Kokerei Neu-Iserlohn

Bochumer Industriedenkmal Neu-Iserlohn vergammelt im Wald

So sehen die alten Gemäuer aus der Nähe aus. Fotografiert wurde durch die Maschen des Zaunes. Das Areal selbst sollte man lieber nicht betreten.

So sehen die alten Gemäuer aus der Nähe aus. Fotografiert wurde durch die Maschen des Zaunes. Das Areal selbst sollte man lieber nicht betreten.

Foto: JBS

Bochum-Langendreer.  Die Kokerei Neu-Iserlohn galt einmal als vorbildliches Beispiel auf der Route der Industriekultur. Nun fällt sie offenbar dem Vergessen anheim.

Wer sich auf die Spuren der Bochumer Industriegeschichte begibt, kann mitunter Spannendes erleben. Beispielsweise in Langendreer, dicht an der Stadtgrenze zu Dortmund-Somborn, wo einst die Zeche Neu-Iserlohn förderte. Ihre Relikte aufzufinden, erinnert an die geheimnisvolle Erforschung des versunkenen Trojas.

Neu-Iserlohn, 1955 stillgelegt und später als Außenanlage der Zeche Robert Müser (1968) genutzt, war ein ziemliches großes Bergwerk mit zwei Betriebsteilen. Am Lütgendortmunder Hellweg stehen einige Restgebäude, die heute zum Teil von der Justizvollzugsanstalt Langendreer genutzt werden. Und somit nicht öffentlich zugänglich sind. Immerhin informiert eine Tafel direkt neben dem JVA-Eingang über die Historie des Bergwerks. Ein alter, grauer Förderwagen hält daneben trotzig Wacht.

Im „wilden Wald“

Der Pütt hatte zwei Standorte, aber sie sich vor Augen zu rufen, ist schwer. Anhand der Backsteinmauer, die die Jahrzehnte überdauerte, kann man oberhalb der Somborner Straße die Umrisse des Zechengeländes erahnen. Das Areal, auf dem die Fördertürme standen und die Kumpel zur Schicht gingen, ist zumal entlang der Beverstraße zum „wilden Wald“ geworden, von Spazierwegen durchzogen. Die Nachbarschaft führt hier ihre Hunde aus, ansonsten ist kaum jemand unterwegs. Wandelnd zwischen Totholz und Gesträuch, hört man das Rauschen der nahen A 40.

Nahe an der Autobahnraststätte

An manchen Stellen ist durch Lücken im Baumbestand der stilisierte „Förderturm“ der Autobahnraststätte Beverbach auszumachen. Der Ruhrschnellweg führt direkt am alten Zechengelände vorbei.

Auf der anderen, südlichen Seite der Beverstraße sieht die Lage ähnlich aus: sehr unübersichtlich. Hier soll sich im wuchernden Wäldchen neben dem längst aufgegebenen alten Sportplatz an der Ecke Somborner Straße ein einzigartiges Industriedenkmal verbergen. Nämlich eines der ältesten Zeugnisse des Kokereiwesens im Ruhrgebiet, die Ruinen der Kokerei auf der Brache der Zeche Neu-Iserlohn I/III.

Virtuelle Karten

So steht es jedenfalls auf der Website „Route der Industriekultur“, die sämtliche Industriebauten des Reviers listet. Auch eine Geodaten-Angabe findet sich. Doch wenn man sie aufs Handy lädt, zeigt die virtuelle Karte zwar den Standort an, man sieht allerdings – nichts.

Oder doch? Erst beim zweiten, dritten Vorübergehen an dem zerknautschten gelben Warnschild „Einsturzgefahr! Betreten verboten“ bemerkt man den Trampelpfad, der ins struppige Gebüsch führt.

Durch Brennnesseln

Ihm zu folgen, ist speziell: Brombeeren, Brennnesseln und Kletten-Labkraut, das an den Hosenbeinen „festklebt“, wollen überwunden, ein umgestürzter Baum überklettert sein. Und dann steht man plötzlich doch vor einer so imponierenden wie reichlich unheimlichen Kulisse. Gemauerte Rundbögen, die fünf, sechs Meter hoch aus dem Unterholz aufragen: so stellt man sich verfallenen Maya-Tempel im Dschungel von Peru vor.

Geheimnisvoll und bedrohlich

Geheimnisvoll wirkt das alte Mauerwerk, fast bedrohlich. Offenbar sind die Bauten das tatsächlich, denn das Areal drumherum ist nicht zugänglich, Zäune sperren die Anlage ab. Was nicht heißt, dass man nicht hingelangen könnte. An einer Stelle ist der zwar mannshohe, aber leichte Drahtzaun aufgeknackt worden, Graffiti auf dem Gemäuer zeugen von gewissen Besuchern.

Die Kokerei ist uralt, sie stammt von 1895 und war bis 1907 in Betrieb. Sie besaß 60 Öfen und wurde dann durch einen direkt benachbarten Neubau ersetzt. Die Rundbögen der Altanlage wurden später anderweitig genutzt. Nach Ende des Verbundbergwerks Robert Müser, wurden auch die meisten Übertageanlagen auf Neu-Iserlohn abgerissen. Das Gelände lag brach und geriet in Vergessenheit. Lange blieb die Kokerei unentdeckt. Der Wald konnte sich ungestört ausbreiten, bis die Industrieruine 1989 wiederentdeckt wurde. Anfangs war sie wegen ihres Alters und des Eindrucks, den sie hervorrief, ein Schmuckstück auf der „Route der Industriekultur“.

Nun fällt die Kokerei Neu-Iserlohn offenbar wieder dem Vergessen anheim. Ein Industriedenkmal vergammelt im Wald.

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