DATENAUTOBAHN

Vanselow vs Telekom: Binolen bleibt vorerst Datenwüste

Ärger um Telekom-Anschluss in Balve: Das Foto vom 7.6.2019 zeigt Ulrich Vanselow. Der Hotelier von Haus Recke im Hönnetal hat Ärger, weil sein ISDN-Anschluss abgeschaltet werden soll. E

Ärger um Telekom-Anschluss in Balve: Das Foto vom 7.6.2019 zeigt Ulrich Vanselow. Der Hotelier von Haus Recke im Hönnetal hat Ärger, weil sein ISDN-Anschluss abgeschaltet werden soll. E

Foto: Arne Poll / Westfalenpost

Binolen.  Datenwüste Binolen. Bei Uli Vanselow wird nach den Ferien ISDN abgeknipst. Die Telekom bietet teure Lösungen. Was sagen Westnetz und Kreis?

Hotelier Uli Vanselow vom Haus Recke in Binolen fühlt sich von der Telekom zu unrecht als Digital-Verweigerer dargestellt. Seine veraltete ISDN-Verbindung soll nach den Sommerferien abgeknipst werden. Das bisherige Angebot der Telekom, ihn zur Datenautobahn zu bringen, ist ihm zu teuer. Gibt es Alternativen?

Standleitung oder Telefonanlage

Rückblende. Die Telekom hat Vanselow nach eigener Darstellung eine Standleitung angeboten. Die monatlichen Kosten seien mit Minimum 350 Euro plus Mehrwertsteuer plus neue Telefonanlage beziffert worden. Auch sei dem Balver Urgestein vorgeschlagen worden, eine Telefonanlage zu kaufen. Die Kosten seien mit 5000 Euro netto plus Mehrwertsteuer angegeben worden. Das sei aber keineswegs alles. Er müsste drei Anschlüsse ordern: einen Anschluss fürs Telefon (Voice IP), zwei Anschlüsse fürs Internet, damit die Gäste WLan haben. Dazu komme ein LAN-Anschluss über eine 15 Meter hohe Antenne. Sie sei erforderlich, damit der Betriebsserver noch laufe.

Dazu Vanselow: „Ich habe keine Bange, in modernste Technik zu investieren. Das tue ich sowieso.“ Zugleich verweist der H

otelier darauf, dass in Binolen ein 110 Jahre altes Kupferkabel mit Papier- und Stoff-Ummantelung in Boden liege. Das sei nicht in der Lage, die große Datenmengen zu transportieren.

Kupferkabel war gestern. Moderner Standard ist Glasfaserkabel. Für den Ausbau im heimischen Raum zeichnet die Innogy-Tochter Westnetz verantwortlich. Westnetz-Sprecher Wieland Dierkes zur „Westfalenpost“: „Wir haben im östlichen Stadtgebiet Kabel verlegt im Bereich Beckum, Sanssouci und Volkringhausen.“ Binolen wird ausdrücklich nicht versorgt: zu wenige Haushalte.

Vanselow hat zwischenzeitlich Kontakt mit dem Märkischen Kreis aufgenommen. Was ist möglich?

Beim Kreis heißt es, dass Binolen in einem Förderverfahren für den Breitbandausbau in Wohngebieten berücksichtigt werde. Allerdings müssen sich Interessenten am schnellen Netz auf eine lange Wartezeit einstellen. Ein Glasfaser-Anschluss ins Gebäude (FTTH; Fiber to the Home) werde erst „in den kommenden Jahren“ möglich sein. Im Moment befinde sich der Förderantrag in der endgültigen Prüfung beim Projektträger des Bundesministeriums in Berlin.

Nach Erhalt des Förderbescheids durch den Bund und den Bescheid über die Co-Finanzierung durch das Land könne das Vergabeverfahren offiziell abgeschlossen werden. „Technisch wären damit Download- und Upload-Geschwindigkeiten von bis zu 1.000 Mbit/Sekunde möglich.“

Finanziert wird der Anschluss laut Kreis aus Bundes- und Landesmitteln plus kommunalem Eigenanteil. Immerhin: „Für die Haushalte entstehen in dem Bundesförderprogramm keine Anschlusskosten.“

Sobald die Förderzusage vorliegt, wird der zukünftige Netzbetreiber laut Kreis seinen Umsetzungszeitplan präsentieren und festlegen, in welcher Reihenfolge der Ausbau in den Kommunen des Märkischen Kreises erfolgt. Es geht um rund 46.000 Haushalte.

Kreis hilft frühestens 2020

Der vorläufige Zeitplan erstreckt sich für das gesamte Fördergebiet im Kreis nach bisherigen Einschätzungen bis auf das Jahr 2022. Fakt ist, dass im Kreisgebiet an mehreren Stellen gleichzeitig gearbeitet werde, heißt es. Vom Jahr 2020 an sollen die Anschlüsse Schritt für Schritt geschaltet werden. Sobald der endgültige Ausbauzeitraum und der zukünftige Netzbetreiber feststehen, werden der Kreis und Kommunen die Öffentlichkeit informieren.

Vanselow ist inzwischen frustriert: „Was soll ich denn jetzt machen? Ich investiere in modernste Telekommunikationstechnik, werde sie aber wahrscheinlich nur teilweise nutzen können.“

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