Justizzentrum

Aufsichtsbehörde genehmigt großflächigen Abriss

Auf einer großen Fläche des früheren Landgerichts-Verhandlungstrakts waren über das Wochenende hinweg die KFM-Platten der Luft ausgesetzt.

Auf einer großen Fläche des früheren Landgerichts-Verhandlungstrakts waren über das Wochenende hinweg die KFM-Platten der Luft ausgesetzt.

Foto: Andreas Rorowski

Bochum.  Der Abbruch des Justizzentrums Bochum geht voran. Stutzig macht der „offene“ Umgang mit Material, das eigentlich sorgsam deponiert werden sollte.

Künstliche Mineralfasern (KFM) der älteren Generation, hergestellt bis zum Jahr 1995, stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Bei ihrem Ausbau aus Gebäuden gelten daher besondere Schutzmaßnahmen. Die Bezirksregierung Arnsberg hat dennoch die Genehmigung dafür erteilt, dass beim Abbruch des alten Justizzentrums in der Bochumer Innenstadt großräumig abgerissen wird – obwohl große Flächen mit KMF-Platten noch nicht beseitigt sind.

Weniger gefährliches Verfahren

„Das geschieht aus Arbeitsschutzgründen“, so eine Sprecherin der Bezirksregierung auf Anfrage dieser Zeitung. Dieser Schutz gelte vor allem beim Abbau der Fassadenelemente und der dahinter liegenden Dämmplatten des Landgerichtsgebäudes. „Sie sind so groß, dass ein einzelner Ausbau für die Arbeiter gefährlicher wäre als die jetzige Vorgehensweise.“ Allerdings sei die Genehmigung unter der Auflage erfolgt, dass die Flächen umfangreich gewässert werden, damit die Staubentwicklung gemindert oder gar verhindert wird.

Auflage: mehr Wässern

Tatsächlich wird auf der Baustelle seit einigen Tagen deutlich intensiver gewässert. Dennoch sind sowohl am Amtsgerichtsgebäude, dem Riegelbau zum Husemannplatz, der in dieser Woche gänzlich verschwinden wird, als auch am dahinter gelegenen Landgerichtsgebäude ausgebaute oder freigelegte KFM-Platten über längere Zeit ungeschützt an der Luft. Das ganze Wochenende über war etwa an der Junggesellenstraße eine insgesamt mehr als 100 Quadratmeter große KFM-Fläche am früheren Verhandlungstrakt des Landgerichts freigelegt, ihre Fasern konnten durch Luft und Wind weitergetragen werden. Dabei müssen „alte“ KFM-Elemente „staubdicht verpackt werden“, wie es in einem Bericht des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung über „Künstliche Mineralfaserdämmstoffe“ heißt. Sie werden auf Deponien gelagert.

Weniger Feinstaub als bei Asbest

Immerhin: „Im Vergleich zu Asbest entwickeln KMF bei mechanischer Beanspruchung in der Regel weniger gesundheitsschädigenden Feinstaub, der lungengängige Fasern enthalten kann“, heißt es in dem Papier.

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