Kriegs-Projekt

Verstörende Bilder zeigen die traurige Realität

Das Leben in einem Flüchtlingscamp kann hart und brutal sein. Die jungen Menschen zeigen das schonungslos. Sie lesen Passagen aus dem Buch „Krieg – Stell dir vor, er wäre hier“ vor und schildern auch persönliche Erlebnisse.

Foto: Alexander Bange

Das Leben in einem Flüchtlingscamp kann hart und brutal sein. Die jungen Menschen zeigen das schonungslos. Sie lesen Passagen aus dem Buch „Krieg – Stell dir vor, er wäre hier“ vor und schildern auch persönliche Erlebnisse. Foto: Alexander Bange

Langenholthausen.   Junge Kirche: Schüler und Studenten stellen mutiges Projekt auf die Beine – und ernten vom Publikum stehende Ovationen.

Es sind verstörende Bilder, die in der St.-Johannes-Kirche zu Langenholthausen zu sehen sind. Ein trauriger Alltag. Kinder, die durch Bombeneinschläge traumatisiert sind. Städte, die Ruinen gleichen. Ein Video – auf einer Leinwand ausgestrahlt – das unverblümt dokumentiert, was sich in unserer Welt Tag für Tag abspielt. „Wir haben lange diskutiert, ob wir solche Szenen tatsächlich zeigen sollen. Aber das ist die Realität“, sagt Maria Schäfer-Hahne. Die Lehrerin der Hauptschule Balve hat mit 20 jungen Menschen ein mutiges Projekt auf die Beine gestellt.

Das Projekt Junge Kirche Lan­genholthausen lädt dazu ein, mutig zu sein, zu experimentieren, neue Sichtweisen aufzuzeigen. Es wird honoriert. 200 Besucher sind am Freitagabend im Gotteshaus in Langenholthausen, als die Jugendlichen aus dem Buch „Krieg – Stell dir vor, er wäre hier“ vorlesen, mit gebrochener Stimme eigene Erlebnisse schildern, aber auch singen, tanzen und klatschen. Sie kommen von der Hauptschule Balve, vom Gymnasium Sundern, vom Berufskolleg in Iserlohn oder sind Studenten – aus Afghanistan, Irak, Iran, Syrien, Albanien und Deutschland. Sie sind zwischen 16 und 30 Jahren alt, haben eigene Texte verfasst („Heimat ist da, wo ich frei und sicher bin“), eigene Choreographien erstellt. „Nicht die Präsentation, sondern der Weg dahin ist das Wesentliche“, sagt Maria Schäfer-Hahne vor der Lesung. Denn in den Wochen und Monaten zuvor sind neue interkulturelle Freundschaften entstanden. Schäfer-Hahne: „Ich freue mich sehr, die jungen Menschen kennengelernt zu haben.“

Krieg – in Europa

Worum es in dem Buch von Janne Teller geht? Um Krieg. Nicht irgendwo, sondern in Europa. Wer kann, flieht in den Nahen Osten, wie der 14-jährige Junge aus Deutschland. In einem ägyptischen Flüchtlingslager versucht er mit seiner Familie ein neues Leben zu beginnen. Weil er keine Aufenthaltsgenehmigung hat, kann er nicht zur Schule gehen, kann kein Arabisch lernen, keine Arbeit finden. Er fühlt sich als Außenseiter und sehnt sich nach Hause. Doch wo ist das?

Die jungen Menschen stellen das Gedanken-Experiment so authentisch und mit Herzblut dar, dass einem phasenweise das Blut in den Adern gefriert. Vier Monate lang haben sie auf diesen Abend in der St.-Johannes-Kirche zu Langenholthausen hingearbeitet, haben Höhen und Tiefen durchlebt, gute und schlechte Momente miteinander geteilt. Am Ende strahlen sie. Sie sind erleichtert. Glücklich. Und sie werden nicht nur mit Rosen beschenkt, sondern mit Applaus. Mit viel und lang anhaltendem Applaus. Mit stehenden Ovationen.

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