Schwurgericht

Bochumer Prozess um totes Baby geht in die nächste Runde

Die Angeklagte neben Verteidiger Henry Altenberg. Im Hintergrund eine Wachtmeisterin.

Die Angeklagte neben Verteidiger Henry Altenberg. Im Hintergrund eine Wachtmeisterin.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Bochum.  Die Aussage des Kindsvaters hilft nicht bei der Klärung der Todesursache des Säuglings. Er habe von der Schwangerschaft nichts gewusst.

Statt Antworten bleiben Fragen in dem Prozess um einen in einer Plastiktüte tot aufgefundenen Säugling im Bochumer Nordosten. Die angeklagte Bochumerin (35), die wegen des Todes ihres Säuglings vor Gericht steht, schweigt noch immer. Das im Badezimmer der Eltern geborene Mädchen wurde nur 30 Minuten alt. Die Todesursache bleibt ungeklärt. Allein der Umstand, dass die Kriminalpolizei das Kind in einem blauen Plastiksack in der elterlichen Wohnung fand, steht fest.

Wahrscheinliche Todesursache: „Ersticken“

„Nach jetzigem Stand des Verfahrens geht die Strafkammer von aktivem Handeln aus“, sagt der Vorsitzende Richter Josef Große Feldhaus. Weiter: Die Strafkammer aus drei Berufsrichtern und zwei Schöffen sehe es als wahrscheinlich an, dass die Angeklagte das Kind habe töten wollen. Die wahrscheinliche Todesursache sei Ersticken durch ein Tuch oder eine Decke. Der Bochumerin droht lebenslange Haft.

Der Kindesvater sagt, er habe von der Schwangerschaft seiner damaligen Lebensgefährtin nichts gewusst. Erst durch die Kriminalpolizei will er davon erfahren haben, erklärt er im Zeugenstand. Ein Test habe bestätigt, dass er der Vater des toten Mädchens sei. „Ich weiß nur, dass sie gesagt hat, sie könne sich an nichts erinnern. Nur an das Blut im Bad. Ich wusste nicht, wie alt das Kind war, das sie verloren hat. Ihre Mutter habe sich dann um alles Weitere gekümmert. Ich hatte Mitleid mir ihr.“

Kindsvater hat nichts gewusst

Rund drei Stunden wird der Kindsvater als Zeuge befragt. Von drei Schwangerschaften während der knapp zehn Jahre währenden Beziehung, von 2007 bis 2017, habe er nie etwas mitbekommen. Dass sie jeweils ein Kind im Jahr 2014 und 2015 geboren und in einer Babyklappe abgegeben haben soll, das wisse er aus der Presse.

„Wie kann das sein? Sie sind doch Vater zweier Kinder aus einer vorherigen Beziehung. Wie konnten Sie das nicht merken?“, heißt es von der Richterbank. „Man konnte keinen Schwangerschaftsbauch sehen. Mir hat sie gesagt, sie könne aus körperlichen Gründen gar keine Kinder bekommen. Sie hat mir immer nur von Problemen mit den Nieren erzählt. Außerdem hat sie weiterhin Zigaretten geraucht“, sagt der 42-jährige Bochumer.

Konflikte totgeschwiegen

Auf welchem Friedhof das Kind liegt, wisse er nicht. Auch wer sich um die Beerdigung gekümmert hat oder wer dabei gewesen war, darauf habe er keine Antwort. In dem halben Jahr Beziehung nach dem Vorfall hätten sie eher nebeneinander hergelebt als zusammen, führt er aus. Das Baby sei kein Thema mehr gewesen, weil weder er noch sie darüber sprechen konnten. Konflikte seien in der Beziehung immer totgeschwiegen worden.

Die Mutter der Angeklagten (62), die auch als Zeugin geladen ist, macht ebenfalls von ihrem Recht Gebrauch, zu schweigen. Allein ein Luftkuss der Mutter rührt die Angeklagte zu sichtbaren Emotionen. Sie zückt ein Taschentuch und wischt sich die Tränen vom Gesicht. Ansonsten sitzt sie reglos da.

Der Prozess wird am 25. Oktober fortgesetzt.

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