Verkehr

Bochum: Dekra zahlt Autoreparatur nach umstrittener Prüfung

Markus Gausling (li.) und sein Vater Herbert streiten in Bochum mit der Dekra um eine Prüfplakette für einen Gebrauchtwagen.

Markus Gausling (li.) und sein Vater Herbert streiten in Bochum mit der Dekra um eine Prüfplakette für einen Gebrauchtwagen.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Bochum/Marl.  Streit um eine Dekra-Prüfplakette in Bochum: Ein Autokäufer verließ sich auf den Test und beschwerte sich. Die Dekra zahlte die Reparatur.

Den Glauben an die Sicherheit der Autos auf unseren Straßen hat Herbert Gausling verloren. Das Vertrauen in die Prüfgesellschaft Dekra ebenso. Der Wattenscheider schildert der WAZ den aus seiner Sicht „haarsträubenden Fall“ seines Sohnes Markus. Die Dekra bestätigt einen Fehler bei der Prüfung sowie die anschließende Reparatur des Pkw.

Im April 2019 kauft Markus Gausling privat einen Mazda Premacy, Baujahr 2004, gut 100.000 Kilometer auf dem Tacho. Den Wagen will er nur für den Übergang nutzen. Er kostet 1600 Euro. „Entscheidend für unsere Kaufentscheidung war der Prüfbericht vom 13. Februar 2019 der Dekra-Station in Marl, den die Vorbesitzerin vorweisen konnte“, schildern die Gauslings. Der Bericht liegt der WAZ vor. Der zuständige Ingenieur bescheinigt darin: „Ihr Fahrzeug ist ohne festgestellte Mängel. Die Plakette wurde zugestellt und angebracht.“ Herbert Gausling: „Darauf haben wir uns verlassen und gemeint: Dann muss das Auto ja ok sein.“

Streit um Dekra-Plakette in Bochum: „Es war verheerend“

Wenige Tage später habe der Wagen „laut geklappert“. Markus Gausling fährt in eine Werkstatt in Günnigfeld. „Als das Auto dort hochgebockt wurde, sahen wir die Bescherung. Teile des Unterbodens und der Radaufhängung waren komplett durchgerostet. Es war verheerend.“ Der Kostenvoranschlag der Werkstatt für eine Reparatur beläuft sich auf 2442 Euro. „Der Meister meinte: Der Wagen hätte so niemals durch die Hauptuntersuchung kommen dürfen. Wir sollten uns an den Verkäufer und die verantwortliche Dekra-Station wenden.“

Das Gespräch mit der Vorbesitzerin war schnell vorbei. „Sie beteuert, von nichts gewusst zu haben.“ Also: Auf nach Marl. „Tatsächlich trafen wir den Prüfingenieur an, der den Bericht seinerzeit unterzeichnet hatte“, berichtet Herbert Gausling und erinnert sich: „Er sagte: ,Das sieht ja wirklich böse aus!’ Es war offensichtlich, dass er den Wagen so zum ersten Mal gesehen hat. Dann fragte er, ob wir schon einen Anwalt eingeschaltet hätten. Wir verneinten. Daraufhin sagte er: ,Ich erledige das. Ich lasse das Auto auf meine Kosten reparieren.’“

Dekra-Ingenieur wurde „sensibilisiert“

Markus Gausling erhält nach eigenen Angaben einen Leihwagen. Nach drei Tagen holt er den Mazda wieder ab. Das Auto ist fahrtüchtig, die Löcher im Unterboden sind verschweißt. Eine Rechnung für die Reparatur habe er nie erhalten, so Gausling. Um auf Nummer Sicher zu gehen, stellt er den Wagen in Bochum beim TÜV vor. Dort werden nur noch kleinere Mängel festgestellt. Kosten: 135 Euro. Die fordert Gausling mitsamt seiner Auslagen bei der Dekra ein, alsbald auch per Anwalt. „Doch man zeigte kein Entgegenkommen. Deshalb gehen wir jetzt an die Öffentlichkeit.“

Die Dekra hält sich auf WAZ-Anfrage in einer ersten Stellungnahme bedeckt. Die Hauptuntersuchung am 13. Februar 2019 wird bestätigt. „Die (...) festgestellte Korrosion hätte als erheblicher Mangel eingestuft werden müssen“, erkennt nun auch die Dekra. „Eine Sensibilisierung“ des zuständigen Ingenieurs sei erfolgt. Entspricht es den Tatsachen, dass der Pkw auf Rechnung des Prüfers repariert wurde? Knappe Antwort: „Nein.“

Dekra räumt Reparatur ein

Bei einer nochmaligen Anfrage der WAZ zeigt sich die Dekra auskunftsfreudiger. In der Tat habe es damals eine Reparatur gegeben, räumt Friedhelm Schwicker, Sprecher der Dekra-Hauptverwaltung in Stuttgart, ein. Doch: Bezahlt habe die Reparatur keinesfalls der Prüfer, sondern die Dekra. Als Beweis legt das Unternehmen der WAZ die Rechnung einer Marler Werkstatt über 1499 Euro vor, datiert vom 23. April 2019, ausgestellt auf die Dekra.

Ein zwar außergewöhnlicher Vorgang, wie Schwicker erklärt. „Aber wir wollen für unsere Kunden im Zweifelsfall stets den möglichst einfachen Weg gehen und einen Rechtsstreit vermeiden. So war es auch hier.“ Immerhin habe man eine Betriebshaftpflichtversicherung, wenn es Fehler gegeben habe.

Derweil haben die Gauslings gehandelt. Der Mazda wurde verkauft.

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