LSV SAUERLAND

Segelflug über Balve: „Ich werde eins mit der Luft“

Abgehoben: Sven Paul bei seinem Flug über die Region

Abgehoben: Sven Paul bei seinem Flug über die Region

Foto: Sven Paul / WP

Höveringhausen.  Die Freiheit des Fliegens – gibt es die? WP-Autor Sven Paul sagt: Ja. Er weiß, wovon er spricht. Er schwebte über Balve.

Die Luftfahrt und ich waren schon immer stark verbunden. Die Liebe zu allem, was fliegt, und die Technik haben mich mitgerissen. Jetzt hatte ich die Chance, meinen Traum zu verwirklichen, selbst ein Flugzeug zu fliegen – bei einem Schnupperflug beim LSV Sauerland in Höveringhausen.

Schon bei der Ankunft am Clubheim fühle ich mich von der Truppe der Segelflieger gut angenommen. Nach der Begrüßung von Marie Kneer, die seit ihrem 14. Lebensjahr aktive Pilotin ist, darf ich direkt mit anpacken und die Schleppmaschine und unser heutiges Segelflugzeug aus dem Vereinshangar ziehen.

Reinhard Prior, erst seit zwei Jahren im Verein und noch in der Flugausbildung, erklärt mir fachlich und doch voller Leidenschaft das Fluggerät. Für mich sehr erstaunlich ist, dass die Segelflieger ihre Flughöhe im Metern statt, wie sonst in der Luftfahrt üblich, in Fuß angeben und die Geschwindigkeit in km/h und nicht in Knoten. Man lernt gerne dazu.

Gemeinschaftlich wird unser Flieger auf die Startbahn des Flugplatzes gebracht, wo ich ziemlich aufgeregt von Fluglehrer Ludwig Fellenberg begrüßt werde. Ludwig – man duzt sich – ist bereits seit 47 Jahren aktiver Segelflieger und erklärt mir genau, worauf alles zu achten ist. Vor allem auf das Thema Sicherheit geht er sehr gründlich ein. Wichtig ist, dass der Fallschirm für den Notfall gut an einem befestigt ist und dass man im Notfall genau weiß, was man zu tun hat.

Dann geht es endlich los. Nachdem ich mich in das enge Cockpit gequetscht habe und mit Hilfe von Reinhard Prior angeschnallt habe, kann ich die Kabinenhaube schließen, und unser Flieger wird an das Schleppseil der Schleppmaschine eingehängt. Daumen hoch vom Piloten, und schon beschleunigt die Schleppmaschine, und ein paar Hundert Meter weiter heben wir an diesem windigen Tag ab. Und da ist auf einmal genau dieses Gefühl der Freiheit, von der in der Fliegerei so oft die Rede ist. Kaum ein paar Meter in der Luft ist alles ganz anders. Die Welt wird immer kleiner, und das, was unten so passiert, ist mir in diesem Moment total egal. Jeden Meter, den wir steigen, wird das Gefühl der Freiheit stärker.

Auf etwa 500 Metern klinken wir uns vom Schleppflugzeug aus. Es ist ein Traum. Das pure Fliegen. Frei wie ein Vogel und dem Element Luft ausgeliefert. Ich spüre jede Windbewegung, und ich werde eins mit der Luft.

Langsam kreist uns Ludwig mit Hilfe der Thermik über Neuenrade auf etwa 1000 Meter. Ich kann absolut die Leidenschaft der Segelflieger verstehen. Und jetzt darf ich selbst mal an den Steuerknüppel. Unter der Anleitung meines Fluglehrers geht es in die ersten Kurven. Ich muss darauf achten, mit Quer- und Seitenrudern eine genau Balance zu finden, um den Kurvenflug einzuleiten und zu kontrollieren.

Aber mit Ludwigs Hilfe und seiner Anweisung klappt das ohne Probleme. Wichtig ist übrigens auch, bevor man den Kurvenflug einleitet, wie beim Autofahren zu schauen, das sich in dem Bereich, in den man hinfliegen möchte, kein anderes Flugzeug aufhält.

Segelfliegen hat Suchtpotenzial

Nachdem ich ein paar Kurven- und Geradeaus-Flüge gemacht habe und ich über Werdohl, Neuenrade, Affeln und Küntrop geflogen bin, übernimmt Ludwig wieder das Steuer. Es wird Zeit, dass wir nach einer letzten Kurve über Garbeck die Landung einleiten. Wir sind schon fast eine halbe Stunde in der Luft, was ich gar nicht bemerkt habe. Die Zeit in der Luft vergeht echt wie im Fluge.

Polternd setzen wir auf der Grasbahn auf, und langsam kommt mir die Realität der Welt unten wieder in den Kopf.

Was mir gefällt: Segelfliegen ist kein Sport für Einzelkämpfer. Segelfliegen ist ein Teamsport. Segelflieger sind eine Gemeinschaft. Ich bin dankbar, dass ich das erleben durfte: das Team am Boden und das Team in der Luft. Segelfliegen macht süchtig, stelle ich fest. Wann darf ich wiederkommen?

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