HÖNNETAL

Warum Förster Nikodem Landeshilfe für Waldbesitzer fordert

Lockstoffe sorgen dafür, dass Borkenkäfer in die Fallen von Richard Nikodem fliegen. 

Lockstoffe sorgen dafür, dass Borkenkäfer in die Fallen von Richard Nikodem fliegen. 

Foto: Jürgen Overkott

Balve.   Die Lage im Wald bleibt dramatisch. Borkenkäfer überwinterten problemlos. Jetzt brüten sie wieder. Der Holzpreis fällt. Was tun?

Förster Richard Nikodem vom Landesbetrieb Wald und Holz unterstützt die Forderung nach Landesmitteln für Waldbauern, die von der Borkenkäfer-Katastrophe betroffen sind. Zuschüsse seien „unbedingt“ nötig, sagt er der WP.

Auf dem Holzmarkt gibt es Überangebot. Derzeit sei es Waldbesitzern „fast nicht kostendeckend möglich, das Käferholz schnell aus dem Wald zu schaffen“. Gründe seien die erhöhten Aufarbeitungskosten und die extrem niedrigen Holzpreise. Nikodem: „Hier wird Unterstützung gebraucht, um diese Defizite auszugleichen. Sonst wird ein Teil der Waldbesitzer nicht gewillt oder in der Lage sein, Geld zuzuschießen.“ Nikodem befürchtet, dass heimische Wälder andernfalls weniger gründlich gepflegt werden. „Dann hat der Borkenkäfer noch leichteres Spiel und wird große Teile der Fichtenwälder vernichten.“

Fichten halten Luft rein

Dabei leisten heimische Wälder einen wichtigen Beitrag zur Luftreinhaltung. Eine erwachsene Fichte könne „viel mehr Sauerstoff erzeugen als eine Kultur“, heißt es.

Zuschüsse für Forstbesitzer seien zudem notwendig, weil der Waldumbau teuer sei. Nikodem rechnet vor: „Eine kleine Eiche kostet bis zu endgültig gelungenen Kultur, also inklusive der Pflege über die ersten Jahre, oft drei bis fünf Euro. Auf dem Hektar (100 x 100 Meter) stehen dabei circa 600 Pflanzen. Eine kleine Fichte kostet inklusive Pflanzung nicht mal einen Euro und benötigt fast keine Pflege.“ Eine Abkehr von Fichten bedeute obendrein weniger Einnahmen bei höheren Kosten. „Also sind Fördermittel für die Aufarbeitung der Folgen des von der Allgemeinheit angerichteten Klimawandels durchaus angemessen.“

Trockenstress bleibt

Zugleich wirbt Nikodem für langfristige staatliche Investition in gut ausgebildetes Forstpersonal im Kampf gegen Käfer, Sturm und Klimawandel: „Viele Waldbesitzer sind keine ausgebildeten Forstwirte. Sie wohnen teils weit weg von ihrem Wald und haben keine Ahnung, was gerade in ihrem Wald zu tun ist.“ Auch ortsansässige Waldbesitzer bedürfen einer Beratung. Das Ziel sei ein Wald mit Beständen, die höhere Temperatur und weniger Niederschläge aushalten.

Tatsächlich ist die Lage im Wald laut Nikodem ungebrochen dramatisch: „Leider konnten die wenigen Niederschläge der letzten Monate die Defizite im pflanzenverfügbaren Bodenwasser nicht ausgleichen. Die Bäume stehen also noch immer unter Trockenstress.“

Unter der Rinde überwintert

Zudem haben Experten von Wald und Holz herausgefunden, dass 90 Prozent der Borkenkäfer unter der Rinde überwintert haben. „Da sind sie vor Nässe geschützt und verpilzen bei Niederschlägen auch nicht so leicht wie bei einer Überwinterung im Boden.“ Mehr noch: Derweil brüten die Borkenkäfer wieder emsig. Nikodem: „Der erste Schwarm hat also bereits in den warmen Tagen Ende April, Anfang Mai stattgefunden. Derzeit haben die Käfer Ihre Rammelkammern und Muttergänge angelegt, die Eier wurden abgelegt, und die kleinen Larven beginnen zu fressen.“ Nikodem räumt durchaus lokale Unterschiede ein. Balve sei „nicht ganz so stark betroffen“ wie Hemer und Menden.

Ein Paar, 130.000 Nachkommen

Dennoch haben Forst-Fachleute seit Wochen alle Hände voll zu tun. Denn: „Jeder Baum, der mit Käferbrut den Wald verlässt, nimmt auch mehrere Tausend potenziell neue Vermehrer der nächsten Generation aus dem Rennen.“ Die Rechnung sieht dramatisch aus. Ein Käfer-Paar hat bis zu 130.000 Nachkommen. In sechs bis acht Wochen ist die Brut startklar.

Was bleibt zu tun? „Wir müssen also unvermindert mit der Käferjagd weitermachen. Dabei sind aber nicht die schon trockenen Bäume mit abgefallener Rinde interessant, sondern die noch grünen, mit frischer Brut befallenen Fichten. Die gilt es zu finden und vor dem Ausflug abzutransportieren, oder durch Schälen oder den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln unschädlich zu machen.“

Per Container nach Antwerpen

Nikodem ist bewusst, dass die chemische Keule auch Gefahren birgt: aus Gründen des Umweltschutzes. Deshalb werde Chemie zurückhaltend eingesetzt. „Einzig auf dem Lagerplatz in Beckum haben wir einige Fangholzhaufen aufgebaut und begiftet, um möglichst viele Käfer daran zu hindern, den Platz wieder zu verlassen.“ Möglichst schnell wird das Holz per Container nach Antwerpen geschafft. Dort wird es begast, bevor es nach Fernost verschifft wird.

Unterm Strich, sagt Nikodem, sei die Lage für die Waldbesitzer „natürlich frustrierend“. Denn: „Eine Katastrophe folgt auf die andere.“

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