Hitze

Baumbeutel sollen in Bochum der Trockenheit trotzen

In Wattenscheid sind die Säcke unter anderem rund um Ehrenmal im Einsatz. Foto: Gero Helm / FUNKE Fotoservices.

In Wattenscheid sind die Säcke unter anderem rund um Ehrenmal im Einsatz. Foto: Gero Helm / FUNKE Fotoservices.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Bochum/Wattenscheid.  Die Stadt stattet 170 Bäume in ganz Bochum erstmals mit Bewässerungssäcken aus. Die gleichmäßige Abgabe von Wasser soll deren Überleben sichern.

Grünes Gewand zeigen Bäume eigentlich in höheren Schichten. Aktuell sind jedoch 170 von ihnen in ganz Bochum bereits farblich auf das Blätterwerk abgestimmt. Das hat keine modischen, sondern schlicht pragmatische, überlebensnotwendige Gründe: Die Stadt hat speziell jüngere Bäume mit sogenannten „Tree Bags“ (zu deutsch: Baumsäcke oder- beutel) ausgestattet, die auch während der heißen, trockenen Sommertage eine nachhaltige Versorgung mit Wasser gewährleisten sollen.

Die Hitze kündigt ihre Rückkehr an, der Regen der vergangenen Tage ist eher als der typische Tropfen auf den heißen Stein zu werten. Bundesweit werden Maßnahmen ergriffen, um auf den Klimawandel und die damit einhergehende Dürre zu reagieren. Um Bäume auf Bochums und Wattenscheids Straßen zu schützen, sind daher erstmals 170 Tree Bags im Einsatz. Die Bewässerungssäcke sind an den Stämmen angebracht, können je nach Größe mit bis zu 100 Litern Wasser befüllt werden und geben dieses gleichmäßig über mehrere Stunden an das Wurzelwerk weiter. Ist der Beutel leer, sackt er sichtbar zusammen.

Einsatz am Wattenscheider Ehrenmal

Ins Auge fallen die grünen Beutel unter anderem entlang des Wattenscheider Ehrenmals. Dort säumen sie die Stämme der jüngeren Bäume an der Bahnhofstraße und am Bußmanns Weg. Auch in der Marienstraße setzt die Stadt auf die Maßnahme als Reaktion auf den Klimawandel. Pressesprecher Peter van Dyk erläutert: „In anderen Kommunen wurden gute Erfahrungen gemacht. Wenn es sich in Bochum bewährt, werden wir weiter auf die Bewässerungssäcke setzen.“

Ebenfalls „eingetütet“ sind die Stämme von 80 bis 90 Bäumen auf der Oskar-Hoffmann-Straße (zwischen Schauspielhaus und Universitätsstraße) sowie der innenstadtnahen Universitätsstraße. Bochums Bäume, die zum Teil seit Jahrzehnten stehen, seien nicht auf das aktuelle Klima eingestellt, sagt van Dyk: „Bei Neupflanzungen wird darauf geachtet, dass die Bäume besser mit dem Klimawandel und der Trockenheit zurechtkommen.“ Geeignete einheimische Arten seien etwa Ahorn, Eiche und Winterlinde, die auch eine längere Lebensdauer aufweisen. Vor allem in den Citys sind zudem Amberbäume gefragt: „Diese bilden eine schmale Krone mit dichtem Grün aus, sind ebenfalls widerstandsfähig und langlebig.“

Säcke werden wöchentlich befüllt

Anfälliger seien Pappeln. „Die Lebenserwartung liegt nur bei 40 bis 50 Jahren. Gepflanzt wurden Pappeln vor allem nach dem Krieg, weil sie schnell wachsen und günstig sind“, so der Stadtsprecher. Bestückt werden insbesondere jüngere Bäume mit einem Standalter von fünf bis sechs Jahren. Bei diesen sei eine Bewässerung wegen des „gegebenenfalls schlechten Grundwasseranschlusses des Baumes erforderlich“. Die Befüllung der Säcke erfolgt wiederum nach Bedarf, den die Stadt festlegt – derzeit mindestens einmal pro Woche.

Ebenso stimme man ab, wo weiterer Bedarf in Bochum besteht. Stadtsprecher van Dyk kündigt an, dass die Säcke, abhängig von den Witterungsbedingungen, bis August oder September im Einsatz sein werden und ergänzt: „Wenn das Wetter so bleiben sollte, werden wir weiter reagieren müssen.“

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