70 Jahre Bochum

Wie die Jüdische Gemeinde die Eröffnung der Synagoge feierte

„Wo ein Haus ist, ist Heimat“: Von der Innenstadt wurden die Thora-Rollen zur feierlichen Eröffnung 2007 in die neue Bochumer Synagoge am Erich-Mendel-Platz getragen.

„Wo ein Haus ist, ist Heimat“: Von der Innenstadt wurden die Thora-Rollen zur feierlichen Eröffnung 2007 in die neue Bochumer Synagoge am Erich-Mendel-Platz getragen.

Bochum.   Die Grundsteinlegung der Synagoge geht wie die Eröffnung 67 Jahre nach der Pogromnacht in die Bochumer Stadtgeschichte ein.

„Wo ein Haus ist, ist Heimat.“ Über sechs Jahrzehnte war der Leitspruch in der Jüdischen Gemeinde zu hören gewesen. Bei der Grundsteinlegung 2005 ist die Freude unter den Mitgliedern schier unbändig. Ebenso wie bei der Eröffnung 2007: Nach 69 Jahren können jüdische Mitbürger in Bochum wieder feierlich in eine eigene Synagoge einziehen.

„Für uns wurde damals ein Traum wahr“, erinnert sich Vorsitzender Grigory Rabinovich an die Zeremonie, die für die Gemeinde eine Zäsur darstellte. In der Pogromnacht 1938 war die Synagoge an der Wilhelmstraße (heute Huestraße) von Nazi-Schergen in Schutt und Asche gelegt worden.

„Bochumer Erklärung“ stellt 2003 die Weichen

Nur mühsam gelang es nach dem Holocaust, das jüdische Leben in Bochum wieder aufzubauen. „Das Gemeindeleben fand vorwiegend in Recklinghausen statt“, sagt Geschäftsführer Aleksander Chraga.

Den Aufbruch bescherte der Zusammenbruch der Sowjetunion. „Juden aus Russland und der Ukraine kamen in den 90er Jahren zu uns. Die Mitgliederzahl schnellte von 50 auf 1000 nach oben“, so Chraga.

Die „Bochumer Erklärung“ stellt 2003 die Weichen für ein neues Gemeindezentrum.

Jährlich 2500 Besucher in Bochumer Synagoge

Die Stadt überlässt der Gemeinde (die nun auch Herne und Hattingen umfasst) ein 4300-qm-Grundstück an der Castroper Straße, neben dem Planetarium. 6,9 Millionen Euro betragen die Baukosten. Stadt, Land und Gemeinde schultern je ein Drittel.

Bau und Eröffnung der Bochumer Synagoge
Bau und Eröffnung der Bochumer Synagoge

2006 ist Baubeginn, eineinhalb Jahre später Eröffnung. OB Ottilie Scholz spricht von einem „historischen Tag“ für Bochum und hofft, dass sich die Gemeinde öffnet. Das ist geschehen: Jährlich 2500 Besucher werden durch die Synagoge geführt. Seit 2015 gibt es einen Kindergarten – nicht nur für Gemeindemitglieder.

Antisemitische Beschimpfungen wegen der Kippa

Die Beschwörung bei der Einweihung gilt bis heute: „Uns wird bewusst, dass alle Versuche, uns zu vernichten, uns aber doch nicht auslöschen konnten und neues Leben in uns sich zu regen beginnt.“

Frucht- und furchtbar ist der Schoß, aus dem das Böse kroch, gleichwohl noch immer: 2017 beschloss die Gemeinde, öffentlich keine Kippa mehr zu tragen, da die Gläubigen immer wieder Beschimpfungen ausgesetzt seien.

>> Multimedia-Chronik: Bochum von 1948 bis 2018

Dieser Artikel ist Teil der Serie „70 Jahre WAZ – 70 Jahre Bochum“. Der Zeitstrahl Bochum70.waz.de bietet zu Nachrichten und Ereignissen, die für Bochum(er) zwischen 1948 und 2018 wichtig waren, historische Filmaufnahmen, Fotos und alte WAZ-Zeitungsseiten zum Durchblättern. Auf der Seite können Sie auch eigene Bochumer Stadtgeschichten und Fotos hochladen. Das erste Jahresthema der Multimedia-Chronik: die Gründung der WAZ in Bochum im Jahr 1948.

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