RECHTSPOPULISMUS

Vortrag in Balve: Katholischer Experte sieht AfD kirchenfern

Ein interessiertes Publikum hört Dr. Andreas Püttmann zu.

Ein interessiertes Publikum hört Dr. Andreas Püttmann zu.

Foto: Alexander Lück

Balve.   Dr. Andreas Püttmann sprach im Kolpingforum vor und mit interessierten Bürgern über die Gefahr wachsenden Rechtspopulismus’.

Wie umgehen mit der Herausforderung Rechtspopulismus im Allgemeinen und AfD im Besonderen? Und wie stellt sich diese politische Sichtweise aus dem christlichen Blickwinkel dar? Fachlich fundiert und mit pointierten Thesen sprach am Montagabend beim Kolpingforum der Publizist Andreas Püttmann. Und gewährte einen erschreckenden persönlichen Einblick und zitierte aus einer an ihn gerichteten Hassmail.

Gut 35 waren am Montagabend zum Kolpingforum in das Übergangszuhause im evangelischen Pfarrheim gekommen. Ein durchschnittlich guter Besuch. Dafür entwickelte sich im Anschluss an den Vortrag eine lebhafte und ausführliche Diskussion wie selten.

Püttmann, renommierter Politikwissenschaftler, Journalist und Publizist, stellte zunächst einige Grundzüge des Rechtspopulismus, der in vielen Ländern Europas schon länger an Zustimmung gewinnt, heraus: Anti-Pluralismus, völkischer Nationalismus, Medien- und Elitenkritik, eine protektionistische Wirtschaftspolitik, EU-Skepsis und schließlich die Behauptung, für komplexe Probleme seien einfache Lösungen möglich.

Dann nahm Püttmann vor allem die AfD in den Blick, mit der sich das Phänomen in Deutschland politisch manifestiert habe. Püttmann zitierte ausführlich nicht nur andere Journalisten und Wissenschaftler, sondern vor allem aus Meinungsäußerungen von AfD-Politikern selbst beziehungsweise aus Parteitagsbeschlüssen und Wahlprogrammen. Damit legte er umfangreich und gut verständlich dar, warum die AfD seiner Ansicht nach eine Gefahr für unsere Demokratie darstelle, deren Forderungen sich im Einzelfall manchmal gut und nachvollziehbar anhören, teilweise aber deutlich anti-demokratische oder anti-parlamentaristische Absichten aufzeigten.

„Für mich ist ganz klar, dass die AfD verfassungsfeindlich ist. Die Partei nennt andere gewählte politische Vertreter ,illegitim’ oder ,Unrechtsregime’ und strebt eine Revolution an.“ Zudem hätten seine Nachforschungen und Umfrageergebnisse ergeben, dass die oft vertretene These von der AfD als Auffangbecken enttäuschter, konservativer CDU-Anhänger überhaupt nicht zu halten sei. Am meisten habe die Alternative für Deutschland zuletzt immer bei vorherigen Nichtwählern gewonnen.

Das gelte auch für kirchlich gebundene Wähler: „Die AfD hat unter allen Parteien die wenigsten Kirchgänger und im Glauben verwurzelte Menschen, selbst im Vergleich mit der Linkspartei. Die AfD ist die heidnischste aller Parteien.“ Was sich auch darin zeige, dass ein christliches Menschen- und Weltbild mit seinen positiven Implikationen (auch mit allem dem Guten, was im Namen des Glaubens in Deutschland passiert, Caritas etc.) in den zahlreichen Äußerungen der Partei quasi nicht vorkomme, bestenfalls nur in einer Abgrenzung gegenüber dem Islam.

Gleiches gelte übrigens für das Frauenbild. Daran anschließend zitierte Püttmann Kardinal Reinhard Marx, der gesagt hatte, die AfD sei für einen Christen nicht wählbar. Mit viel Applaus honorierten die Zuhörer den spannenden, fundierten und pointierten Vortrag Andreas Püttmanns. „Und was jetzt?“, stellte in der anschließenden Diskussion Bernward Midderhoff die Frage, wie man nun mit der Partei ihren Wählern umzugehen habe. Zweierlei regte dazu Andreas Püttmann an: politisch, also im Bundestag und anderen Parlamenten müsse die AfD ausgegrenzt, eine Zusammenarbeit ausgeschlossen werden. „Aber im privaten Kontakt kann ich um jeden Menschen kämpfen. Wobei man realistisch sei muss: Viele, die in den Fängen schon stecken, gewinnt man kaum noch zurück. Auch ich habe Freunde verloren, die sich der AfD verschrieben haben. Aber es geht vor allem um die, die vielleicht gefährdet sind, dieser Ideologie noch zu verfallen.“

Auch sollte die Kirche AfD-Politikern kein Forum geben, zum Beispiel bei Diskussionen auf Kirchentagen. Und ganz allgemein riet er für alle Demokraten: „Die Radikalen sind oft die Fleißigsten in ihrem Bemühen. Das müssen wir ändern. Die Mitte muss wieder fleißiger werden.“

Bei der letzten Bundestagswahl 2017 kam die AfD im Balver Stadtgebiet auf 8,4 Prozent der Stimmen, was klar unter dem Schnitt im Märkischen Krei (11,3 Prozent) sowie im Bundesland NRW (9,4 Prozent) und unter dem gesamtdeutschen Ergebnis (12,6 Prozent) lag.

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