EISBORN

Streit um Kalk-Abbau im Hönnetal geht weiter

Hönnetal  in Höhe  Klusenstein: Vor 100 Jahren wurden die Kalkwände gerettet. Doch der Streit um den Kalk-Abbau ist vor kurzem wieder aufgeflammt.

Hönnetal  in Höhe  Klusenstein: Vor 100 Jahren wurden die Kalkwände gerettet. Doch der Streit um den Kalk-Abbau ist vor kurzem wieder aufgeflammt.

Foto: Jürgen Overkott / WP

Balve/Klusenstein/Eisborn.  Eine Plakette soll daran erinnern, dass das Hönnetal vor 100 Jahren gerettet wurde. Der Streit um Kalk-Abbau indes ist jetzt wieder aufgeflammt.

Der Zeitpunkt ist clever gewählt. Am Mittwoch, 14. August, will der Naturhistorische Verein Hönnetal eine Gedenkplakette in der Wand am Klusenstein anbringen. Sie soll daran erinnern, dass die bizarren Kalkformationen vor 100 Jahren vor dem Zugriff der Industrie gerettet wurden. Die Aktion passt perfekt in die Diskussion um die Erweiterung des Lhoist-Steinbruchs Horst bei Eisborn.

Der Naturhistorische Verein rechnet damit, dass das Anbringen der Plakette vermutlich zwei Werktage dauert. Am Donnerstag, hieß es, sei die Maßnahme vermutlich beendet.

Geschäftsführer Adalbert Allhoff-Cramer am Montag zur „Westfalenpost“: „Wir stellen Warnschilder auf der B 515 auf, in beiden Fahrtrichtungen.“ Mit Verkehrsbehinderungen rechnet er nicht. Die Baustellen-Schilder seien eine Vorsichtsmaßnahme, sagte Adalbert Allhoff-Cramer.

Rückblende. Anfang des 20. Jahrhunderts hatten die Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke (RWK, Vorläufer von Rheinkalk und Lhoist) Pläne, das Hönnetal „vollständig industriell zu verwerten“, wie der Naturhistorische Verein vermerkt. So sollten die Sieben Jungfrauen kurzerhand abgebaut werden. „Unterhalb Klusenstein war mitten im Hönnetal ein weiteres Kalkwerk mit Kalkringöfen geplant, vergleichbar mit Oberrödinghausen“, heißt es. 1912/13 regte sich dagegen „erster starker Widerstand“ in der Öffentlichkeit. Der Erste Weltkrieg ließ den Kampf ums Hönnetal ruhen. Nach Kriegsende indes ging er weiter. Die Regierung in Arnsberg strebte die Erhaltung einer „kulissenartigen Felswand” an. Sie sollte mit öffentlichem Geld erworben werden. Der Kreistag stellte am 29. September 1919 25.000 Mark für den Grundstückskauf zur Verfügung. „Dies“, so heißt es, „brachte anscheinend den Wendepunkt.“ Eine Fläche von insgesamt 23,5 Hektar musste zu einem Preis von 325.000 Reichsmark gesichert werden. Bürger wurden zu Spenden aufgerufen, eine war Lotterie geplant, die „einen großen Teil“ der benötigten Summe abdecken sollte.

1920 wurde die Felskulisse grundbuchlich gesichert -- und war damit „auf alle Zeiten” geschützt.

Heutzutage gibt es erneut Reibungen zwischen Kalk-Abbau einerseits sowie Bürger-Interessen und Umwelt-Gesichtspunkten andererseits. Die Bürgerinitiative BGS beklagte mehrere Staubwolken, die nach Sprengungen für Verunreinigungen von Immobilien und Fahrzeugen.

Lhoist will Schaden begrenzen

Am Montag war Eisborns Ortsvorsteher Martin Danne gemeinsam mit Lhoist-Werksleiter Dr. Zacharias Grote im Steinbruch während einer Sprengung. Martin Danne im Nachhinein zur „Westfalenpost“: „Vor der Sprengung stand der Wind günstig. Während der Sprengung dreht er so, dass eine weitere Staubwolke nach Eisborn wehte, auch wenn sie nicht so stark war, wie ich sie auf Fotos und Videos gesehen habe.“

Martin Danne bestätigte, dass Lhoist den Schaden begrenzen wolle. Das Werk zahle für die Reinigung verschmutzter Gegenstände. Auch wolle Lhoist den Abbau in einen Teil des Steinbruchs verlagern, der Eisborn nicht so stark wie bisher mit Staub belaste. Derweil arbeitet der Ortsvorsteher an einem Runden Tisch. Der Termin steht: Mittwoch, 11. September, in der Schützenhalle Eisborn. Wann die Abendveranstaltung beginnt, ist noch offen. Zuvor tagt ein Ausschuss des Balver Rates.

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