Klassentreffen

Die Kameradschaft stimmt auch 50 Jahre nach dem Abi noch

Klassenfoto 50 Jahre nach dem Abitur: Die ehemaligen Schüler trafen sich an ihrer alten Schule, dem Graf-Engelbert-Gymnasium, wieder.

Klassenfoto 50 Jahre nach dem Abitur: Die ehemaligen Schüler trafen sich an ihrer alten Schule, dem Graf-Engelbert-Gymnasium, wieder.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Bochum-Wiemelhausen.   Ehemalige Schüler des Graf-Engelbert-Gymnasiums treffen sich 50 Jahre nach dem Abi. Viel habe sich nicht verändert, wohl aber die Anforderungen.

Das Fenster, wo Thomas Machelett als Schüler den Bio-Lehrer mit einem Schneeball abwarf, erkennt er sofort wieder: „Ich stand auf dem Schulhof und wir machten eine Schneeballschlacht – dabei warf ich den Ball hoch zum Fenster, genau in dem Moment als der Lehrer es öffnete“. Von da an war er wohl nicht mehr der Lieblingsschüler.

Machelett und zehn weitere ehemalige Klassenkameraden treffen sich an diesem Tag, um ihr 50-jähriges Bestehen zu feiern: 1969 schlossen sie ihre Schullaufbahn am Graf-Engelbert-Gymnasium mit dem Abitur ab.

Nachdem sie durch das Schulgebäude geschlendert sind, befinden die Herren, dass sich optisch gar nicht so viel verändert hat. Selbst die Wandmalereien sind noch dieselben. Doch die Abiturprüfungen waren damals deutlich anders: „Im schriftlichen Bereich wurde immer Mathematik, Deutsch, Englisch und Französisch abgefragt. In der mündlichen Prüfung konnten wir kein Fach auswählen – wir wussten nicht, wo wir geprüft werden“, so Ralf Engelmann, der nach seiner Abiturprüfung Russisch und Geschichte studierte und bis zu seiner Rente als Lehrer tätig war.

Der harte Kern trifft sich regelmäßig

Auch das Kurssystem, wie wir es heute kennen, gab es nicht. Neun Jahre verbrachten die Schulkollegen im Klassenverband. Noch heute trifft sich der harte Kern regelmäßig – die meisten Herren sind Bochumer Urgesteine und haben ihre Heimat bis heute nicht verlassen. Viele von ihnen fühlten sich zum Studienrat berufen. Auch Thomas Machelett war viele Jahre als Realschullehrer tätig: „Ich komme aus einer Bergarbeiterfamilie. Ich war der erste aus meiner Familie, der das Gymnasium besuchte. Es war eine sensationelle Zeit für mich“.

Das Graf-Engelbert-Gymnasium war früher eine reine Jungenschule – doch die Schillerschule, damals eine Mädchenschule, sei zum Glück nicht weit entfernt gewesen, erinnert sich Thomas Machelett mit einem Schmunzeln.

Im Musikraum setzt sich Helmut Schüttemeier ans Klavier und demonstriert so seine Liebe zur Musik. Der 69-Jährige ist der einzige in der Truppe, der kurz vor den mündlichen Prüfungen von der Schule abging. Damals kurzzeitig eine Katastrophe – heute lässt sich sagen, dass trotzdem etwas aus ihm geworden ist. Lange war er technischer Leiter im Planetarium und betreut heute noch die Konzerte und Musikprogramme. Obwohl er kein Abiturient ist, gehört er genauso dazu, wie die anderen: „Ich war bis zur 13. Klasse dabei, und neun Jahre als Klasse schweißen einfach zusammen – ob mit oder ohne Abitur“.

Klassenkameraden hielten immer zusammen

Die Vertrautheit zwischen den ehemaligen Klassenkameraden fällt sofort auf. Als sie ihren alten Klassenraum betreten, schwelgen sie in Erinnerungen: „Ich habe immer mit dem Stuhl gekippelt – eines Tages bin ich nach hinten gefallen und habe mir den Kopf an der Fensterbank aufgeschlagen. Der Unterricht war dann vorbei, und zwar für uns alle – die ganze Klasse hat mich ins Bergmannsheil begleitet“, so Ulrich Ludwigs.

Der studierte Mathematiker half schon als Schüler seinen Klassenkameraden bei ihren Problemen mit Algebra und wusste mehr als so mancher Lehrer. Ob die Abiturprüfungen früher schwieriger waren, wie es oft gesagt wird, kann er schlecht sagen: „Sie waren einfach etwas anders“.

Die Jahre, in denen die Herren die Oberstufe des Graf-Engelbert-Gymnasiums besuchten, waren Jahre des Aufruhrs. Bernd Bühnenbender erinnert sich daran, dass vor allem im Jahr 1968 viel Unterricht ausfiel, denn „es war eine Zeit voller Demonstrationen“.

Dann schaut er sich nachdenklich in dem Klassenraum um, der heute als Computerraum genutzt wird. „Es war schön, nochmal hier her zu kommen – vermutlich das letzte Mal. Wobei? Vielleicht schaffen wir ja auch noch die 75 Jahre.“

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