Regionale-Projekt

Sauerländer Höhlen werben künftig gemeinsam für sich

Balve.   Fünf Höhlen im Sauerland treten ab sofort unter Dachmarke "Sauerland Höhlen" auf. Künftig wollen sie gemeinschaftlich für sich trommeln - vereint im Internet, im Marketing, in der Werbung. "Da ist Musik drin", findet Thomas Weber, Geschäftsführer des Sauerland-Tourismus.

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12 Grad. Leichtes Frösteln auf den Stühlen. Von wegen - die Balver Höhle ist wohl temperiert. „Es ist die richtige Trinktemperatur“, sagt Engelbert Prinz von Croy, Vorsitzender der Schützenbruderschaft St. Sebastian. Er muss es wissen. Die Schützen sind hier zu Hause, halten die Höhle mit viel ehrenamtlichem Einsatz in Schuss.

Jetzt gab es Anlass zu feiern. Kein Riesending, aber womöglich der Anfang von einem Riesending. Als Sauerland Höhlen treten Dechenhöhle (Iserlohn-Letmathe), Reckenhöhle (Balve-Binolen), Heinrichshöhle (Hemer-Sundwig), Bilsteinhöhle (Warstein) und Balver Höhle künftig gemeinsam auf.

Über Tage musste etwas passieren

Unter Tage ist die Einsicht gewachsen, dass über Tage etwas passieren muss. Jede Höhle für sich allein gegen den Rest der Welt verschwindet im Nirwana. Nach langem Hin und Her, der Prozess hat fast fünf Jahre gedauert und stand 2012 auf der Kippe, ist das Regionale-Projekt jetzt perfekt.

Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten die beteiligten Kommunen, die Betreiber und Eigentümer der Höhlen und der Sauerland-Tourismus. Mit fast einer halben Million, 480.000 Euro, wollen die Höhlenmenschen für sich trommeln. Vereint. Im Internet, im Marketing, in der Werbung. Mit 240.000 Euro fördert die NRW-Stiftung das Vorhaben, die andere Hälfte der Summe steuern Sponsoren und die Höhlen bei.

Welt unter Tage vernachlässigt

Angesichts der positiven wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit über der Grasnarbe zwischen Altena und Züschen schlummerten die Höhlen vor sich hin. „Vielleicht haben wir sie in den vergangenen Jahren vernachlässigt“, gibt Thomas Weber, Geschäftsführer des Sauerland-Tourismus, zu, „längst ist erkannt, dass wir auch die alten Schätze mitnehmen müssen. Da ist Musik drin.“

Und der Zufall will es: Das Interesse ist seit der spektakulären Bergungsaktion für den Höhlenforscher Johann Westhauser im Untersberg in den Berchtesgadener Alpen enorm gestiegen. „So ein Medienecho hat die Höhlenforschung noch nie erlebt“, sagt Stefan Niggemann, Betriebsführer der Dechenhöhle in Letmathe. „Selbst die Entdeckung des Riesendings war der Tagesschau nicht eine Meldung wert.“ Und das war 1995.

Dass der Unglücksfall das Interesse an der Welt unter uns neu weckt, liegt in der Natur der Sache. Gleichwohl ist es im Alltagsgeschäft für die Höhlen schwierig, sich Gehör im Konzert der Angebote zu verschaffen. Niggemann, der das Projekt koordiniert: „Das geht nur gemeinsam.“ Mit der Öffnung der Höhlen für Besucher habe der Tourismus im Sauerland im 19.Jahrhundert begonnen.“ Jetzt gehe es darum, weitere Fördermittel zu bekommen. „Wir wollen die Höhlen fit für die Zukunft machen. Die Ausstattung mit LED-Lichttechnik ist der Anfang.“

Geheimnisumwobene Geschichten

Anfang ist ein gutes Stichwort. Der Chef des Neanderthal Museums in Mettmann, Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger, klärt auf, wo die Wiege der Menschheit steht. „In Südafrika.“ Er weiß um die Bedeutung der Höhlen: „Sie haben die Menschen zu allen Zeiten mit ihren geheimnisumwobenen Geschichten fasziniert und geben einen tiefen Einblick in unsere Vergangenheit.“

Und während Weniger philosophiert, findet Stefan Voigt, Vorsitzender des Arbeitskreises der Kluterthöhle in Ennepetal, mehr Worte für die Schwierigkeiten in der Gegenwart. Er kämpft seit acht Jahren für eine neue Beleuchtung der Höhle. Ohne Erfolg: „Das ist Politik, da braucht man einen dicken Hintern zum Sitzen.“ Die Kluterthöhle macht wie die Atta-Höhle in Attendorn bei der Kooperation nicht mit.

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