GESUNDHEITSSERIE

WG in Balves Campus gibt dementen Menschen Zuhause

Betreute Wohngemeinschaft (Symbolbild): In Balve gibt es eine WG für demente Menschen.

Betreute Wohngemeinschaft (Symbolbild): In Balve gibt es eine WG für demente Menschen.

Foto: Jens Büttner/dpa

Balve.   Eine Wohngemeinschaft im Campus kümmert sich um demente Menschen. Das Fachpersonal setzt auf intensive Betreuung.

Ein selbstbestimmtes Leben möglich machen und erhalten, auch wenn man nicht mehr in den eigenen vier Wänden wohnen kann. Kurz gesagt: ein „Zuhause-Gefühl“, und zwar ganz bis zum Ende. Genau dem hat man sich in der Demenz-Wohngemeinschaft auf dem Gesundheitscampus verschrieben.

In der dritten Etage des alten Krankenhauses sind die zwölf Plätze (was auch die maximale Zahl an Plätzen ist, die für diese Wohnform gesetzlich erlaubt sind) derzeit alle belegt, berichtet Peter Goller vom Betreiber dieser WG. Das ist der Pflegedienst „Senior-Care“ aus Sundern, der hier vor etwa zweieinhalb Jahren – viele andere Räumlichkeiten auf dem Campus waren da mittlerweile belegt – die Wohngemeinschaft ins Leben rief. Der Pflegedienst fand hier in der dritten Etage auf über 600 Qudratmetern optimale Bedingungen vor, wie es seinerzeit zur Eröffnung schon hieß.

Senior-Care“ betrieb zu diesem Zeitpunkt bereits, genauer gesagt seit 2014, ebenfalls eine Wohngemeinschaft für demenzkranke Menschen in Sundern. Das Konzept dort hat Peter Goller mitentwickelt.

Die Verantwortlichen des Gesundheitscampus um Geschäftsfürer Ingo Jackschies sind auf die Einrichtung in Balves Nachbarstadt aufmerksam geworden, sie waren überzeugt vom Konzept und fragten dann die Möglichkeit einer WG auch hier vor Ort ab.

Sitz von „Senior-Care“ – Geschäftsführer: Ralf Fox – ist in Sundern, wo man mit der „Villa Rohe“ die schon etwas länger bestehende, zweite Demenz-Wohngemeinschaft betreibt. Daraus entstanden ist ein mobiler Pflegedienst entstanden.

Was Angehörige zu schätzen wissen

Zu der aktuell wie langfristig guten Nachfrage in Balve sagt Peter Goller: „Ich denke, die Angehörigen wissen es zu schätzen, dass wir hier eine 3:1-Betreuung anbieten.“ Was heißt das? Eine Pflegekraft ist also für drei Bewohner zuständig. „Es ist damit möglich, sich den Menschen sehr intensiv zu widmen“, sagt Goller. Sein Ziel ist es, den Bewohnern ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, sie zu begleiten und zu unterstützen.

Zu solch einem Leben gehört auch die individuelle Gestaltung der Zimmer (zwölf Einzelzimmer, barrierefrei und mit behindertengerechten Badezimmern) mit den eigenen Möbeln – und die eigene Gestaltung des Tagesablaufs.

Frühaufsteher genauso wie Morgenmuffel entscheiden selbst, wann für sie der Tag beginnt. In der gemeinsam genutzten Küche wird jeden Tag frisch das Mittagessen zubereitet. Je nach Fähigkeiten oder Spaß an der „Schnippelarbeit“ bringt sich jeder ein.

Eine Hauswirtschafterin hat das große Ganze beim Kochen im Blick. Die Fähigkeiten der Bewohner erhalten und fördern und sie so weit wie möglich einzubeziehen, dass ist das Credo, welches Peter Goller erläutert. Und das nicht nur in der Küche zum tragen kommen soll. Pflege soll dann nur dort eingreifen wo es nötig ist. In der großen WG hat der zweite Wortbestandteil – die Gemeinschaft – ebenso genügend wie die Flächen, wo man sich auch mal für sich alleine zurückziehen kann.

Für den Demenz-WG-Betreiber von „Senior-Care“ ist das Konzept des Gesundheitscampus in Balve im Grund ideal. Die Verknüpfung mit zahlreichen anderen Anbietern rund um Pflege und Gesundheit bietet kurze Wege, hebt Peter Goller hervor. Zur Therapie oder in die Arztpraxis kommt man ohne größeren Aufwand, oder die entsprechenden Personen kommen in die WG. Besonders eng ist die Verknüpfung zum Café des Treffpunkt Demenz.

Dreimal in der Woche ist hier im Erdgeschoss ebenfalls eine Form von Gemeinschaft, Austausch, Unterhaltung und altersgerechter Mobilität möglich, auch mit Teilnehmern außerhalb des Campus. Bewohner der Demenz-WG nehmen hier regelmäßig teil.

Oft der letzte Schritt

Vor gut einem Jahr wurde die große Außenterrasse der WG fertig. Nicht jeder kann ohne großen Aufwand alleine nach draußen gehen, und sei es nur für ein paar Meter an der frischen Luft. Insonfern hat dieser Bau die Lebensqulität noch einmal erhöht. Klar ist auch: die Demenz-Wohngemeinschaft ist oft das letzte Zuhause für die älteren Menschen. Peter Goller möchte deshalb besonders betonen, dass gerade der Wunsch, zuhause zu sterben, erfüllt wird, wenn es medizinisch irgendwie möglich ist. Und dass man den letzten Schritt des Lebens eben nicht im Krankenhaus verbringt. „Natürlich ist der Aufwand dann etwas höher. Dafür ist uns das aber einfach zu wichtig.“

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