Fischzucht

Forellenhof inmitten der Stiepeler Idylle

Roger Wilkendorf, seine Frau Sabine sowie Sohn Roger betreiben die  Forellenzucht an der Blankensteiner Straße.

Roger Wilkendorf, seine Frau Sabine sowie Sohn Roger betreiben die Forellenzucht an der Blankensteiner Straße.

Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

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Bochum. Die Angelteiche an der Blankensteiner Straße gibt’s fast vier Jahrzehnte. Nun wagt Familie Wilkendorf nach umfangreicher Renovierung der Anlage den Neustart. Nicht nur Angler sind willkommen.

Jung gebliebene erinnern sich sicher an den „Forellenhof“ mit Hans Söhnker und Jane Tilden – Mitte der 60er Jahre war die Sendung ein TV-Hit. Dass es in Bochum auch einen Forellenhof gibt, der ähnlich familiär gestrickt ist wie damals die SWF-Serie, wussten bis jetzt vor allem eingefleischte Petri-Jünger. Doch das soll sich ändern. Jedenfalls wenn es nach der Familie Wilkendorf aus Stiepel geht.

Nichts mehr wie es war

Deren Forellenhof liegt an der Blankensteiner Straße in einer idyllischen Ecke Bochums. Das goldene Laub des Henkenbergs leuchtet, der sattblaue Herbsthimmel und die bunte Wälder spiegeln sich im Wasser der Teiche abseits des Knöselbachs. Abgesehen vom Sound der Baustelle auf der höher gelegenen Kosterstraße ist es hier still und beschaulich. Die Angler schätzen das, wenn sie ihre Schnur auswerfen.

Den Forellenhof mit den zwei 40 Meter-Angelteichen gibt es schon fast 40 Jahre, der Vorbesitzer Schmelz war eine feste Größe der Bochumer Fischereiszene. Als der Pächter starb, stellte sich für die Wilkendorfs die Frage, wie es weitergehen sollte mit ihren Teichen. Man hätte alles verkaufen können. „Aber wir haben beschlossen, den Betrieb selbst zu führen“, sagt Roger Wilkendorf (59). Gemeinsam mit seiner Frau Sabine (53) und Sohn Roger (29) wurde das in die Jahre gekommene Anwesen komplett umgekrempelt. Seitdem ist hier nichts mehr wie es war, von den Fischteichen einmal abgesehen.

Strenge Auflagen

Ein kleiner Hofladen wurde gebaut, mit hölzern-gemütlicher Gaststube, rund um die Teiche wurden die Wege erneuert, Bänke aufgestellt, Ordnung geschaffen. „Wir wollen, dass die Angler sich wohlfühlen“, sagt Wilkendorf. Die Teiche sind mit Gold-, Regenbogen und Lachsforellen bestückt, aber auch auf Welse, Störe und Karpfen kann man gegen Vorlage des Angelscheins und Tagesgebühr (ab 24 Euro) anstehen. „Vorhin war einer da, der hat in einer Stunde neun Forellen rausgeholt“, sagt Wilkendorf.

Der Forellenhof bietet die einzigen Angelteiche Bochums. Von daher sind vor allem Angler als Gäste angesprochen, aber das ist nicht mehr die einzige Zielgruppe. Denn der Forellenhof wird jetzt auch ganzjährig bewirtschaftet; Wilkendorf jun. kümmert sich um die Fischzucht, um die Schlachtung und um das Räuchern der Forellen. Mit dem Umbau sind nagelneue Arbeitsbereiche entstanden, Räucherkammer, Schlachtraum, Küche. „Alles streng nach Vorgaben des Veterinäramtes“, sagt Roger Wilkendorf, „Sie glauben gar nicht, was es alles an Auflagen gibt.“

Plüschtiere in der alten "Bimbo-Box"

Zentrum der Geschäftsidee ist das Thema „Frische“. „Sie können morgens anrufen, und Fisch für die abendliche Grillfete bestellen. Am Nachmittag liegen die Forellen küchenfertig abholbereit. Frischer geht’s nicht“, sagt Wilkendorf. Dazu setzt man auf Laufkundschaft: Der Ruhrtalweg führt direkt am Forellenhof vorbei, nun sollen auch Radler, Spaziergänger und Wanderer gelockt werden. Sabine Wilkendorf hat eine kleine, rustikale Speisekarte entworfen, die allerhand Schmackhaftes bietet. Immer mittwochs ab 14 Uhr steht der Verkauf von Räucherfisch an - ofenfrische Regenbogenforellen, über Buchenholz gegart, „vergoldet“, wie der Angler es nennt. Der Rauchgeruch liegt auf dem Hof dann überall in der Luft.

Gut möglich übrigens, dass, wer es sich einmal in der urigen Gaststube bequem gemacht hat, nicht nur wegen der leckeren Fischteller länger sitzen bleibt. Man kann mit Wilkendorf senior nämlich stundenlang über Fußball plaudern. Oder sich der „Bimbo-Box“ widmen - im „Forellenhof“ steht noch ein Exemplar jener Musiktruhe, die jedem Bochumer aus dem Kortum-Kaufhaus bekannt ist. Und deren Plüschtierkapelle schon musizierte, als es einen „Forellenhof“ bloß im Fernsehen gab. Und nicht in Stiepel.

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