Interview

Stephan Neuhaus: „Wir können nur gewinnen“

Volkringhausens Brudermeister Stephan Neuhaus (Mitte) ist ein sehr emotionaler Mensch. Hier freut er sich mit dem ehemaligen Schützenkönig Marius Neuhaus

Volkringhausens Brudermeister Stephan Neuhaus (Mitte) ist ein sehr emotionaler Mensch. Hier freut er sich mit dem ehemaligen Schützenkönig Marius Neuhaus

Foto: mbo

Volkringhausen.  Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden der Schützenbruderschaft St. Hubertus Volkringhausen über Wandel und Tradition.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Vieles neu macht der Mai für die St.-Hubertus-Schützen aus Volkringhausen. Im Interview erklärt Brudermeister Stephan Neuhaus, warum die Volkringhauser in diesem Jahr so früh dran sind wie nie zuvor, und welche Änderungen sonst noch auf die Schützenfestbesucher warten.

Schützenbruderschaften legen in der Regel größten Wert auf Traditionen. Warum brechen Sie mit einer so elementaren wie dem Termin ihres Hochfestes?

Stephan Neuhaus: Auslöser für diese Änderung war die Ankündigung unserer Festmusik aus Garbeck, dass sie und auch die Amigos nicht mehr an unserem Schützenfest spielen können. Nach 33 Jahren mussten wir uns nach einer neuen Festmusik umsehen. Und da haben wir uns die Frage gestellt, ob es nicht vielleicht Sinn machen könnte, uns mal Gedanken zu unserem Schützenfest allgemein zu machen.

Deshalb muss man aber doch nicht gleich einen seit vielen Jahren fixen Termin umwerfen, oder?

Stimmt. Aber unser alter Termin war immer das vierte Wochenende im Juli. Und damit waren wir das achte Schützenfest im Amt Balve, kamen nach den großen Festen in Garbeck und Balve, und es war immer zum Ende des Monats. Weil wir ein kleiner Ort und auch nur eine kleine Bruderschaft sind, wollten wir gerne einen Termin weiter vorne in der Saison finden.

Da blieben nicht mehr ganz viele Möglichkeiten übrig.

Uns war ganz wichtig, dass wir Niemandem aus der Nachbarschaft in die Quere kommen. Da blieb dann tatsächlich nur das Pfingstwochenende übrig. Wir wollten niemanden überrumpeln und haben frühzeitig über diesen Plan informiert. Es gab im vergangenen Jahr bei der Abstimmung eine überragende Mehrheit mit nur einer einzigen Gegenstimme für den neuen Termin am Pfingstwochenende. Dass zu dieser Abstimmung deutlich mehr Schützenbrüder kamen als üblich, zeigt die Wichtigkeit dieses Themas. Dass das Resultat so überwältigend ausfiel, freut mich wirklich sehr.

Zusätzlich zum neuen Termin ändern Sie auch noch die Wochentage. Ist das nicht ein bisschen viel auf einmal?

Das ist sicherlich ein großer Schritt. Aber wir standen dann vor der Frage, wie wir mit der Sternwallfahrt umgehen sollen, die traditionell am Pfingstmontag gefeiert wird. Als Bruderschaft vertreten wir die Werte glaube Sitte und Heimat und wollten deswegen auf keinen Fall der Sternwallfahrt in die Quere kommen. Wir hätten am Montag erst später mit dem Fest beginnen können, oder aber einfach schon am Freitag damit anfangen. Für den Wechsel von Samstag/Sonntag/Montag auf Freitag/Samstag/Sonntag gab es auch eine große Mehrheit.

Machen Sie sich Sorgen, dass dieser Wechsel von den Besuchern vielleicht nicht gut aufgenommen wird?

Nein. Das tun wir nicht. Wir haben bereits viel positive Rückmeldung bekommen. Zum Beispiel auch von Musikkapellen, die wir gefragt haben, ob sie an unserem neuen Termin spielen könnten. Auch wenn sie keine Zeit hatten, haben mehrere geantwortet, dass sie unsere Änderung gut fänden und uns für unseren Mut gelobt. Denn auch bei den Musikern ist es nicht mehr wie früher. Mehr und mehr haben Probleme, für ihre Auftritte beim Vogelschießen so einfach ein paar Montage von der Arbeit frei zu bekommen.

Haben Sie im Vorfeld bei Schützenvereinen nachgefragt, die schon länger am Freitag mit ihren Hochfesten starten?

Ja, natürlich. Ich habe zum Beispiel beim damaligen Affelner Brudermeister Stefan Kempe nachgefragt, was er von unserer Idee hält. Und er hat uns sofort Mut gemacht und gesagt, wir sollten uns mal keine Gedanken machen. Das werde schon laufen, und wir würden den neuen Termin gar nicht mehr ändern wollen.

Das sind viele Veränderungen. Was ist in diesem Jahr nicht neu?

Ganz viel: So wird zum Beispiel das Trommlerkorps Eisborn in alter Freundschaft und Verbundenheit wieder für uns spielen. Die Musiker haben im vergangenen Jahr ihr 60-jähriges Jubiläum ohne Unterbrechung in Volkringhausen gefeiert. Sie haben unsere Entscheidung sofort unterstützt und gesagt dass sie natürlich wieder für uns spielen werden. Unverändert bleiben auch die Ehrungen langjähriger Schützenbrüder am Samstag. Es gibt weiterhin Ständchen für Bürgermeister und Ortsvorsteher sowie den Marsch zum Königspaar und die Heilige Messe zum Beginn des Schützenfest – die dann aber bereits am Freitag.

Und wie sieht es mit dem Brückentanz aus?

An dieser ganz besonders lieb gewonnenen Tradition wird ebenfalls nicht gerüttelt. Der nächtliche Brückentanz am zweiten und dritten Schützenfesttag bleibt. Wir freuen uns sehr, dass der Musikzug Heggen zugesagt hat, mit ungefähr zehn Leuten bis zum Ende da zu bleiben, um dafür zu sorgen, dass diese Tradition weiter leben kann.

Dann freuen Sie sich schon sehr auf ihr Frühlings-Schützenfest?

Ja, denn wir hoffen, mit dem neuen Termin auch ein festes Fundament für die Zukunft der Bruderschaft und die junge Generation zu legen. Es wird sicher eine Umstellung werden, aber wir haben so viel Zustimmung erhalten, dass wir sehr optimistisch daran gehen. Wir können nur gewinnen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben