GESUNDHEITSSERIE

Warum COPD-Kranke in der Gruppe aufblühen

Gruppenbild (nicht komplett alle drauf) mit frühlingshafter Deko

Gruppenbild (nicht komplett alle drauf) mit frühlingshafter Deko

Foto: Alexander Lück

Balve.   Sie setzen auf Scherz-Therapie. Denn Lachen ist die beste Medizin. Was die WP bei einem Gruppen-Besuch im Campus erlebte.

„Die Krankheit ist ein Teil von mir. Aber sie beherrscht mich nicht“, sagt Gisela Westermann. Selbst betroffen, hat sie vor vier Jahren eine Selbsthilfegruppe für chronische Lungenkrankheiten ins Leben gerufen. Besuch eines Monatstreffens im Campus.

Die erste Erkenntnis an diesem Montagabend: Es wird viel gelacht. Humor und Lebensfreude sollte man auch schließlich dann nicht verlieren, wenn man mit einer chronischen und nach derzeitigem Stand unheilbaren Krankheit zu leben hat.

Oft sind ihre Folgen nicht zu sehen. Es sei denn, der Betroffenen trägt ein mobiles Sauerstoffgerät, das über Schläuche in der Nase die Atmung unterstützt. In der Balver Selbsthilfegruppe sind aber nicht mal eine Hand voll Teilnehmer auf so ein Gerät angewiesen.

Die insgesamt 20 Teilnehmer haben eine Chronische obstruktive Lungenerkrankung (englisches Kürzel: COPD) oder ein Lungenemphysem. Beide Krankheiten, die sich aus einer chronischen Bronchitis heraus entwickeln und meist Rauchen als Ursache haben, erschweren die Atmung ungemein und sorgen dafür, dass einem oft schon bei kleinster Anstrengung sprichwörtlich die Luft wegbleibt. Husten und Schleimproduktion gehören auch zum Krankheitsbild.

Wenn man sich in der Gruppe über den letzten oder anstehenden Urlaub unterhält, dann lauten die Fragen hier nicht nur: Wie ist das Wetter gewesen? Wie schmeckte das Essen am Hotelbüffet? Dann geht es um die Sauerstoffversorgung am Urlaubsort oder im Flugzeug. Gerade diese Themen verlangen viel Planung im Vorhinein. Die Fluggesellschaften stellen oft Sauerstoffgeräte für die Versorgung über den Wolken zur Verfügung. Aber passten sie zum eigenen Gerät?

Auslandsaufenthalte sind dann noch komplizierter. Innerhalb Deutschlands hat sich durch die Patientenorganisation, der auch die Balver Selbsthilfegruppe angeschlossen ist, ein Netzwerk gebildet, mit dem Reisen durch das Land wesentlich besser geplant werden können.

Aufgrund des Salzgehaltes sind für die Betroffenen besonders die Nord- und Ostseeküste gute Aufenthaltsorte. Was das Fernweh aber nicht bei jedem ausreichend stillen kann. „Ich bin früher sehr gerne geflogen“, erzählt eines der Gruppen-Mitglieder. „Und ich möchte das eigentlich auch mal wieder.“

Steile Stücke unterwegs

Genauso ist das Meistern des Alltags ein Thema. Plant man einen Spaziergang, stellt man sich die Fragen: Gibt es zu steile Stücke auf dem Weg? Und zwischendurch eine Bank oder andere Sitzgelegenheit? „Nach einer Stunde Gartenarbeit bin ich total platt“, erzählt ein Mitglied von ihren Beschwerden. Jemand anders wirft ein: „Das ist ja eigentlich noch ganz gut. Bei mir geht nur: eine halbe Stunde Arbeit, eine halbe Stunde Pause.“

Gisela Westermann weiß, wie wichtig die Gruppe für alle ist. „Wir alle schöpfen Kraft aus dem Kontakt mit den anderen. Denn am Ende geht es ja darum, sich auch selbst helfen zu können.“ So liebevoll-aufopfernd sich oft Angehörige um Erkrankte kümmern, der Kontakt zu anderen Betroffenen ist ebenso wichtig, sagt Westermann. „Denn nur die können sich ja in unsere Lage versetzen und nachfühlen.“

Folgerichtig redet die Selbsthilfegruppe auch über Therapien, medizinische Entwicklungen, Erfahrungen mit Ärzten. Es wurden aber auch schon gemeinsame Ausflüge unternommen. Zum Beispiel ein erholsamer Tag in einer Salzgrotte. Mit dem Rehasportverein gibt es auf dem Gesundheitscampus, der von Anfang an das Zuhause war, eine wichtige Verknüpfung. Viele nehmen nämlich hier am wöchentlichen Lungensport teil, wo neben einem Erlenen des richtigen Ausatmens vor allem auch eine Rundum-Überwachung, etwa des Sauerstoffgehaltes, gewährleistet ist.

Alles miteinander teilen

Ein Anliegen von Gisela Westermann und ihren Mitstreitern ist es auch, nicht nur die Gruppe bekannter zu machen, sondern das gesellschaftliche Bewusstsein für die chronischen Lungenkrankheiten zu erhöhen. Obwohl der Patientenverband um die sieben Millionen Betroffene für Deutschland angibt, und das Leiden „auf dem besten Wege“ ist, zur weltweit dritthäufigsten krankheitsbedingten Todesursache zu werden, spiegelt sich das in der öffentlichen Wahrnehmung nicht wieder, berichtet Westermann.

Die COPD-Selbsthilfegruppe steht für neue Teilnehmer jederzeit offen. Dass diese Runde wie ein Familie ist, glaubt man nach dem Besuch sofort. Gisela Westermann: „Wir teilen das Gute und Schlechte der Krankheit und unseres Lebens miteinander.“

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