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Bloggerin holt Kompressionsstrümpfe aus der Oma-Ecke

„Auch mit Kompressionsstrümpfen kann man stylisch aussehen“, sagt Marlene Urbanik und zeigt eines ihrer Lieblingsmodelle.

Foto: Ingo Otto

„Auch mit Kompressionsstrümpfen kann man stylisch aussehen“, sagt Marlene Urbanik und zeigt eines ihrer Lieblingsmodelle. Foto: Ingo Otto

Bochum.   Dieser Modeblog ist außergewöhnlich: Eine 28-jährige Studentin präsentiert schmucke Kompressionsstrümpfe im Netz. Sie ist selbst erkrankt.

Marlene Urbanik ist Model. Bildhübsch. Perfektes Lächeln. Tolle Ausstrahlung. Die Mode indes, die die 28-Jährige vor Fotografen und auf dem Laufsteg präsentiert, mag so gar nicht in die Welt der Schönen und Reichen passen. Marlene Urbanik wirbt für Kompressionsstrümpfe, die sie wegen einer Fetterkrankung selbst tragen muss. Und nicht nur das: Mit einem eigenen Blog hat sie Erfolg im Internet.

Grau oder beige, von ausgesuchter Zweckmäßig- und Hässlichkeit, meist schamhaft unter Kleidern oder Hosen versteckt: Träger von Kompressionsstrümpfen wandelten Jahrzehnte durch modisches Niemandsland. „Man hat sofort die Oma mit Stützstrümpfen im Kopf“, schmunzelt Marlene Urbanik. Doch der Markt hat sich verändert. Das liegt an Frauen wie ihr. Frauen, denen in immer jüngeren Jahren Kompressionsstrümpfe verordnet werden, weil sie unter Thrombosen, Krampfadern oder weiteren Schädigungen der Venen leiden.

Marlene Urbanik hat’s besonders schlimm erwischt. In ihrer Pubertät erkrankte sie am Lipödem, einer voranschreitenden Anhäufung von Fettgewebe: zunächst auf den Hüften und Oberschenkeln, später auf Unterschenkeln und Armen. „Mit 21 wurden die Schwellungen ganz schlimm. Dabei hatte ich noch Glück, dass der Hausarzt mich zum Virologen schickte, der das Lipödem rechtzeitig erkannte. Das haben viele andere Frauen nicht“, weiß Marlene Urbanik.

Strumpf-Parade auch auf Youtube

Kompressionsstrümpfe wurden fortan ihr täglicher Begleiter, daheim in Grumme ebenso wie beim Jura-Studium an der Ruhr-Uni. Doch statt zu jammern, machte Marlena Urbanik aus der Not eine Tugend. Im Internet rief sie einen Modeblog ins Leben: eine virtuelles Tagebuch, in dem sie das medizinische Hilfsmittel zum modischen Hingucker aufwertet. Auf www.radiantheels.com stellt sie Kompressionsstrümpfe und das dazu passende Outfit vor. Die Auswahl ist groß. Die Hersteller haben sich auf eine jüngere Zielgruppe eingestellt. Omas Liebestöter gibt’s zwar immer noch. Hinzugesellt haben sich aber ungezählte Modelle in knalliger Optik und mit fröhlich-bunten Motiven.

Längst ist der Modeblog auch zu einer Ratgeber-Plattform geworden. Die Nutzer, an manchen Tagen über 100, tauschen sich über ihre Erkrankungen aus, machen sich Mut, geben sich gegenseitig Ernährungs-, Sport- und Modetipps. Anlass für Marlene Urbanik, ihre Seite um Pflegeprodukte zu erweitern und zudem einen eigenen Youtube-Kanal zu eröffnen.

Nach ihrem Studium (aktuell Germanistik und Pädagogik in Köln) will sie ihr Geschäftsmodell hauptberuflich weiterführen. Der Laufsteg soll dabei eine wichtige Rolle spielen. Kürzlich war sie bei der Fashion Week in Berlin zu Gast und führte Kompressionsstrümpfe vor. „Das Echo war größer als bei manch einer neuen Kollektion.“

>> Name soll erkrankten Frauen Mut machen

  • Den Namen ihres Modeblogs www.radiantheels.com verbindet Marlene Urbanik mit einer Mutmach-Botschaft.

  • „Strahlende Absätze“ soll symbolisieren, dass auch fetterkrankte Frauen strahlend schöne Schuhe mit hohen „Hacken“ tragen können – und sollen!

  • Der Internet-Auftritt wird von den Herstellern beachtet. „Die stellen mir die Produkte inzwischen gern zur Verfügung.“

  • Derweil schreitet das Lipödem bei Marlene Urbanik voran. Erste Anzeichen zeigen sich an den Armen. Die Strümpfe wird sie ihr Leben lang tragen müssen.

Experten geben Tipps zu Krampfadern & Co.

Müde und geschwollene Beine, Besenreiser, dicke Knöchel: Jede fünfte Frau und jeder sechste Mann ist von einem chronischen Venenleiden betroffen. Allein ein Viertel der Bevölkerung zwischen 18 und 79 Jahren (meist Frauen) hat Krampfadern. Im Vorfeld des Bochumer Venentages rückt die WAZ die Volkskrankheit am Mittwoch, 8. März, erneut in den Blickpunkt einer Telefonsprechstunde.

„Lieber laufen und liegen statt stehen und sitzen“: So lautet der Leitsatz von Prof. Dr. Markus Stücker und Prof. Dr. Achim Mumme. Die Leitenden Ärzte des Venenzentrums des Katholischen Klinikums wissen: Die Venengesundheit wird unterschätzt. 7,5 Stunden täglich sitzt jeder Deutscher. Das schadet den Venen, ebenso wie langes Stehen, Bewegungsmangel, Nikotin, Übergewicht, enge Kleidung und Schuhe mit hohen Absätzen.

Was kann bei Spannungsgefühlen der Beine helfen?

Wie kann man schweren, müden Beinen vorbeugen? Was kann bei Schwellungen und Spannungsgefühlen der Beine helfen? Welche Therapien und Operationen sind bei Besenreisern, Thrombosen und Krampfadern angeraten? Am kommenden Mittwoch von 14 bis 16 Uhr geben Prof. Stücker (0234/958 72 66) und Prof. Mumme (0234/958 76 33) Rat zu allen medizinischen Fragen rund um die Venengesundheit. Weitere Gesprächspartner für die WAZ-Leser sind AOK-Sprecher Jörg Jockisch (0234/958 76 00), der Tipps und Angebote zur Vorbeugung von Venenleiden bereit hält, und Udo Zimmer (0234/958 73 21), als Handelsvertreter Experte für die Versorgung mit Kompressionsstrümpfen, die es in immer moderneren und schickeren Ausführungen gibt (siehe Bericht oben).

Der Venentag, den die AOK jährlich ausrichtet, findet eine Woche später – am Mittwoch, 15. März – im Venenzentrum an der Hiltroper Landwehr statt. Von 15 bis 18 Uhr gibt es vielfältige Informationen und Mitmach-Angebote.

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