IP-Umstellung

Telekom will Hotel Haus Recke den ISDN-Anschluss kappen

Ulrich Vanselow zeigt die Anschlusskabel für seine E-Auto-Ladesäule. Er konnte die Säule noch nicht aufstellen, weil das Abrechnungssystem noch nicht zugelassen ist. 

Ulrich Vanselow zeigt die Anschlusskabel für seine E-Auto-Ladesäule. Er konnte die Säule noch nicht aufstellen, weil das Abrechnungssystem noch nicht zugelassen ist. 

Foto: Arne Poll

Balve.   Die Telekom will Haus Recke in Balve den ISDN-Anschluss kappen. Für IP-Telefonie reicht das Netz nicht aus. Der Hotelier kämpft mit Bürokratie.

Ulrich Vanselow bangt um seine Erreichbarkeit. Die Telekom hat dem Besitzer von Haus Recke im Hönnetal angekündigt, dass sie den vorhandenen ISDN-Telefonanschluss Mitte September abschalten will. Vanselow soll demnächst über das Internet telefonieren. Aber das ist so langsam, dass Telefonieren darüber überhaupt nicht funktioniert. Es ist nicht Vanselows einziger Kampf gegen die Bürokratie.

Das Telefon bimmelt im Minutentakt. Jemand will einen Kindergeburtstag in der Reckenhöhle buchen. Auch die Hotelzimmer sind gefragt. Ulrich Vanselow telefoniert auf zwei Leitungen gleichzeitig. Er fürchtet, dass es in seinem Büro demnächst ganz still werden könnte. „Da geht dann nichts mehr.“ Die Telekom hat ihm unmissverständlich klargemacht, dass am 15. September Schluss ist mit ISDN. Im Rahmen der Umstellung auf IP-Telefonie schalte man den alten Anschluss ab.

In weiten Teilen des Stadtgebietes wäre das – von den üblichen Störungen mal abgesehen – kein Problem. Dank des gerade erfolgten Breitbandnetz-Ausbaus auf Geschwindigkeiten von 100 MBit/s und mehr ist dort auch IP-Telefonie möglich. Die Leitungen wurden aber in einem großen Bogen um Binolen herum verlegt. Vanselow hat einen DSL-Anschluss mit 2 MBit/s. „Davon kommen aber nur 0,8 an“, sagt der 60-Jährige. Das reicht noch nicht einmal für schlechte IP-Telefonie. „Man sagt mir immer, dass ich nur einen Anspruch auf einen Anschluss habe. Es heißt nicht, dass man damit auch telefonieren können muss.“ Ulrich Vanselow ist kein Einzelfall: Auch über diesen ISDN-Kunden berichtete die WP schon.

Auch Gästeanschlüsse in Gefahr

Auch die vorhandene Telefonanlage für die Hotelgäste wäre dann vom Netz, geschweige denn dass die Gäste selbst noch ins Internet kommen. Denn Vanselow stellt jetzt schon seinen bescheidenen Internetzugang meist den Gästen zur Verfügung, damit diese überhaupt im Netz aktiv sein können.

Die Deutsche Telekom lehnt auf WP-Anfrage aktuell Auskünfte zu dem Fall ab. Das ehemalige Staatsunternehmen will sich nicht zu Zahlen weiterer Betroffener äußern. Die Telekom lässt auch offen, warum sie ausgerechnet jetzt in Balve die ISDN-Anschlüsse abschalten will. Technische Gründe soll es dafür nicht geben, eher strategische. Man wolle aber versuchen, mit Vanselow Kontakt aufzunehmen, erklärt eine Mitarbeiterin der Telekom-Pressestelle: „Es gibt kein abschließendes Ergebnis aufgrund der Nichterreichung.“ Mit Anschlüssen funktioniert es offensichtlich bei der Telekom auch im eigenen Haus nicht. Es gebe keine Möglichkeit, Kontakt zu den Fachleuten im eigenen Haus aufzunehmen: „Man kann die nicht erreichen.“

Ulrich Vanselow will es nicht fassen: „Ich habe in den vergangenen Jahren zwischen fünf und sechs Millionen Euro in dieses Haus investiert und werde dann einfach vom Netz abgeschnitten.“ Es sei ja nicht so, dass er nicht selbst auch bemüht sei, die schlechte Netzanbindung im Hönnetal zu verbessern. „Wir haben einen 15 Meter hohen Mast aufgestellt, damit wir wenigstens ein bisschen LTE-Verbindung fürs Handy haben.“ Es sei ihm auch angeboten worden, ein eigenes Kabel bis nach Eisborn zu ziehen. „Das würde mich wahrscheinlich 100.000 Euro kosten“, sagt Vanselow, der auf seinen Weltreisen schon allerhand technische Extreme kennengelernt hat. Das Problem seien auf der Strecke nach Eisborn die aufwändigen Erdarbeiten. Auch eine Richtfunkstrecke kommt wegen des verwinkelten Tals nicht in Frage.

Änderung beim Eichrecht

Es ist nicht Vanselows einziger Kampf gegen die Mühlen der Bürokratie. Er habe doch schon richtig lange eine öffentlich Ladesäule für Elektroautos, sagt der 60-Jährige als Reaktion auf die WP-Berichterstattung über die geplante erste öffentliche E-Ladesäule in Balve. Vanselow flachst, denn installiert sei seine Säule noch nicht. Nach einer Gesetzesänderung zum 1. April hat die angeschaffte Säule noch keine Genehmigung für das Abrechnungssystem. Vanselow kann sie noch nicht öffentlich zur Verfügung stellen, weil es eichrechtliche Probleme geben könnte. Auch der Förderantrag habe sich so lange hingezogen, dass er jetzt die Säule komplett auf eigene Kosten baue: „Ich verzichte auf die Förderung.“ Für die Öffentlichkeit wird die Säule vorerst nicht zur Verfügung stehen, nur für Hotel- und Restaurantkunden.

Vanselow zeigt sich enttäuscht: „Ich will als Hotel ein Alleinstellungsmerkmal haben.“ Er habe viele Gäste mit Elektroautos. Die Lage an der Ausflügler-Strecke im Hönnetal gilt als ideal. Im kommenden Jahr will Vanselow eine Elektro-Harley-Davidson zum Probefahren auf den Hof stellen – wenn nicht wieder was Bürokratisches dazwischenkommt.

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