Wilderei

Hund tötet Rehe – Jäger wollen wildernde Tiere abschießen

Stephan Honert zeigt auf das tote Reh.

Foto: Alexander Bange

Stephan Honert zeigt auf das tote Reh. Foto: Alexander Bange

Garbeck.   Der Geduldsfaden der Jäger ist endgültig gerissen: Wieder hat (vermutlich) ein Hund zwei Rehe im Revier Garbeck II angefallen und getötet.

Nachdem innerhalb von fünf Tagen zwei Rehe im Revier Garbeck II von Hunden angefallen und getötet wurden, sagt Hegeringleiter Stephan Honert: „Unsere Hemmschwelle sinkt immer mehr, die ‘Ultima Ratio’ anzuwenden.“ Bedeutet: Zum letzten Mittel zu greifen und wildernde Hunde im Wald zu erschießen. „Das erlaubt uns das Jagdgesetz“, stellt Stephan Honert klar.

Makulatur

Wenige Wochen ist es her, da traf sich der Hegering Balve zur Mitgliederversammlung und stellte zufrieden fest, dass die Attacken wildernder Hunde im Wald auf Rehe abgenommen haben. Das ist nun Makulatur. Denn als Stephan Honert am Dienstagnachmittag das Revier II betritt, um festzustellen, warum zehn Meter vom Rundweg nach Höveringhausen entfernt ein totes Reh auf dem Boden liegt, da gibt es für ihn keine zwei Meinungen: „Hier sieht man den Biss am Hals. Dem Rickenkitz aus 2016 ist das Genick gebrochen worden. Es war ein Hund.“ Wieder einmal. Denn schon fünf Tage zuvor war keine 200 Meter Luftlinie entfernt ein Stück Rehwild gerissen worden. Honert: „Das gleiche Drama wie im Vorjahr.“

Etwa zehn tote Rehe beunruhigten die Jagdaufseher und Jäger im Stadtgebiet Balve in 2016. Die Wildtiere waren nicht eines natürlichen Todes gestorben, sondern von Hunden angefallen worden – so geschehen unter anderem am Hakenhorn in Garbeck und in Langenholthausen. Kein Kavaliersdelikt: Es handelt sich um ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Der Hundehalter muss mit einer hohen Geldstrafe rechnen, sollte er ausfindig gemacht werden können.

Genau daran arbeiten die Jäger jetzt. „Wir ziehen die Schlinge enger und werden Fotofallen aufstellen“, berichtet Stephan Honert. „Da wird der Übeltäter mit Sicherheit hineinlaufen.“ Denn – davon geht der Hegeringleiter im Gespräch mit unserer Zeitung aus – es kann gut sein, dass es sich um ein und den selben Hund handelt, der das Wild regelmäßig attackiert und tötet. „Oder um zwei jagende Hunde“, so Honert, „denn das Schema ist immer gleich.“ Mit den Fotofallen lasse sich belegen, wann (Uhrzeit und Datum) und wo sich der oder die jagende(n) Vierbeiner aufhalte.

Keine Krankheit

Für das Rickenkitz zu spät. Es war normal entwickelt, berichtet Stephan Honert, und nicht an einer Krankheit gestorben. Der Biss am Hals lasse keine Zweifel zu. Der Hegeringleiter ist optimistisch, mit den Fotofallen den Verursacher der Angriffe zu erwischen. Und er sagt: „Es muss sich um einen hochläufigen Hund handeln, das schafft nämlich kein Dackel. Die Zeit der Mahnungen und guten Ratschläge ist jetzt endgültig vorbei. Wir haben oft genug die Öffentlichkeit eingeschaltet und gewarnt. Ab sofort wird jeder Halter – egal wer es ist – dessen Hund im Wald wildert, angezeigt.“ Man könne den Hundeattacken nicht mehr tatenlos zusehen. „Wir müssen unserem Auftrag, der Hege und Pflege, nachkommen.“

Für die Wildtiere steht in wenigen Wochen die Setzzeit bevor. „Dann sind sie wildernden Hunden hilflos ausgeliefert“, berichtet der Hegeringleiter. Ein gesundes Stück Wild könne dagegen nur in sehr seltenen Fällen von einem Hund eingeholt und getötet werden.

„Allerletztes Mittel“

Sollten auch Fotofallen und mögliche Anzeigen gegen die Halter nicht das Wildtiersterben in den heimischen Revieren beenden können, dann sieht Stephan Honert keine andere Wahl mehr, als zum Gewehr zu greifen. „Keiner möchte einen Hund erschießen“, stellt der Hegeringleiter klar. „Aber das ist unser allerletztes Mittel. Und das Jagdgesetz erlaubt es uns, einen wildernden Hund zu erledigen.“

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