CORONA-KRISE

Wocklum-Chemie-Chef: „Kopf nicht in den Sand stecken“

Gero Hertin, Geschöftsführer der Wocklum Chemie in Balve

Gero Hertin, Geschöftsführer der Wocklum Chemie in Balve

Foto: Wocklum Chemie

Balve.  Wocklum-Chemie-Chef Gero Hertin spricht über die Corona-Krise. Dabei setzt er jetzt schon auf die Zeit danach. Was er vorhat.

Das Traditionsunternehmen Wocklum Chemie hat auf die Corona-Krise schnell reagiert. Mitarbeiter und Kunden werden gleich am Eingang zur Verwaltung auf strenge Hygieneregeln hingewiesen. Auf der Innenseite der Eingangstür findet sich ein Spender mit Desinfektionsmitteln. Für das WP-Interview kam Unternehmenschef Gero Hertin aus dem Home-Office extra in die Zentrale.

Home-Office ist ein Schlagwort der Stunde. Bei einem Industrieunternehmen wie Wocklum Chemie stellt sich mir die Frage: Wie viele Mitarbeiter können überhaupt von zuhause aus arbeiten?

Gero Hertin Primär Mitarbeiter aus dem Vertrieb. Auch wenn die Außendienstler kaum noch Termine wahrnehmen können: 20, 30 Prozent der Arbeit bleiben noch. Kundenbetreuung geht auch von zuhause aus. Im Produktionsbetrieb ist das aber schwierig. Wir können schlecht zuhause Chemikalien mischen. In jeder Abteilung haben wir aber Maßnahmen ergriffen, um die Mitarbeiter zu schützen. Wir desinfizieren drei Mal am Tag unsere Klinken und auch unsere Geländer. Im Büro haben wir die Mitarbeiter, so weit es möglich ist, ins Home-Office geschickt. Aber eine Basismannschaft muss weiter in der Zentrale sein. Dort arbeiten Mitarbeiter jetzt teilweise in Einzelbüros. Und in der Küche ist der Zutritt nur noch für eine Person möglich.

Wie sieht die aktuelle Auftragslage aus?

50 Prozent der Kunden haben Angst und bestellen deutlich weniger, und die anderen 50 Prozent. Was wir privat erleben, gibt es auch in der Wirtschaft. Die Hamsterkäufe werden aber in den nächsten ein, zwei Wochen durch sein. Dann wird es knallen. Es stellt sich nur die Frage, wie sehr. Werden es 10 Prozent weniger sein? Dann sage ich: okay. Werden es 20 Prozent sein? Dann sage ich: Da müssen wir über Kurzarbeit reden. Dann müssen wir sparen. Werden es aber 30, 40, 50 Prozent oder mehr, dann wird die Lage immer schlimmer, und keiner weiß, was passiert.

Was wird gehamstert?

Alle Arten von Rohstoffen werden gehamstert, so weit das geht. Man kann ohne behördliche Genehmigung nicht ohne Weiteres seine Tankkapazitäten erhöhen.

Ist die Angst berechtigt?

Die Warenketten funktionieren alle noch zu 100 Prozent. Wir haben ein Tochterunternehmen, das Geschäfte mit China macht. Da merken wir, dass die Wirtschaft wieder anläuft. Sie war auf null, und jetzt ist sie wieder auf 85 Prozent.

Wo wird es fürs Unternehmen schwierig?

Bei Schwimmbädern. Wir sind stark im Chor-Geschäft und bei Chemikalien, die den pH-Wert des Wassers einstellen. Innerhalb von drei Tagen wurden alle Geschäfte abgesagt, von allen Partnern. Uns bleibt noch ein Grundbereich, weil Schwimmbäder im privaten Bereich im Kommen sind.

Wie stellt sich die Firma jetzt auf?

Uns ist der Schutz der Mitarbeiter wichtig – und die Beschaffung von liquiden Mitteln. Wir dürfen auf keinen Fall den Kopf in den Sand stecken. Wir müssen denken: Was können wir künftig besser machen? Wir haben jetzt Zeit, sich mit Themen zu beschäftigen, die man auf die lange Bank geschoben hat. Können wir neue Produkte entwickeln wie Desinfektionsmittel? Kommen wir in neue Märkte rein? Können wir unsere internen Prozesse verbessern? Wir wollen dabei unsere Mitarbeiter mitnehmen. Das rettet unsere Jobs. Wir werden aus der Krise als Gewinner hervorgehen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben