Verein rettet Turnierpferd vor Schlachter

Oldenburger Pferd Olli mit (links )Nicole Müller-Westernacher (1. Vorsitzende) und (rechts) Kirsten Reppel-Böhmer (2. Vorsitzende des Fördervereins "Reiten für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung Langenholthausen")

Oldenburger Pferd Olli mit (links )Nicole Müller-Westernacher (1. Vorsitzende) und (rechts) Kirsten Reppel-Böhmer (2. Vorsitzende des Fördervereins "Reiten für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung Langenholthausen")

Foto: Alexander Lück

Langenholthausen.  Turnierpferd Olli legte eine glänzende Sportkarriere hin. Dann langte’s nicht mehr. Jetzt hilft der Hengst Kranken in Langenholthausen.

Aus dem Rampenlicht des Weltklasse-Pferdesports ins beschauliche Langenholthausen. Statt Siegprämien und Medaillen nun ganz für Menschen da sein, die Hilfe benötigen. Oder wie es Kirsten Reppel-Böhmer ausdrückt: „Hier kann er endlich Pferd sein“. Der 17-jährige Oldenburger Olli startet nach erfolgreicher Sportkarriere als Therapiepferd in ein neues Leben.

Es ist nicht die erste „Umschulung“ dieser Art, die Kirsten Reppel-Böhmer macht. Sie ist Reitlehrerin und -therapeutin sowie zweite Vorsitzendes des Fördervereins „Reiten für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung“.

Einem der Vierbeiner, der nun auf der Reitanlage an der Iserlohner Straße ein neues Zuhause und eine neue Aufgabe gefunden hat, wäre sonst ein trauriges Schicksal beschieden gewesen: der Schlachter. Darum wäre Olli vermutlich drum herum gekommen.

Als Springpferd hat der mittlerweile 17 Jahre alte Oldenburger im wortwörtlichen Sinne die Welt gesehen, Titel gewonnen, Ruhm geerntet. Doch im vorigen Jahr war Schluss damit. Für die allerhöchsten Kategorien wurde Olli mit Rücksicht auf seine Gesundheit aussortiert, Springen mit niedrigerem Schwierigkeitsgrad (für Reitsportexperten: A-Klasse) hätte er noch springen können.

Ein Leben in Einzelboxen

Ollis Besitzerin aber hatte eine andere Idee. Sie ist mit Kirsten Reppel-Böhmer befreundet, die als Ergotherapeutin mit Schwerpunkt Therapie mit Pferd arbeitet. In Langenholthausen sollte der Hengst eine neue Aufgabe finden. Auch wenn Reppel-Böhmer langjährige Erfahrung in diesem Metier hat und ein wahnsinnig großes Einfühlungsvermögen in diesen faszinierenden Tiere (präzise, nachvollziehbar, unterhaltsam und vor allem mit leuchtenden Augen charakterisiert sie jedes Pferd, welches hier lebt), so war diese, wie jede „Umschulung“ vom Leistungssportler zum Therapiepferd ein großes Experiment. Es hätte schiefgehen können. „Dann hätte ich Olli wieder abgegeben können, zurück an die Bekannte, wo ich ihn auch in guten Händen weiß. Ohne diese Sicherheit hätte ich es auch nicht probiert.“

Aber die Geschichte nahm ein gutes Ende. In Kürze können Reppel-Böhmer und Olli mit einem der Patienten die erste therapeutische Reitstunde in Angriff nehmen. Zuvor mussten Reppel-Böhmers Familie und Bekannte als Versuchskaninchen auf dem Vierbeiner herhalten.

Bis dahin war’s ein weiter Weg. Olli kam im Januar nach Langenholthausen. Hier fand er, was ihm während seiner Karriere fehlte: eine Herde. Reppel-Böhmer: „Pferde sind Herdentiere. In der Gruppen erziehen sie sich, prägen ihr Sozialverhalten aus, lernen sich dem Ranghöchsten unterzuordnen.“ Vieles davon hatte Olli nicht. Während der Reisen um die Welt lebte er in Einzelboxen. „Das soziale Leben bleibt dabei auf der Strecke“, sagt Reppel-Böhmer. Den Pferdesport, gerade im Hochleistungsbereich, will sie keineswegs verdammen. Da geht es nun mal nicht anders. „Und Olli ist auch immer gut behandelt worden.“

Lernziel: Teamfähigkeit

Aber ihren Status in einer Gruppe austesten – das können sie nicht. Zumindest im heimischen Stall sollten Weltklassepferde auch auf die Weide können. Eine gesetzliche Verpflichtung wäre wünschenswert, sagt Reppel-Böhmer. In Langenholthausen gibt es keine Einzelboxen. Lediglich zur Eingewöhnungszeit nach Ollis Einzug. Langsam tastete er sich in die Gruppe vor, stressig für alle Beteiligten. Unterordnung war schwierig. Den Sportler bekam man aus dem Oldenburger so schnell nicht raus. „Er wollte immer sofort loslaufen. Olli musste dann lernen, dass es jetzt seine Aufgabe ist, einfach nur zu stehen. Ganz entspannt, ohne auf ein Startsignal zu warten.“ Viele Übungsstunden kostete das, sich führen lassen oder ruhig an der barrierefrei befahrenen Rampe stehen, von der aus die Patienten auf das Pferd steigen. Es galt, die Aufmerksamkeit des Vierbeiners umzupolen. Vom Reiter, der die Kommandos gibt, auf die Person, die führt. Also Kirsten Reppel-Böhmer.

Ihr muss das Pferd bedingungslos vertrauen. Wenn diese Beziehung funktioniert, sagt die Reittherapeutin, „dann kann mir das Pferd sogar etwas über den Patienten erzählen“. Etwa ob es ihm oder ihr schlecht geht. Das Pferd würde dann stehen bleiben oder sich anders bemerkbar machen. Die Ruhelosigkeit des Leistungssportlers hat Olli mittlerweile also größtenteils abgelegt. Er ist sensibel, den Menschen zugewandt. Ein bisschen entspannter könnte er noch werden, sagt seine Trainerin. Alles andere kommt mit der Zeit.

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