Toter Winkel

Bochumer Grundschüler bekommen Gefühl für toten Winkel

So groß ist der „Tote Winkel“. Zwei Schulklassen passen auf die rote Plane, die den Gefahrenpunkt darstellen soll.

So groß ist der „Tote Winkel“. Zwei Schulklassen passen auf die rote Plane, die den Gefahrenpunkt darstellen soll.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Bochum.   Die Firma Remondis will Bochumer Grundschüler mit einem Workshop für den toten Winkel beim Lkw sensibilisieren. Schüler dürfen im Lkw sitzen.

Die Viertklässler der Grundschule „In der Vöde“ sind schon alte Hasen, zumindest was den toten Winkel angeht. Erst vor kurzem haben sie die Radfahrprüfung bestanden und damit ihren Fahrradführerschein bekommen – und das merkt man: Die Finger gehen in die Höhe, als Paul Fikus, Ausbilder bei Remondis, fragt, was denn eigentlich der tote Winkel ist. Doch wie groß der Gefahrenbereich tatsächlich ist, weiß kaum jemand.

Zwei Schulklassen passen auf die rote Plane, die den toten Winkel veranschaulichen soll und von Paul Fikus und seinem Team neben einem Lkw ausgebreitet wurde. Da ist selbst Schulleiter Christian Reifer überrascht: „Das ist schon ein anderer Winkel als man ihn vom Auto kennt. Ich fahre selbst regelmäßig mit dem Fahrrad zur Schule und bin beeindruckt wie groß der beim Lkw ist.“

Kinder dürfen im Lkw sitzen

Der 39-Jährige hat den Workshop von Remondis auf den eigenen Schulhof geholt. „Die Kinder haben das alles in der Theorie gelernt, aber das live zu sehen ist schon nachhaltiger.“ Warnwesten an und los geht’s: Die Teilnehmer dürfen einmal selbst auf der Fahrerseite eines Lkw sitzen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, in welchem Bereich ein Radfahrer „unsichtbar“ wird. Dabei dürfen sie Workshopleiter Paul Fikus mit ihren Fragen löchern.

„Was ist, wenn man einen Beifahrer hat, kann der nicht gucken?“ oder „Wie ist das beim Auto?“ – die Schüler sind neugierig. Leiter Paul Fikus will den Teilnehmern aber vor allen Dingen zeigen, wie man sich neben einem Lkw richtig verhält: „Hinter den LKW kommen. Oder so lange stehen bleiben bis er weg ist, auch wenn die Ampel schon wieder rot ist. Hauptsache, ihr kommt gesund nach Hause.“

Weitere Grundschulen sind beteiligt

Die Aktion ist durch eine Arbeitsgruppe des Entsorgungsunternehmens entstanden und wird seit Anfang des Jahres an verschiedenen Grundschulen in Bochum und Umgebung durchgeführt. „Viele Kinder reden davon, aber keiner weiß genau was oder wie groß der tote Winkel tatsächlich ist. Flyer alleine helfen da nicht wirklich, deshalb wollen wir dort präsent sein, wo es nötig ist.“

Der neunjährige Rayah Elhaloui darf als einer der ersten den Fahrersitz des Lkw erklimmen. Ein Mitarbeiter zeigt ihm den „Luis Turn Detect“, ein Abbiegeassistent, der dem Fahrer dank Kamera am Außenspiegel und Bildschirm an der Beifahrertür signalisiert, wann sich ein Radfahrer im toten Winkel befindet.

Remondis-Fahrzeuge werden aufgerüstet

Die Fahrzeuge der Firma Remondis werden nun nach und nach mit dieser Technologie ausgestattet, die etwa 1300 Euro kostet und vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert wird. Die Nachrüstung des Unternehmens sei auch eine Antwort auf die steigenden E-Bike-Zahlen, so Fikus. „Cool“, findet Rayah den kleinen Bildschirm auf der Fahrerseite und auch für seine Mitschüler stellt der Abbiegeassistent das Highlight dar, gefolgt vom dem „hohen und wackeligen“ Fahrersitz und den „lustigen“ gelben Warnwesten.

Der Workshop scheint aber seinen Zweck zu erfüllen, denn die Kinder fühlen sich sicherer: „Ich stand schon zweimal neben einem Lkw. Weil ich ein bisschen Angst hatte, bin ich dann auf den Bürgersteig gegangen“, sagt der zehnjährige Ilirid Selmamaj, der regelmäßig Fahrrad fährt. „Jetzt weiß ich, was ich machen muss.“ Schulleiter Christian Reifer möchte die Aktion auch nächstes Jahr an seine Schule holen.

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