Sturmschäden

Facebook-Gruppe räumt Parks und Grünanlagen in Bochum auf

„Bochum packt an“ – bei ihren Einsätzen ist Körpereinsatz gefragt. Hier trägt Dominik Hantel einen dicken Ast aus einer Grünanlage an der Herner Straße.

„Bochum packt an“ – bei ihren Einsätzen ist Körpereinsatz gefragt. Hier trägt Dominik Hantel einen dicken Ast aus einer Grünanlage an der Herner Straße.

Foto: privat

Bochum.  Mehr als 20 Bürger treffen sich im Internet mit einem Ziel: Sie wollen die Stadt von Sturmschäden befreien. Trotz Sperre arbeiten sie in Parks und Grünanlagen. Am Samstag, 12. Juli, informiert die Aktionsgruppe in der Innenstadt über ihre Arbeit und wirbt um Mithelfer.

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„Bochum packt an.“ Schon der Name der kleinen Freiwilligengruppe strahlt Tatendrang aus. Sie hat sich kurz nach dem Sturmtief „Ela“ am Pfingstmontag gebildet. Eine Krankenschwester warb auf der Internet-Plattform „Facebook“ für die Idee, ehrenamtlich und in Eigenregie „die Stadt wieder auf Vordermann zu bringen“. Heißt: Sturmschäden beseitigen. „Wer Zeit hat, packt an.“ Die Idee fand Resonanz: Mittlerweile haben sich mehr als 20 Frauen und Männer bis etwa 50 Jahre zusammengefunden. Fast täglich schuften sie fast überall in der Stadt als Sturmschäden-Aufräumer.

Sie waren schon im Volkspark in Langendreer aktiv, im Stadtpark, an der Waldbühne, am Tiergehege im Südpark, im Werner Park und auf mehrere Straßen wie etwa der Schürbankstraße in Gerthe. „Dort hat die Stadt den ganzen Bürgersteig verbarrikadiert mit Baumresten. Kinder mussten deshalb auf die Straße ausweichen“, sagt Dominik Hantel von „Bochum packt an“. Der 24-Jährige, der im Herbst eine Lehre als Altenpfleger beginnen will, und seine Kollegen haben deshalb die Baumreste zerkleinert und mit einem kostenlos zur Verfügung gestellten Anhänger eines Landwirtes abtransportiert. Nachher konnten Kinder wieder den Gehweg benutzen.

Engagement hat sich herumgesprochen

Die Gruppe will Spielplätze, Wanderwege, Radwege, Grünanlagen und Parks wieder begehbar machen, die Wege dort freiräumen. Gegebenenfalls sperren sie Gefahrenstellen mit Flatterband ab. Von größeren Arbeiten wie Baumfällungen lassen sie die Finger – zu gefährlich. Mittlerweile haben sie sich sechs Motorsägen, dazu Helme und andere Schutzkleidung angeschafft. Fünf Helfer haben einen Kettensägenschein. Hantel: „Im Stadtpark waren wir drei Tage im Einsatz und haben von 9 bis 20 Uhr geackert. In der Waldbühne waren wir auch in drei Tagen fertig.“

Das Engagement der Gruppe hat sich in Bochum herumgesprochen. Firmen versorgen ihre Arbeit mit Spenden, wie Hantel sagt. Ein Tankstellenpächter habe einen Kanister Benzin für die Sägen spendiert, ein Baumarkt einen 150-Euro-Gutschein, und zwei Bäckereien hätten belegte Brötchen und Plunderteilchen an den Einsatzort gebracht.

Gruppe ist sich der Gefahr bewusst

Eigentlich dürfte die Gruppe gar nicht in Grünflächen und Parks arbeiten, denn die sind von der Stadt noch offiziell gesperrt, weil jederzeit Äste abbrechen können. Die Gruppe glaubt aber, dass sie von der Stadt und der Polizei toleriert werde, denn beide wüssten ja um ihre Tätigkeit und würden nicht einschreiten.

Zu den Einsatzorten taste man sich auch immer vorsichtig vor. „Wir sind reif genug im Kopf, um Gefahren einzuschätzen“, sagt Hantel. „Wir sind selber Schuld, wenn was passiert, das ist uns bewusst. Aber wir sind nicht fahrlässig.“ Und seine Kollegin Christiane Herda sagt: „Man entwickelt ein Gespür, was gefährlich ist.“

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