HANDWERK

Wird Bäckerei von Charly Grote Ausbildungsbetrieb des Jahres?

Die Neuen bei Charly Grote: Doreen Thiele, Christin Ludwig, Chantal Pröpper, Tatjana Mayr, Maddalena Rizzo und Hasseni Sahil (von links)

Die Neuen bei Charly Grote: Doreen Thiele, Christin Ludwig, Chantal Pröpper, Tatjana Mayr, Maddalena Rizzo und Hasseni Sahil (von links)

Foto: Jürgen Overkott

Balve.   Das Ausbildungsjahr hat gerade begonnen, da schneite eine Kommission der Handwerkskammer bei Charly Grote hinein. Warum sie da war.

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Charly Grote weiß, was er will. Das gilt fürs Unternehmen, das gilt für Auszubildende. Von seinen angehenden Mitarbeitern erwartet der Chef „ein Grote-Herz“. Umgekehrt hat er aber auch ein Herz für Mitarbeiter. „Wir sind ein Familienbetrieb.“ Am Mittwoch präsentierten sich Charly Grote und Team einer Kommission der Handwerkskammer Südwestfalen. Mit gutem Grund: Das Unternehmen ist nominiert als „Ausbildungsbetrieb des Jahres“ – in der Ehrenkategorie.

Eine Art Ehren-Oscar fürs Lebenswerk? Charly Grote lacht. Die Herren von der Kommission präzisieren. Die Ehrenkategorie sei eine Steigerung der beiden Kategorien „Leistungen und Erfolge“ sowie „Soziale Verantwortung und gesellschaftliches Engagement“. Belohnt werden Unternehmen, die beides vereinen und obendrein noch ein Extra bieten.

Ein Extra? Charly Grote tritt in der Runde wie ein gewiefter Skat-Spieler mit einem super Blatt auf. Er trumpft peu à peu auf. Er spielt seine Asse bedächtig aus.

As Nummer eins: Für die sechs Ausbildenden – fünf junge Damen und ein junger Herr – beginnt das Ausbildungsjahr mit einer Busfahrt. Natürlich ist es keine Vergnügungsfahrt. Vielmehr ist es eine Dienstreise. Angesteuert werden die 14 Verkaufsstellen der „Goldbäckerei“. Dahinter steckt eine Idee: „Die Mitarbeiter sollen sich untereinander kennenlernen. Dann können sie sich im Krankheitsfall auch gegenseitig vertreten.“

Der Service muss stimmen. Nur dadurch, sagt Charly Grote, könne er am Markt bestehen. Tatsächlich hat das Bäcker-Handwerk gegen Billig-Konkurrenz von Discountern und Minipreis-Filialisten zu kämpfen. Charly Grote hat verstanden. Genau deshalb hat er Elmar Kleine-Linsmann von der Konkurrenz abgeworben. Er kommt aus dem Hotel- und Gaststätten-Gewerbe, er kann mit Menschen umgehen. Vor großen Namen hat Elmar Kleine-Linsmann Respekt. Angst hat er nicht. Das hat er im VIP-Bereich des Balver Optimums erfolgreich bewiesen. Der Service-Mann darf in Kürze selbst ausbilden.

Finanzspritze für Führerschein

15 der 200 Mitarbeiter haben die Ausbilder-Lizenz. Insgesamt arbeiten bei Grote 22 angehende Bäcker oder Bäckereifachverkäufer(innen). „Ein tolle Quote“, lobt die Kammer-Kommission. Dazu kommt ein Paten-System. „Jeder Azubi erhält einen Paten“, erläutert Charly Grote, „sie helfen bei Problemen in der Schule und beim Schreibkram.“ Lehre und Lernen gehören zusammen. Bei Charly Grote können die Auszubildenden binnen drei Jahren eine Menge lernen. Der Firmen-Patriarch bringt es auf die Formel: „Ich möchte im Job gefordert werden – und nicht 40 Jahre lang Doppelback und Apfeltasche verkaufen.“

Nachwuchs zum Seminar

Zum Lernen schickt Charly Grote den Nachwuchs zu einem einwöchigen Seminar an die Bäckereifachschule in Olpe. Der Senior hat sie in guter Erinnerung. Er hat selbst dort seinen Meister gemacht. Damals war er 20.

In knapp 40 Berufsjahren hat Charly Grote viel über sein Handwerk, mehr übers Geschäft und noch mehr über Menschen gelernt. So gibt er zwei jungen Leuten mit Flucht-Hintergrund eine Chance. „Eigentlich müssten sie nach Hagen zur Berufsschule. Aber Hagen ist für die Beiden zu groß“, erzählt Charly Grote, „deshalb schicke ich sie nach Meschede. Nach Meschede sind aber die Verkehrsverbindungen nicht so doll.“ Charly Grote macht eine Kunstpause. „Jetzt subventioniere ich Führerscheine für die Beiden. Der Betrieb stellt das Auto.“

Zwei Bäckereien in Uganda

Soziales Engagement ist Charly Grote ebenfalls nachweislich wichtig. So schob er, gemeinsam mit Pfarrer Cosmas Alule, den Bau zweier Bäckereien im afrikanischen Uganda an. „Ich wollte, dass die beiden Golden Bakerys am Ende die Hauptstadt Kampala mit Brot beliefern – das tun sie jetzt.“

Wäre ein Praktikum seiner Auszubildenden bei den unternehmerisch unabhängigen Partner-Betrieben in Afrika möglich? Charly Grote nickt. Die Kammer-Kommission ergänzt, es gebe Förderprogramme für Auszubildende von Erasmus und Deutscher Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit.

Der Preis wird am 14. September verliehen. Charly Grote hat seine Chancen gewahrt.

>> INFO: AUSBILDUNGSMARKT

Das neue Ausbildungsjahr hat am Mittwoch mit Beginn des Augusts begonnen.

Deshalb hat die Arbeitsagentur Iserlohn die Übersicht über den Ausbildungsmarkt im Kreis gegeben. Demnach lag die Zahl der gemeldeten Bewerber bei 2970. Das bedeutet im Jahresvergleich einen Rückgang um 3,9 Prozent.

Noch deutlicher sank die Zahl der unversorgten Bewerber. 703 junge Leute suchen noch – 109 weniger als noch vor einem Jahr. Ein Minus von 13,4 Prozent.

Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze ging ebenfalls zurück. 2916 Lehrstellen sind 88 weniger (minus 2,9 Prozent)


Noch winken Chancen. 959 Lehrstellen sind unbesetzt: 144 oder 17,7 Prozent weniger.

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