NULL-ZINS-POLITIK

Sparkasse MK will Privatkunden schonen

Sparkassen-Vorstandschef Kai Hagen nach dem WP-Gespräch in Balve

Sparkassen-Vorstandschef Kai Hagen nach dem WP-Gespräch in Balve

Foto: Jürgen Overkott

Balve/Frankfurt.  Welche Folgen hat die Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank für Sparkassen-Kunden? Sparkassen-Chef Kai Hagen steht Rede und Antwort.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt hat ihre Null-Zins-Politik verschärft. Der heimische Sparkassen-Vorstandssprecher Kai Hagen erklärt im WP-Interview, welche Folgen die Beschlüsse für Kunden und Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Geldinstitutes vor Ort haben könnten.

Die EZB hat Strafzinsen erhöht. Müssen sich Bankkunden darauf einstellen, dass der gute, alte Sparstrumpf zurückkehrt?

Kai Hagen Sogar Kreditinstitute machen sich Gedanken, das Geld in bar zu halten, als es zur EZB zu bringen. Da werden 0,5 Prozent Strafzinsen fällig. Geld selbst zu halten: Das klingt zunächst günstiger. Man muss aber bedenken, dass dafür auch größere Sicherungsmaßnahmen erforderlich werden. Ich sehe, dass inzwischen alle Kreditinstitute ihre Verwahrentgelte bei großen Gewerbe-Kunden weitergeben. Natürlich stelle sich die Frage: Geht das in die private Kundschaft? Das kann man mit einem klaren Jein beantworten. Den normalen Sparkunden werden wir wohl verschonen. Als Normal-Guthaben bezeichne ich mal 50.000 bis 100.000 Euro. Ich könnte mir schon vorstellen, dass irgendwann mal große Gutachten ab 500.000 Euro auch von Privatkunden mit Verwahrentgelten belegt werden.

Auf klassischen Konten lässt sich Geld nicht mehr vermehren. Welche Alternativ-Wege sehen Sie?

Bei Sparkonten und Einlagen, Termineinlagen oder auch mehrjährigen Einlagen haben Sie praktisch keinen Zins mehr. Wir müssen andere Wege gehen. Was noch mehr in die Köpfe hineingehen muss, sind Anlageformen wie Wertpapier-Sparpläne, Sparpläne in gemischten Fonds, Sparpläne in Aktienfonds. Ich kann Ihnen zwar nicht sagen, wie der DAX in drei Monaten steht. Aber ich sagen, dass Indizes auf Dauer steigen. Wir bieten verschiedene Einstiegsmöglichkeiten, damit der Kunde nicht Gefahr läuft, innerhalb eines Jahres womöglich eine große Summe zu verlieren. Das ist eine Möglichkeit.

Und die andere Möglichkeit?

Da sehe ich auf den Immobilienmarkt. Ich sehe auch im Märkischen Kreis Verteuerungen von Immobilien. Das können wir seit zwei Jahren beobachten. Das bleibt aber alles im Rahmen. Wenn ich aber die Ballungsräume sehe, sehe ich bei den rasant steigenden Immobilienpreisen eine Bruttorendite von einem oder zwei Prozent. Da muss ich mich fragen, ob das lohnt. Denn es gibt auch im Immobilienmarkt Risiken: Mieter, die nicht zahlen können, oder Mieter, die ihre Wohnung nicht so verlassen, wie sich der Vermieter das wünscht.

Wie groß sehen Sie das Risiko, dass die Immobilienblase platzt?

Ich glaube, dass die Zinsen, wie wir sie gerade sehen, einige Jahre so bleiben werden. Ich bin überzeugt davon, dass die Immobilienblase zu platzen droht, wenn wir starke Zins-Steigerungen sehen. Dann kommen viele Immobilien auf den Markt drängen – mit der Folge, dass die Verkehrswerte sinken.

Die Zinsen sind niedrig. Lassen sich Verbraucher zu hohen Schulden verführen?

Die Verschuldungshöhe ist gestiegen. Das liegt natürlich auch daran, dass die Immobilienpreise gestiegen sind. Das Eigenkapital ist nicht mehr geworden. Aber die Preise sind höher.

Guckt die Sparkasse inzwischen genauer hin, wem sie was gibt?

Bei uns in der Region ist eine moderate Entwicklung. Kunden haben hier, wie auch sonst in Deutschland, die Neigung, Zinsen lange festzuschreiben. Ich habe selbst Zinsen bei Immobilienobjekten immer auf zehn Jahre festschreiben lassen, und es war immer falsch.

Gehen wir zu den kleineren Krediten. Reizen Verbraucher den Dispo heutzutage stärker aus?

Dispo respektive Kleinkredit auszuschöpfen: Das gibt es. Es gibt ja viele Anreize, zu null Prozent zu finanzieren. Bei Autos gibt inzwischen Rabatte, wenn der Kauf finanziert wird, zu null Prozent. Das führt bei manchen Leuten dazu, eine Klasse oder zumindest eine Motorisierung höher zu nehmen.

Müssen Banken am Ende an der Gebührenschraube drehen?

Uns wird von der Bankenaufsicht zum Vorwurf gemacht, dass wir nicht längst schon dabei sind, uns über Provisionen und Gebühren neue Einnahmequellen zu erschließen. Wir sehen das ganz anders. Unser Kerngeschäft war über lange Zeit, mit Zinsen Geld zu verdienen. Wir haben vor zwei Jahren bei den Gebühren was gemacht. Wir sehen im Augenblick keine Veranlassung, das zu ändern.

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