Stadtteil-Check

Dahlhausen: Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan

Engelbert Wührl (links) und Jochen Hopmann stehen auf dem Bahnhofsvorplatz und schauen sich alte Fotos von Dahlhausen an. Dort wo der Lidl heute steht (rechts), trennte früher ein Bahndamm den Stadtteil.

Engelbert Wührl (links) und Jochen Hopmann stehen auf dem Bahnhofsvorplatz und schauen sich alte Fotos von Dahlhausen an. Dort wo der Lidl heute steht (rechts), trennte früher ein Bahndamm den Stadtteil.

Foto: Dietmar Wäsche

Bochum-Dahlhausen.   Dahlhausen hat sich entwickelt. Im Stadtteil-Check gibt’s gleich in fünf Kategorien Top-Noten. Doch die Lorbeeren verdankt man auch den Nachbarn.

Die Noten sprechen für sich. Dahlhausen ist im Stadtteil-Check unserer Zeitung richtig gut weggekommen. Nimmt man die Bewertungen der 13 Kategorien zusammen, liegt Dahlhausen mit einer durchschnittlichen 2,67 im ersten Drittel aller 30 Stadtteile. „Vor 25 Jahren“, ist sich Jochen Hopmann sicher, „wären wir im letzten Drittel gelandet. Doch aus dem früheren Dreckloch ist richtig was geworden.“

Wir stehen vorm alten Bahnhof, mitten im Zentrum von Dahlhausen. Zusammen mit Engelbert Wührl vom Bergmannstisch Bochum-Süd berichtet Hopmann, Vorsitzender der Naturfreunde Linden-Dahlhausen, über den Wandel von Dahlhausen.

Dieser begann 1983. Als der Bahndamm, der den Stadtteil in „Bürgerliche und Malocher“ teilte, verschwand. „Das war ein Quantensprung“, sagt Wührl, „danach konnte Dahlhausen zusammenwachsen.“

Vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan

Und wie: Die Wohnfeldverbesserung, kurz „WUV“, zeigte schnell Wirkung, seit 2003 entsteht der Ruhrauenpark und auch aktuell tue sich in Sachen Wohnungsbau viel, finden Engelbert Wührl und Jochen Hopmann. Das ziehe viele Familien an. „Aus dem hässlichen Entlein“, sagt Hopmann, „ist ein schöner Schwan geworden.“

Das sehen offenbar auch unsere Leser so. Gleich in fünf Kategorien bekommt Dahlhausen Top-Noten: Bei den Freizeitangeboten, der Kinderfreundlichkeit, der Parkplatzsituation, der Arbeit von Kommunalpolitik und Verwaltung – und bei der Gesamtnote für den Stadtteil.

Für Engelbert Wührl und Jochen Hopmann absolut nachvollziehbar. „Dahlhausen hat sich wie fast kein anderer Stadtteil positiv verändert“, sagt Wührl. Für Familien sei Dahlhausen ein Paradies, finden die beiden. Es gebe genügend Spielplätze, viel Wald und Grün, die Ruhr, dank mehrerer Nahversorger gute Einkaufsmöglichkeiten mit ausreichend Parkplätzen und eine gute Verkehrsanbindung in alle Himmelsrichtungen.

Linden-Dahlhausen ist die „Bindestrich-Gemeinde“

Auch sonst wird Dahlhausen ein durchaus gutes Zeugnis ausgestellt. Was aber nicht allein an den Qualitäten von Bochums Südwest-Zipfel liege, stellt Jochen Hopmann klar. „Man kann Dahlhausen nie getrennt von Linden sehen“, sagt er. „Es war schon immer ein Bindestrich zwischen den beiden Stadtteilen“, spricht Hopmann auch von der „Bindestrich-Gemeinde“, die man als Einheit sehen müsse. „Was es in Dahlhausen nicht gibt, findet man in Linden.“ Etwa Fachgeschäfte, Ärzte, vor allem aber Gastronomie. Die ist hier unten an der Ruhr so gut wie gar nicht vorhanden.

Engelbert Wührl und Jochen Hopmann könnten sich eine Erlebnisgastronomie im alten Bahnhofsgebäude vorstellen. Einige Versuche habe es schon gegeben – allerdings erfolglose. In Verbindung mit dem Ruhrtalradweg müsste man das doch hinbekommen, finden die beiden. Vielleicht auch ein vernünftiges Hotel.

Das fehlende Angebot an Lokalen kann aber auch ein Vorteil sein. Wenn abends niemand ausgehen kann, gibt es auch weniger Kriminalität. Entsprechend gut (2-) wird das Sicherheitsgefühl im Stadtteil-Check bewertet. „Belästigungen, Diebstahl, Handtaschenraub – so etwas passiert bei uns nicht“, sagen Wührl und Hopmann.

Viele Angebote für Kinder

Sicher und „sauwohl“ fühlt sich auch Nadine Scholten mit ihrer Familie in Dahlhausen bzw. Oberdahlhausen. Sie hat gerade ein Auge auf Tochter Olivia (2 ½), die auf dem Bahnhofsvorplatz Tauben jagt. Im Maxi-Cosi liegt Klein Isabella, sechs Monate jung. „Wir kaufen gerade bei Anadolu ein“, sagt die Mama und deutet auf die Blaubeeren in ihrer Hand hin. „Die muss ich jetzt gleich noch bezahlen.“ Bei dem türkischen Obst- und Gemüsehändler ist sie Stammkundin.

Linden und Dahlhausen ergänzen sich prima, bestätigt auch Nadine Scholten. „Doch ich bin lieber hier in Dahlhausen, bestimmt zu 80 Prozent.“ Sie und ihre Lieben fahren viel Fahrrad, nutzen die Radwege und Spielplätze. „Wir sind viel draußen.“

Auch sie gibt Dahlhausen gute Noten. Außer für die Gastronomie. „Das ist hier echt schwierig. Dafür gibt es viel für Kinder: Pekip-Kurse, Turnen, Babyschwimmen – wird hier alles angeboten.“ Auch Oma und Opa, die hier wohnen, seien zufrieden. „Genau wie wir. Wir fühlen uns hier echt wohl.“

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Die Bochumer Stadtteil-Redaktion beleuchtet fortan die Einzel-Ergebnisse unseres Stadtteil-Checks.

An der Leserbefragung hatten sich zwischen Ende September und Mitte November 2018 insgesamt 5535 Leserinnen und Leser beteiligt, indem sie für ihren Stadtteil Schulnoten in 13 Kategorien vergaben. Zu allen Analysen.

Dahlhausen wurde von 191 Teilnehmern bewertet. Zu den Noten von Dahlhausen.

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