VOLKRINGHAUSEN

Warum Ferkel von Landwirt Reinken Schwein haben

Von wegen Schweinefraß: Die Tiere von Bauer Reinken erhalten Futter in Lebensmittel-Qualität. 

Von wegen Schweinefraß: Die Tiere von Bauer Reinken erhalten Futter in Lebensmittel-Qualität. 

Foto: Alfred Reinken

Volkringhausen.  Alfred und Christopher Reinken stellen ihr Schweine-Futter selbst her. Dafür haben die Züchter viel Geld angelegt. Denn sie haben einen Plan.

Schweinefraß war gestern. Die Landwirte Alfred Reinken (52) und sein Sohn Christopher (26) setzen bei ihrem Futter auf „Top-Qualität“, wie sie betonen. Mehr noch: Sie stellen es selbst her. Die Volkringhausener setzen auf kurze Wege. Das gilt für den Getreide-Ankauf wie für den Ferkel-Verkauf. Die Reinkens argumentiert: Wer wenig fährt, produziert auch wenig Kohlendioxid. Das Klima dankt.

Vater und Sohn haben auf ihrem Gelände auf dem Beckumer Feld eine Menge Geld in die Hand genommen. Wie viel: Das wollen die beiden Landwirte nicht in der Zeitung lesen.

Tatsache ist: Sie haben auf ihrem Hof zwei geschlossene Getreidesilos à 1500 Tonnen aus silberglänzendem verzinkten Stahl errichtet, eines für Gerste, eines für Weizen. Die 16,50 Meter hohen Türme sind belüftet. Das Getreide wird gekühlt. Geringe Restfeuchte ist garantiert. „Wir können Getreide mit einer Restfeuchte von bis zu 17 Prozent lagern. Die Genossenschaft akzeptiert bei der Restfeuchte nur 15 Prozent.“

Wenn das Ernte-Gut angeliefert wird, ist es in der Regel von der Sonne aufgeheizt. 25 bis 41 Grad gelten als Standard. In den silberglänzenden Stahl-Türmen der Reinkens werden Gerste und Weizen heruntergekühlt auf 12 bis 13 Grad.

„Bei unseren Lagerbedingungen ist das Getreide mehr als ein Jahr lang lagerfähig“, erläutert Alfred Reinken. Schimmel, Hefe und Kornkäfer sind chancenlos. Die Lagerung sorgt zudem dafür, dass das Getreide nicht durch Vögel, nicht durch Nager und schon gar nicht durch Staub verschmutzt wird. „Wir wollen“, betonen Reinken senior und junior, „hochwertiges Futter für unsere Schweine. Es ist am Ende Futter in Lebensmittel-Qualität.“

Das fängt mit Lieferanten aus der Region an. „Die Landwirte, die uns zuliefern, kommen aus einem Radius von 15 Kilometern“, sagt Ferkel-Züchter Alfred Reinken. Auch beim Verkauf der Tiere zählen kurze Strecken. Die Abnehmer sitzen in einem Umkreis von 75 Kilometern.

Die Reinkes halten 1200 Sauen. Dazu kommen Ferkel. Pro Jahr sind es 37.000 Stück. Ferkel werden von 28 Kilo auf 120 Kilo aufgepäppelt – mit einer Art Schweinemüsli. Viel Gerste ist da drin, aber auch Weizen, Soja, Sojaschalen und Apfeltrester. Dazu kommt Mineralfutter mit Soja- und Rapsöl.

Zeit ist Geld

Drei Monate Zeit nehmen sich die Agrar-Experten dafür. Vier Wochen liegen die Ferkel bei den Sauen. Weitere acht Wochen kommen für die Aufzucht dazu. Zeit ist für die Reinkens Geld. Sie haben ihren Arbeitsrhythmus fest getaktet. Es gilt ein Drei-Wochen-Zyklus.

Das angelieferte Getreide wird in einer Halle neben den Silos geprüft und gereinigt. Bei der ersten Reinigung werden Staub, Spelzen, kleine Körner aussortiert, bei der zweiten Reinigung kleine und große Teile getrennt. Ein mächtiger Mischer mit einem Fassungsvermögen von sechs Tonnen rührt die Ferkel-Kost an.

„Das fertige Futter wird sechs bis acht Wochen vor der Fütterung gelagert“, verrät Alfred Reinken. Dafür haben sein Sohn und er insgesamt 18 Silos auf dem Hof aufgestellt. Das fertige Futter wird schließlich vollautomatisch in die Ställe transportiert.

Der hochtechnisierte Betrieb kommt mit wenig Personal aus. Die Zahl der Mitarbeiter schwankt saisonbedingt.

Die Reinkens glauben fest daran, dass sich ihre Investition im eigentlichen Wortsinn auszahlt. Schweine- wie Rinderzüchter stehen unter enormem Wettbewerbsdruck. Discounter-Angebote wie Nackensteaks zum Kilopreis von 5,98 Euro sprechen eine deutliche Sprache. Die Reinkens hingegen setzen auf Qualität und Regionalität. Kurze Wege nützen übrigens nicht nur dem Klima. Sie nützen auch den Tieren. Ferkel, die nur 75 Kilometer bis zum nächsten Züchter transportiert werden, haben Schwein gehabt.

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