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Zentrales Atemschutz-System: Darum hilft es Balves Feuerwehr

Atemschutzgerät im Einsatz. Feuerwehr Balve bei einer Übung des Märkisches Kreises in Halver

Atemschutzgerät im Einsatz. Feuerwehr Balve bei einer Übung des Märkisches Kreises in Halver

Foto: Kai Gaberle / Feuerwehr

Balve.  Balves Feuerwehr steht vor einem Umbau. Stadt und Wehr wollen sich an der Zentralisierung des Atemschutzes beteiligen. Welche Vorteile bringt’s?

Balves Feuerwehr steht vor einem gravierenden Umbruch. Atemschutzgeräte sollen künftig vom Kreis zentral für möglichst alle Städte und Gemeinden zwischen Ruhr und Hönne, Lenne und Volme angeschafft, gewartet und repariert werden. Dazu ist eine sogenannte öffentlich-rechtliche Vereinbarung nötig. Stadtverwaltung und Feuerwehr empfehlen dem Rat, dem Vorhaben in seiner Sitzung am Mittwoch, 4. Dezember, zuzustimmen.

Bisher wartet Iserlohns Berufsfeuerwehr die Atemschutzgeräte der öffentlichen Feuerwehren im Kreis und des Kreises selbst. Noch betreiben das Gros der Städte und Gemeinden zudem eigene Atemschutz-Werkstätten.

2016 kam die Idee auf, einen zentralen Atemschutz-Pool zu bilden. Kreisbrandmeister, Kreisausbilder, Feuerwehr-Chefs, Werkstatt-Mitarbeitern sowie Verwaltungsexperten des Kreises waren der Überzeugung, dass die zentrale Beschaffung und Vorhaltung von Atemschutzsystemen, Service inklusive, nicht weniger als 23 Vorteile gegenüber des aktuellen Systems bietet.

Ein Gerätemodell für möglichst alle Feuerwehren im Kreis bietet im Kern Ersparnis an Geld bei Anschaffung, Pflege und Reparatur sowie Ersparnis an Zeit bei Ausbildung, Prüfung und Wartung. Fallen diese Tätigkeiten weg, gewinnen gerade die Ehrenamtler Zeit, die anderweitig genutzt werden kann.

Mehr noch: Ein einheitlicher Geräte-Standard verspricht höhere Sicherheit, da keine Kombination von unterschiedlichen Systemen möglich ist“. Bisher gab es Reibungsverluste durch fehlerhafte Kombinationen von Überdruck- und Normaldruckgeräten. Zudem ließen sich Geräte unterschiedlicher Hersteller nicht kombinieren.

Obendrein erhofft sich die Feuerwehr mehr einsatzfähige Geräte: „Zu prüfende Geräte werden 1:1 gegen bereits geprüfte Geräte ausgetauscht.“ Somit müsse die Wehr nicht mehr hinnehmen, dass in einer Prüfphase weniger Geräte zur Verfügung stehen – abgesehen davon sei die Ersatzteilbevorratung vereinfacht. Stadtverwaltung und Feuerwehr hoffen, dass schlicht weniger Teile geordert werden müssen.

Balve zeigte schon 2018 Interesse

Wo findet die Prüfung der Geräte statt? Das Servicezentrum Iserlohn übernimmt diese Aufgabe für an dem Vorhaben teilnehmenden Städte und Gemeinden.

„Dem Märkischen Kreis soll mit dieser Vereinbarung von den Kommunen die zentrale Beschaffung der Atemschutzgeräte für die Kommunen und den Märkischen Kreis sowie alle Wartungen und Reparaturen der Atemschutzgeräte übertragen werden“, heißt es in dem Antrag.

Das Papier enthält auch Zahlen. Bei Beschaffung, Wartung und Reparatur strebe der Märkische Kreis gegenüber den Kommunen „eine reine Kostendeckung“ an.

Was heißt das für Balve? „Durch die Beteiligung an dem Atemschutzpool entstehen der Stadt Balve voraussichtlich jährliche Kosten in Höhe von circa 15.000 Euro.“ Bislang belaufen sich die jährlichen investiven Ersatzbeschaffungen von Atemschutzgeräten auf rund 8.330 Euro. Jährliche Unterhaltungskosten (Wartung, Reparatur, Pflege) kommen obendrauf. Die Rede ist von rund 14.000 Euro im Schnitt.

Die Zentralisierung bedeute einen Abschied von jährlich schwankenden Investitionskosten; vielmehr sollen die Aufwendungen künftig besser planbar sein.

Konzept und Vorteile des Atemschutzpools wurden den Bürgermeister(inne)n bei einer Konferenz bereits am 21. September 2018 vorgestellt. Schon damals hatte Balve „Interesse bekundet“. Aktuell haben Balve, Halver, Herscheid, Iserlohn, Kierspe, Meinerzhagen, Nachrodt-Wiblingwerde, Neuenrade, Plettenberg, Schalksmühle und Werdohl ihre Teilnahme am Atemschutzpool zugesichert – vorbehaltlich der Zustimmung des jeweiligen Rates.

Die Städte Altena, Hemer, Lüdenscheid und Menden sind zunächst nicht dabei. Sie können die Vereinbarung aber später noch unterschreiben. Die Frist läuft drei Jahre.

INFO

Der öffentlich-rechtliche Vertrag (örV) stellt eine Handlungsform des deutschen öffentlichen Rechts dar. Es handelt sich nach Angaben des Online-Lexikons wikipedia.de um einen Vertrag über einen öffentlich-rechtlichen Gegenstand, an dem sich mindestens eine juristische Person des öffentlichen Rechts beteiligt.

Im Fall der Neuorganisation von F euerwehr-Dienstleistungen sind zwei juristische Personen beteiligt. Auf einen Seite steht die Stadt Balve, auf der anderen Seite der Märkische Kreis. Die Zentralisierung des Atemschutz-Systems (Kauf, Ausbildung, Wartung, Reparatur) ist ein öffentlich-rechtlicher Gegenstand.

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