GESUNDHEITSSERIE

Wie DRK älteren Menschen mit Tagespflege Freude macht

links nach rechts: Susanne Liegl-Ludwig (Leiterin Tagespflege Balve), Monika Wessel (Pflegedienstleitung) Bernhard Krämer (Geschäftsführer des Betreibers DRK Soziale Dienste Iserlohn-Land gGmbh, mit seniorengerechtem Gesellschaftsspiel

links nach rechts: Susanne Liegl-Ludwig (Leiterin Tagespflege Balve), Monika Wessel (Pflegedienstleitung) Bernhard Krämer (Geschäftsführer des Betreibers DRK Soziale Dienste Iserlohn-Land gGmbh, mit seniorengerechtem Gesellschaftsspiel

Foto: Alexander Lück

Balve/Lendringsen.   Alt, aber allein? Kein Problem. Seit 2017 bietet das Deutsche Rote Kreuz im Campus Tagespflege an. Die Nachfrage ist riesig. Warum?

Auf dem Klingelschild steht „Tagespflege“. Und auch im allgemeinen Sprachgebrauch wie in den Dokumenten und Gesetzen der Gesundheitspolitik ist dieser Begriff so festgeschrieben. Auf dem Gesundheitscampus, in den Räumen des alten Schwesternwohnheims, würde man sich einen etwas anderen Begriff wünschen für das Angebot, welches das Deutsche Rote Kreuz hier seit etwas mehr als zwei Jahren unterhält.

„Tagesbetreuung passt eigentlich besser“, sagt Monika Wessel über das Angebot. „Das Wort Tagespflege wirkt für manche älteren Menschen abschreckend, die dann sagen: ,Ich bin doch gar nicht sehr pflegebedürftig, auch nicht dement.’“Betreuung passt einfach besser.

Klar, es gibt die pflegerische Hilfe, die für jeden ganz individuell nötig ist: beim Toilettengang, beim Essen, der Medikamenteneinnahme, oder auch die helfende Hand beim Aufstehen oder Laufen. Vor allem aber: Man ist nicht allein hier.

Warum die Gruppe wichtig ist

Monika Wessel ist Pflegedienstleiterin der DRK Soziale Dienste Iserlohn Land gGmbH und damit auch für die Einrichtung in Balve zuständig, die der Verband ebenso wie eine weitere Tagespflege in Menden-Lendringsen betreibt. Ihr Credo: „Das ganze Leben des Menschen ist von Gruppen geprägt.“ Aber: „Im Alter geht diese Einbindung in die Gruppe oft verloren.“ Der Arbeitsalltag endet irgendwann, Freunde leben nicht mehr (ebenso wie vielleicht der Partner) oder sind nicht mobil, Kinder und Enkelkinder leben weit weg und sind mit ihren beruflichen wie privaten Verpflichtungen eingespannt. Also gehe es darum, die Einbindung in eine Gruppe zurückzuholen, sagt Wessel. „Das ist also keinesfalls eine Strafe, ein Abschieben, weil man alleine nicht mehr zurecht kommt. Vielmehr ist es eine Bereicherung für das Leben.“ Und schließlich sei es auch Entlastung für Angehörige, die sich um einen älteren Menschen kümmern.

Wie der Tag abläuft

Der Tag in den Räumen der DRK-Tagespflege beginnt morgens mit gemeinsamem Frühstück. Die anschließenden Aktivitäten sind dann ganz nach Lust und Laune gestaltet: alleine, in Kleingruppen (in separaten Aufenthaltsräumen) oder der großen Gemeinschaft im großen Saal. Gesellschaftsspiele wie „Mensch, ärgere dich nicht“ oder die Tischkegelbahn gibt es in seniorengerechten „Übergrößen“, dazu Schallplatten, Bücher. Wenn gebastelt wird, kann man seine Werke natürlich auch nach Hause nehmen.

Bei passendem Wetter lockt die Terrasse. Als Projekt für den Sommer sollen im angrenzen Park von den interessierten Teilnehmern die Hochbeete mit blühender Pracht bestückt werden.

Zum Mittagessen stehen jeweils zwei Gerichte zur Auswahl und für das Mittagsschläfchen (selbstverständlich auch zu anderen Zeiten möglich) Betten und Ruhesessel.

Wie oft Interessenten kommen dürfen

Auf eine durchgehende 1:1-Betreuung soll und kann Tagespflege nicht ausgelegt sein, sagt Bernhard Krämer, der Geschäftsführer des Betreibers.

Aber die Begleitung eines Spazierganges sei durchaus möglich, erzählt Susanne Liegl-Ludwig, die die Tagespflege in der Hönnestadt leitet. Grundsätzlich kann man hierhin einmal bis fünf Mal pro Woche kommen. Monika Wessel: „Bei einer Demenzerkrankung empfehlen wir aber mindestens zwei Tage. Sonst ist es für den Menschen immer ein kompletter Neustart.“

Es soll ja genau darum gehen, die Räume hier zu einem zweiten Zuhause werden zu lassen. Wo sich die Gäste auch gegenseitig helfen, ihre Fähigkeiten aktivieren, die sie vielleicht selbst schon für verschollen gehalten haben.

Warum sich die Tagespflege so gut entwickelte

Anfang 2017 startete die DRK-Tagespflege auf dem Campus. Rückblick: Das Angebote in Lendringsen (seit 1996) war damals schon sehr gut ausgelastet. Einige Gäste kamen jeden Morgen aus Balve. In der Hönnestadt selber gab es dieses Angebot seinerzeit noch gar nicht. Das DRK schloss dann diese Lücke mit den Räumen im alten Schwesterwohnheim. Durch die Männer und Frauen, die den Umzug von Lendringsen hierhin machen (weil nun ihr Weg deutlich kürzer ist) und, so Wessel, durch schnelle Mundpropaganda im Ort und die Zufriendenheit von Gästen wie Angehörigen, entwickelte sich die Auslastung mehr als gut. Bernhard Krämer: „Balve hatten wir schon nach neun Monaten voll. In Menden hat das neun Jahre gedauert.“

Was Interessenten trotz großer Nachfrage tun können

Im Großen und Ganzen betrachtet ist Tagespflege immer noch ein junges Angebot, es schloss die Lücke zwischen ambulanten Diensten (frühe auch die Gemeindeschwester) und vollstationärer Pflege. Überall werden in diesem Bereich neue Angebote geschaffen oder sind in Planung. 14 Plätze gibt es auf dem Campus, durch die unterschiedliche Belegungsrate der einzelnen Tage ist das „Kundenreservoir“ insgesamt etwa doppelt so groß. Im Schnitt sind die Gäste an drei Wochentagen da. Es existiert eine Warteliste. Aktuelle Pläne, die Kapazität zu ändern, sprich auszubauen, gibt es laut Geschäftsführer Bernhard Krämer nicht. Die Schlussfolgerung für Monika Wessel deshalb, ob für den älteren Menschen oder seine Angehörigen: rechtzeitig informieren. Ein Schnuppertag ist jederzeit möglich.

>> INFO

DRK-Pflegedienstleiterin Monika Wessel erzählt, dass die Tagespflege allgemein durch die Pflegereformen in den Jahren 2015 und 2017 einen deutlichen Schub erhalten habe. Damals wurde sie der ambulanten Pflege finanziell gleichgestellt. Deshalb wurde für viele Menschen die Nutzung von Angeboten möglich.

Die Tagespflege in Balve (Zugang, natürlich alles barrierefrei, über den Dechant-Amecke-Weg, nicht den Haupteingang des Campus’) ist montags bis freitags von 8 Uhr bis 16.30 Uhr geöffnet. Acht Menschen sind hier beschäftigt. Auf Wunsch wird man auch mit dem Fahrdienst zuhause abgeholt.

>> GESUNDHEITSSERIE

* Die heilenden Hände von Balve

* Energiequelle aus dem fernen Osten

* Lungenkrank – na und?

* Den Landarzt gibt es nicht nur in Arnis

* Was hilft Menschen mit Demenz und deren Angehörigen?

* Warum der Kneipp-Verein auf die Kraft des Gartens setzt

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben