INFERNO 1789

Stadt brennt: Blankes Entsetzen vorm Balver Schützenfest

Balves Stadtbild vor dem Stadtbrand 1789, vorzüglich aufgearbeitet nach historischem Vorbild von Werner Ahrens

Balves Stadtbild vor dem Stadtbrand 1789, vorzüglich aufgearbeitet nach historischem Vorbild von Werner Ahrens

Foto: werner ahrenS

Balve.  1789 kommt für Balve das Ende. Das Ende der alten Festungsstadt. Die Stadt steht in Flammen, ausgerechnet vorm Schützenfest. Was ist passiert?

Balves Schützenbrüder in unserer Stadt werden wohl auch in diesem Jahr fröhlich und unbeschwert feiern können. Vor 230 Jahren war das anders: Blankes Entsetzen vor dem Balver Schützenfest. Ein Flammenmeer zwang die Menschen zur Flucht aus ihren Häusern.

Ohnmächtig und vergeblich kämpfte die Bürgerwehr. Fast das gesamte Städtchen wurde vernichtet. Wieder einmal erlebten die Bewohner eine Katastrophe, diesmal eine Feuerwalze, die rund ein Dutzend früherer Brände bei weitem überstieg. Dazu ein Chronist: „Vom 23ten July des Nachts zwischen 11. und 12. Uhrn seyend zu der Stadt Balve 65. Häuser ohne die Scheuern abgebrandt. ach: ach: ach: Die Armuth, Noth, Theuerung des Brodts steigen stündlich. Nur 12 kleine Häuser seyend stehen verblieben…“ Dieser Bericht und auch spätere Aufzeichnungen lassen uns das Ausmaß des Unheils zumindest erahnen.

Das „Central-Volksblatt“ 1876: „…Wie ist es gekommen, daß aus der alten Festung nunmehr ein offenes Landstädtchen geworden ist? Nicht feindliche Kanonen oder Kriegszufälle haben hierzu gewirkt, sondern ein großer Brand im Jahre 1789 hat das alte Balve zerstört und aus seinen Ruinen ist das neue Balve erstanden…“. Denn der Brand, „entstand in der Nacht vom 23. auf den 24. Juli in dem Hause eines Wirthes, der in diesen Tagen mit Brauen des Bieres für das herannahende Schützenfest beschäftigt war. Wie das Feuer entstanden ist, hat die gerichtliche Untersuchung nicht feststellen können, doch waren jegliche Anzeichen von böswilliger Brandstiftung ausgeschlossen. Wegen der Nachtzeit wurde das Feuer so spät bemerkt, daß die Bewohner des Hauses nur mit Lebensgefahr sich retten konnten. Das Feuer griff schnell weiter um sich, an eine Löschung war nicht mehr zu denken. Viele retteten nur ihr nacktes Leben und die notdürftigen Kleider, die sie sich bei dem Feuerlärm umgeworfen hatten.“ Tote waren jedenfalls nicht zu beklagen.

Dieser Bericht von Franz Anton Höynck (1842-1920) befindet sich auch im „Buch Balve 1930“. Aus seinen Quellen schöpft Josef Pütter (in „Sauerländisches Grenzland im Wandel der Zeit“) vor rund 50 Jahren weitere Einzelheiten im Ablauf dieser Katastrophe: So habe der Stadtdiener das Rathaus für das Fest geschmückt und abgeschlossen und die Rathauskellerschlüssel im Hause des späteren Geschäftshauses Schaber-Krüdewagen übergeben. Hier waren Biergetränke gelagert. Die Wirtin rettete beim Ausbruch des Feuers zwar ihr Leben, verlor aber die Schlüssel zum Rathaus. Damit war auch der Zugang zu Feuerspritze und Löschgeräten versperrt. Die Rettungsarbeiten waren langsam, die Feuersbrunst schnell.

Welches markante Haus stehen blieb

Tatsächlich war das Städtchen bis dahin von einer Stadtmauer umgeben. Die Kirche stand außerhalb der Stadt, sie und benachbarte Gebäude waren für Bürger erreichbar durch das ein der Südseite gelegenes Tor, die Kirchenpforte. So gab es keine Möglichkeiten einer weiteren Ausdehnung innerhalb des engen Vierecks. Das zwang zu platzsparendem Planen, vielfach aneinander gebaut, unter Verwendung einfachster Materialien und strohgedeckter Dächern. Ein gefundenes Fressen für die Flammen. Von den von ursprünglich 85 Gebäuden wurden nur wenige Häuser und Nebengebäude verschont, darunter immerhin ein Wahrzeichen der Stadt: das Drostenhaus.

Rudolf Rath ist ehrenamtlicher Archivar des Pfarrarchivs St. Blasius Balve.

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