Mordprozess

Angeklagte räumen Beteiligung am Mord in Bochum-Hordel ein

Der Hauptangeklagte verbarg zum Prozessauftakt im Oktober sein Gesicht vor der Presse hinter einer Mappe. Die Kripo war ihm mit enormer kriminalistischer Feinarbeit und Geduld auf die Spur gekommen, über eine DNA-Spur an einer Kappe.

Der Hauptangeklagte verbarg zum Prozessauftakt im Oktober sein Gesicht vor der Presse hinter einer Mappe. Die Kripo war ihm mit enormer kriminalistischer Feinarbeit und Geduld auf die Spur gekommen, über eine DNA-Spur an einer Kappe.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Bochum.  Im Mordfall Hordel haben die beiden Angeklagten Teilgeständnisse abgelegt. Die Aussage des Opfers (72), das überlebt hatte, ist erschütternd.

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Im Mordfall Hordel hat der Hauptangeklagte (37) am Donnerstag vor dem Schwurgericht ein Teilgeständnis abgelegt. Tenor: Ja, er habe damals in dem Haus des später erstickten Rentners (68) in der Kappskolonie eingebrochen. Aber getötet habe er den Mann nicht und auch nichts davon gewusst. Das müsse sein Komplize gewesen sein. „Ich wollte nicht, dass einer zu Schaden kommt.“

Dieser Mann – beides sind Polen – ist noch nicht angeklagt sitzt zurzeit in seinem Heimatland wegen einer anderen Straftat in Haft. Die Staatsanwaltschaft will, dass er nach Bochum ausgeliefert wird.

Hauptangeklagter will von einem Mord nichts gewusst haben

„Es ist richtig, dass ich eingebrochen bin“, sagte der Hauptangeklagte, ein wohnsitzloser Pole, der seit 2012 in Deutschland lebt, Drogen nahm, seit 2015 Straftaten beging und schon mehrfach wegen Eigentumsdelikten verurteilt worden ist, auch zu Haft. Er habe gehört, dass in dem Haus des Rentners viel Bargeld vorhanden sei. Mit dem Komplizen sei er am Nachmittag des 4. Februar in das Haus eingedrungen, die Tür habe er einfach aufdrücken können. Die Partnerin (72) des Rentners habe er in der Küche zu Boden gebracht, eine Jacke drübergelegt und dann Obergeschoss und Keller nach Wertsachen abgesucht, aber nichts gefunden.

Sein Komplize habe sich um den Rentner gekümmert. Dieser war laut Anklage im Wohnzimmer geschlagen, gewaltsam zu Boden gebracht und so massiv mit Klebeband geknebelt worden, dass er qualvoll erstickte. Davon habe er nichts gewusst, so der 37-Jährige. „Ich ging davon aus, dass beide nur ruhig auf dem Boden liegen“, heißt es in seiner Erklärung, die von Verteidiger Michael Emde vorgelesen wurde. „Ich habe erst am Tag danach im Fernsehen erfahren, dass jemand zu Tode kam.“ Nur ein Einbruch sei geplant gewesen.

Beweisführung der Mordanklage dürfte schwierig werden

Ob das so stimmt, muss das Gericht aufklären. Das dürfte aber schwierig werden, wenn der mutmaßliche andere Einbrecher noch in Polen sitzt.

Vernommen wurde am Donnerstag aber das zweite Opfer dieses kaltblütigen Schwerverbrechens. Die Lebensgefährtin (72) des Mordopfers erschien mit einem Rollator im Zeugenstand. Sie hatte die Hölle durchgemacht.

„Auf einmal ging die Tür auf, da haben sie mich am Hals gepackt und in der Küche auf die Erde geschmissen“, begann sie ihre erschütternde Aussage. Die beiden Täter seien schwarz gekleidet gewesen und hätten Handschuhe und Sturmhauben getragen. „Ich konnte nur die Augen sehen. Dann habe ich meine Jacke über den Kopf gekriegt, damit ich nichts mehr sehen konnte.“ Um Luft zu bekommen, habe sie auf dem Küchenboden liegend die Jacke immer wieder nach oben gelupft. Aus Angst sei sie liegen geblieben und habe sich auch nicht getraut, mit dem Handy in ihrer Hose die Polizei zu rufen.

Dann habe ich nur noch gehört, wie Klebeband von einer Rolle abgerissen wurde“

Aus dem Garten sei dann ihr Partner ins Wohnzimmer gekommen. „Was ist denn hier los!?“, habe er gesagt. „Dann haben sie ihn auch schon gepackt“, so die Zeugin. „Dann habe ich nur noch gehört, wie Klebeband von einer Rolle abgerissen wurde.“

Ihr Partner habe den Tätern erst noch besänftigend versichert, dass er nichts tun werde. Dann aber hörte sie: „Ich krieg keine Luft!“ Die 72-Jährige ergänzte: „Dann war es ganz still.“

Die Zeit unter ihrer Jacke kam ihr „wie eine Ewigkeit“ vor. „Bestimmt eine Stunde, anderthalb“ seien die Einbrecher „immer nach oben und unten gelaufen“ und dann verschwunden. „Ich habe zu Hans-Günter (so der Vorname des Rentners, Anm. d. Red.) gesagt: Jetzt sind sie weg. Aber ich habe keine Antwort gekriegt.“ Daraufhin wählte sie die 110.

Die Rentnerin hat eine Traumatherapie hinter sich, sagte aber: „Ich knabber immer noch dran.“

Der Prozess wird fortgesetzt.

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