Ausbildung

Bei den Azubis kommt es aufs richtige Händchen an

Feinwerkmechaniker-Junggeselle Till Weuder (27) misst am Messmikroskop eine Biegerolle. Der Feinmechaniker wurde unlängst als bester von 222 erfolgreichen Azubis der Kreishandwerkerschaft geehrt.

Feinwerkmechaniker-Junggeselle Till Weuder (27) misst am Messmikroskop eine Biegerolle. Der Feinmechaniker wurde unlängst als bester von 222 erfolgreichen Azubis der Kreishandwerkerschaft geehrt.

Foto: Svenja Hanusch

Bochum.   Stromboli GmbH in Werne stellt zum wiederholten Mal den besten Azubi der Kreishandwerkerschaft. Ausbildung als gesellschaftliche Verantwortung.

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Ein fester Händedruck mit Kreishandwerksmeister Michael Mauer und dann war es besiegelt: Till Weuder ist der beste Junghandwerker in der Kreishandwerkerschaft Ruhr. Der Beste unter 222 Ausbildungsabsolventen. Bei der Freisprechungsfeier wurde der 27-Jährige dafür geehrt. Sein Chef verfolgte besagten Händedruck mit Stolz.

Neu ist das Gefühl, den besten Absolventen zu stellen, für Andreas Köppel aber nicht. Die Stromboli GmbH von Köppel (59) und von Andreas Gottschewski (59) hat schon mehrfach prämierte Gesellen ausgebildet. Und einer von ihnen, Arne Wittemer, wurde gerade sogar als Bestmeister ausgezeichnet. Der Feinmechanikbetrieb an der Von-Waldthausen-Straße in Werne entpuppt sich geradezu als Fachkräfteschmiede. Aber was ist sein Erfolgsgeheimnis?

Auf den ersten Blick ist das beim Betriebsbesuch nicht zu erkennen. Aber der zweite Blick lässt erahnen, was dazu gehören könnte, immer wieder Spitzenhandwerker auszubilden. Zum Gespräch laden die Chefs die gesamte Belegschaft mit an den Tisch, sofern sie an diesem Tag im Betrieb ist. Zwei Azubis fehlen. Sie sind in der Berufsschule. Alle anderen sprechen mit. Beim Besuch der WAZ. Und überhaupt. „Wenn eine Maschine angeschafft wird, passiert das nicht einfach über die Köpfe derjenigen hinweg, die damit arbeiten sollen“, nennt Albert Göttken (37) ein Beispiel. „Sie werden gefragt.“

Verantwortung und Vertrauen

Dass am Ende die Inhaber entscheiden, ist selbstverständlich. Aber die Belegschaft einzubinden, das wird am Runden Stromboli-Tisch, der in Wirklichkeit rechteckig ist, schnell klar, gehört zu den Prinzipien von Andreas Köppel und Andreas Gottschewski, die mit ihrem Unternehmen in diesem Jahr den 30. Geburtstag feiern. Zwei andere Prinzipien: Azubis werden so schnell wie möglich in die Produktion eingebunden.

„Eine Ausbildung ist gut, wenn man Einblick in die Fertigung bekommt und nicht ständig nur an Übungswerkstücken arbeitet“, sagt Henrik Kieslich (35). Auch er war einst Best-Azubi und ist nun dabei, seinen Meister zu machen. „Und wir lassen die Leute – je nach Ausbildungsstand – so früh wie möglich alle Arbeitsschritte selbst übernehmen“, sagt Andreas Gottschewski. Ganz schön viel Verantwortung für einen Azubi – aber auch viel Vertrauen und das Gefühl von Zugehörigkeit.

Mittlere Reife als Voraussetzung

Dass Till Weuder diesmal den besten Abschluss gemacht hat, hat vielleicht auch damit zu tun, dass der ehemalige Maschinenbaustudent eine ganze Menge für die theoretische Ausbildung schon mitgebracht hat. „Es kann nicht schaden mit möglichst hoher Qualifikation die Ausbildung zum Feinmechaniker anzutreten. Aber grundsätzlich reicht die mittlere Reife“, sagt Andreas Gottschewski.

Den richtigen Azubi zu finden, der wiederum schnell das Gefühl hat, den richtigen Beruf im richtigen Betrieb anzustreben. Darauf kommt es vor allem an. Dabei spielen Praktika, die Schüler oder Werksstudenten bei Stromboli absolvieren, eine wichtige Rolle. „Man kann herausfinden, ob jemand mit Herzblut dabei ist und ob er wirkliches Interesse hat“, sagt Andreas Köppel. Seit 20 Jahren bilden sie bei Stromboli aus. Für den eigenen Fachkräftenachwuchs. „Aber wir haben als Unternehmer auch eine gesellschaftliche Verpflichtung“, so Köppel.

Motivation ist ein wichtiger Faktor

Motivation sei ein wichtiger Faktor, damit es für beide Seiten – Arbeitgeber und Azubi – gut läuft. Zumal: So unkonventionell es bei Stromboli auch zugehen mag. „Es wird hier viel gearbeitet.“ Und dabei spiele Qualität eine sehr große Rolle. „Wir haben hier recht hohe Ansprüche von Genauigkeit“, erklärt Meister Albert Göttken. „Schließlich geht es um Feinmechanik. Da geht es nicht um Zentimeter oder Millimeter, sondern um hundertstel Millimeter.“

Wovon der Mann spricht, wird schnell klar beim Blick in eine Vitrine, in der metallene Werkteile in Form von Zylindern, Röhren, Schrauben – gebürstet oder poliert, mit Gewinde oder ohne – fein säuberlich nebeneinander liegen. Mit den meisten kann ein Laie wenig anfangen. Aber eines wird schnell klar: Wenn das Handarbeit ist, dann alle Achtung.

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