberg war, da hat man bereits hinter vorgehaltener Hand das Waldsterben thematisiert – einige Jahre, bevor die Grüne Bewegung sich dem Thema annahm“, berichtet Lösse.

Die 1980er kamen, mit ihnen der saure Regen. Und dann war da das Schicksalsjahr 2007, das Jahr in dem „Kyrill“ rund 200 von 300 Hektar des Baumbestandes von Bernward Lösse zerstört hatte. Der Orkan „Kyrill“ zog zwischen dem 18. und 19. Januar 2007 über NRW hinweg und verursachte Schäden in Höhe mehrerer Milliarden Euro in Deutschland.

Vieles ist passiert, was den Wald verändert habe – und trotzdem gibt’s dort immer noch viel zu sehen und zu lernen. Zum Beispiel, woran auch der Laie die Traubeneiche von der Stieleiche unterscheiden kann. „Anhand der Blätter lässt sich die Baumart bestimmen. Die Blätter der Traubeneiche haben weitaus kürzere Stiele, als denn die der Stieleiche“, erklärt Bernward Lösse seinen Wegbegleitern.

Eine kuriose Geschichte hält Lösse über die Bleistiftzeder bereit: „In der Zeit nach Kyrill war es schwierig, an Pflanzen dieser Art ranzukommen. Ich hatte mehr als sechs Jahre gebraucht, um welche aufzutreiben – und 14 Tage später waren alle weg. Geklaut“, erinnert sich der Waldbauer.

Wie Rosenlärche zu ihrem Namen kam

So eine Geschichte hält der Waldführer über die Japanischen Lärchen in seinem Bestand nicht für die Kolpingsfamilie bereit. Wohl aber, warum der Baum auch unter dem Namen Rosenlärche bekannt ist. Eine genauere Betrachtung der Zapfen liefert die Erklärung: „Die sind zum Teil nicht geschlossen, so wie die Zapfen anderer Lärchen, sondern leicht geöffnet. Und das erinnert optisch an eine Rosenblüte“, erläutert Lösse. Nachdem Informationshunger und Wissensdurst gestillt waren, gab’s auf dem Jungferngut Kaffee und Kuchen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben