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Warum Peter Glasmacher Tourismus-Förderung kritisiert

Die Ferienwohnung Griese in Mellen ist klassifiziert und bekommt drei Sterne. Im Bild (von links): Anna Schulte (Tourismusbeauftragte der Stadt Balve), Franz-Josef Griese, Susanne Griese und Hana Janeckova (Tourismusverband Märkisches Sauerland). 

Die Ferienwohnung Griese in Mellen ist klassifiziert und bekommt drei Sterne. Im Bild (von links): Anna Schulte (Tourismusbeauftragte der Stadt Balve), Franz-Josef Griese, Susanne Griese und Hana Janeckova (Tourismusverband Märkisches Sauerland). 

Foto: Corinna Schutzeichel

Balve.   Der Rat dankte der städtischen Tourismus-Förderin Anna Schulte lautstark für ihre Arbeit. Nur Peter Glasmacher von der UWG nicht. Warum?

Himmel blau, Luft lau, Stimmung entspannt: Der öffentliche Teil der Ratssitzung am Mittwochnachmittag – er schien eine Wohlfühlveranstaltung zu sein. Und dann schlug die Stunde von Peter Glasmacher (UWG).

Doch der Reihe nach. Anna Schulte von der Stadtverwaltung stellte Schwerpunkte ihrer Arbeit vor: Tourismus-Förderung, Neubürger-Werbung und nicht zuletzt Förder-Management. Sie will, wie Bürgermeister Hubertus Mühling (CDU) seine Mitarbeiterin präsentierte, „die Marke Balve ein Stück weit nach vorne bringen“.

Anna Schulte selbst sieht im heimischen Tourismus ein „großes Potenzial“. Dabei setzt sie aufs Netzwerken. Kooperationspartner sind die Südwestfalen-Agentur und Naturpark Sauerland-Rothaargebirge. Mit dem Sauerländischen Gebirgsverein (SGV) arbeitet die städtische Tourismus-Förderin zusammen. 85 Schilder werden demnächst im Balves Wäldern angebracht. Sie dienen als Rettungspunkte mit GPS-Koordinaten.

Wandern spielt in Anna Schultes Tourismus-Welt eine wichtige Rolle. In Kürze nimmt sie an einer Schulung teil. „Wanderbares Deutschland“ heißt sie.

Gastgeber fit machen für Urlaub 2.0

Überdies will sie Balves Gastgeber fit machen für den Urlaub 2.0. Anna Schulte plant, Beherbergungsbetriebe fit zu machen fürs digitale Zeitalter. Branchen-Kenner wissen: Gäste von außerhalb erwarten von ihren Gastgebern zeitgemäße Internet-Auftritte. Oben an stehen schnelle Übersicht übers Angebot und schnelle Buchbarkeit freier Häuser und Wohnungen, Hotelzimmer und Camping-Quartiere. „Geplant ist“, sagte Anna Schulte, „ein Gastgeber-Verzeichnis.“

Als ihr „größtes Projekt“ bezeichnete Anna Schulte indes ihre Tätigkeit als Förder-Managerin. Landesheimatministerin Ina Scharrenbach hatte vor kurzem einen Förderbescheid über 25.000 Euro mitgebracht – persönlich. Das Geld fließt teilweise in den Abreißkalender „366 Tage Heimat“ – 366 Tage, weil 2020 ein Schaltjahr ist. „Der 366. Tag ist der Ministerin vorbehalten“, merkte Bürgermeister Mühling launig an. „2020 ist für Balve ein ganz wichtiges Jahr“. Hubertus Mühling schob nach, warum: „Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges herrschte Aufbruchstimmung. Da haben sich ganz viele Vereine gegründet. Das wird nächstes Jahr gefeiert.“

Überhaupt legt Balve nächstes Jahr ein stattliches Event-Programm auf. „Für jeden“, kündigte Anna Schulte an, „ist etwas dabei.“ Sogar auf den Dörfern sollen donnerstags Veranstaltungen steigen.

Neubürger sollen nicht nur mit Partys geködert werden, sondern auch mit einer neuen Homepage. Sie setzt auf zeitgemäße Optik: Hochglanzfotos plus Kurztexte, Schützen-Video inklusive.

Die Ratsmitglieder klopften zum Dank einmütig auf die Tische. Bis auf einen. Peter Glasmacher hatte eine klare Meinung: „Ich halte die Tourismus-Förderung – in allen Städten – für völlig überflüssig.“ Stattdessen solle die Stadt neue Unternehmen umgarnen.

Bürgermeister Mühling widersprach prompt. „Die Tourismus-Förderung ist wichtig; sie zählt zu den weichen Standort-Faktoren.“ Fachkräfte sollen nach seinem Willen kommen, um zu bleiben.

>> KOMMENTAR: EINSPRUCH, EUER EHREN!

Unser Arbeitstempo hat sich in jüngster Zeit enorm verschärft. Süßes Nichtstun im Urlaub – wir haben es uns meist bitter verdient. UWG-Ratsherr Peter Glasmacher drehte die Frage um: Wer verdient am Urlaub? Seine Antwort: Tourismus bringt Balve weniger Gewerbesteuer als Wirtschaftsunternehmen. Folgerichtig hält er Tourismus-Förderung für überflüssig. Das saß.


Einspruch, Euer Ehren! Tourismus-Förderung denkt strategisch. Das Heute zählt nicht, es geht ums Morgen. Tatsächlich hat Balve Potenzial. Großstädter mögen die Natur. Gäste aus den flachen Niederlanden mögen die Berge. Alle mögen Balves Fachwerk-Romantik. Zudem ist der ländliche Raum ein Paradies für Freiluft-Sportler. Und Bürger lieben das Gefühl, dort zu leben, wo andere Urlaub machen.

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