Ladenschließung

Bochumer Kult-Friseur schließt - Corona war sein Ende

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Die Corona-Pandemie brachte das aus für den Kult-Friseur "Geht's noch".

Die Corona-Pandemie brachte das aus für den Kult-Friseur "Geht's noch".

Foto: Nico Korte

Weitmar  Der bis Mitternacht geöffnete Friseur "Geht's noch" hatte in Bochum Kultstatus. Was hinter der Schließung steckt und wie es weitergeht.

Die Idee, die Uli Köllner vor über 17 Jahren hatte, entstand eigentlich aus der eigenen Not: Er wollte sich die Haare schneiden lassen, hatte als Berufstätiger aber Schwierigkeiten, nach 18 Uhr einen Friseurtermin zu bekommen. "Also habe ich mir gedacht: Man braucht einen Friseur, der bis 24 Uhr geöffnet hat", sagt der Bochumer.

Die Idee des "After-Work-Friseurs" war geboren. Als bundesweit erster Laden dieser Art öffnete "Geht's noch!?" 2005 seine Türen an der Hattinger Straße. Köllner war seither Geschäftsführer. Mit den Jahren entwickelte der Salon Kultstatus: Vielleicht wegen seiner bunten Außenfassade und schrillen Einrichtung, vielleicht wegen seiner großen Zeitschriftenauswahl oder seines unkomplizierten Teams. Kinderwagen, Fahrräder, Hunde? Im Salon nie ein Problem.

Pandemie als Ursache

Vor wenigen Wochen hat der Friseur aber nun seine Türen für immer geschlossen. Und das, obwohl sich der Friseurladen bei seinem letzten Jubiläum noch "auf die nächsten 100 Jahre" gefreut hatte. Was ist passiert?

"Letztendlich war es die Corona-Pandemie, die uns nun zur Schließung gezwungen hat", sagt Köllner.

Ende ist besiegelt

Zum einen geht es um die Soforthilfen, die im Zuge der Corona-Krise ausgezahlt wurden - damals recht schnell und unbürokratisch. Sie sollten zunächst ein Geschenk sein, nun gibt es aber Streit um die Rückzahlungen. Solo-Selbstständige, Kleinstunternehmer und Gastronomen werfen dem Land vor, die Bedingungen nachträglich geändert zu haben. Das Land fordert nun von vielen Nachweise für die finanziellen Engpässe.

Aber selbst, wenn der Streit über die Rückzahlung der Corona-Soforthilfen ein anderes Ende als erwartet nimmt - eine Klagewelle ist angekündigt - das Ende von "Geht's noch!?" ist besiegelt. Die drei Mitarbeitenden, die zuletzt noch im Salon arbeiteten waren, haben bereits neue Anstellungen gefunden.

17 verrückte Jahre

Viele Kunden seien über die Schließung schockiert gewesen. "Wir haben Blumen und Schokolade bekommen, es sind Tränen geflossen", sagt Köllner. Die vergangenen 17 Jahre seien eine verrückte Zeit gewesen.

Das lässt sich in Zahlen ausdrücken: Neben einem Verschleiß von insgesamt sechs Waschmaschinen, fünf Wäschetrocknern und drei Spülmaschinen gehört zur Bilanz auch der zehnfache Wechsel von Strom- und Gasanbietern, zwei Hochwasser mit nächtelangem Trockenlegen und sechsmaliges Streichen der Außenfassade.

Familiäres Team

"Improvisation gehörte immer dazu", sagt Köllner rückblickend. Der familiäre Zusammenhalt des Teams sei das Rezept für Erfolg gewesen. Dabei wollte "Geht's Noch!?" Schluss machen mit "unpersönlichem hypermodernen Ambiente und kalten Marmoreingängen", wie der Laden sich selbst beschreibt. Gemütlich wie in einem Wohnzimmer sollte es sein.

Aber dennoch: Zwei Steuerprüfungen, vier Buchführungen und Kontrollen vom Ordnungsamt musste der Salon über sich ergehen lassen. "Das Ordnungsamt hat mehrfach hier kontrolliert, ob wir Bier verkaufen", sagt Köllner und lacht. Ein Bekannter habe Freibier gesponsert, das Amt wollte dafür eine Genehmigung sehen.

Andere Geschäftsidee

Natürlich hatten aber alle einen Arbeitsvertrag", erzählt der Werbekaufmann.

Er widmet sich nun einer anderen Geschäftsidee: "Wir haben einen eigenen Glühwein für das Ruhrgebiet namens "Glühwein" auf den Markt gebracht", erzählt er.

Laden übernommen

Einen neuen Anstrich haben die Wände aber bekommen.

Bis 24 Uhr wird er nicht mehr geöffnet haben, an einem Tag aber immerhin bis 22 Uhr. Und noch etwas wird fehlen: Der Spruch "Geht's Noch?!" bei der Abnahme des Telefonhörers - der etwa 150.000 mal erklang.

Neuer Inhaber

Der Friseursalon "Geht's Noch!?" befand sich an der Hattinger Straße 160 in Bochum-Weitmar, direkt gegenüber von "Getränke Fröse". Zum 1. Juli hat Leandros Iliadis den Salon übernommen. Die neuen Öffnungszeiten: Montags bis mittwochs von 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 22 Uhr, freitags von 10 bis 19 Uhr.

Termine können unter 0234 5423755 vereinbart werden, der Friseur findet sich auch bei Facebook.

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