Schnelles Internet

Gigabit-City: Bochumer Internet-Versprechen löst Kritik aus

Gemeinsam mit Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD), Stadtwerke-Chef Dietmar Spohn (v.l.) und  NRW-Minister Andreas Pinkwart (FDP, r.) gab Unitymedia-Chef Lutz Schüler den Startschuss für die Gigabit-City. Es gibt aber nicht nur Applaus für, sondern auch Kritik an dem Unternehmen.

Gemeinsam mit Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD), Stadtwerke-Chef Dietmar Spohn (v.l.) und NRW-Minister Andreas Pinkwart (FDP, r.) gab Unitymedia-Chef Lutz Schüler den Startschuss für die Gigabit-City. Es gibt aber nicht nur Applaus für, sondern auch Kritik an dem Unternehmen.

Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.  WAZ-Leser bemängeln die Netzzuverlässigkeit und zweifeln an der versprochenen 1000-Mbit/s-Leistung. Gewerbekunden blieben zudem außen vor.

Schnellste Stadt Deutschlands. Nächste Woche soll es so weit sein. Der Kabelnetzanbieter Unitymedia hat angekündigt, von Montag (14.5.) an die ersten Bochumer Kunden ans Gigabitcity-Netz anzuschließen.

„Alles schön und gut. Aber warum bekommen Gewerbekunden keinen Anschluss?“, fragt Autowerkstatt-Inhaber Michael Dittmar aus Weitmar. Gewerbekunden bekämen bei Unitymedia keinen schnellen Anschluss, obwohl es technisch möglich sei. Er beklagt, „dass die, für die eine schnelle Leitung wichtig ist, nicht mitmachen dürfen.“ Lokal- und Landespolitik müssten den Internetanbietern so viel Druck machen, „dass die Gewerbegebiete vorrangig angeschlossen werden.“

Er ist nicht der einzige Leser, der Kritik an Unitymedia äußert. Die von den Kabel-Kunden festgestellten Mängel reichen dabei von einem schon unzuverlässigen Netz, das oft die vertraglich vereinbarten Leistungen nicht erfülle, über mangelnde Kompetenz an der Hotline gerade in Sachen Gigabit bis zu Zweifeln, ob künftig wirklich die versprochenen 1000 Megabit pro Sekunde beim Download zur Verfügung gestellt werden.

Verfügbarkeitsabfrage möglich

Und Karl-Heinz Keller aus der Südfeldmark empört sich darüber, dass seine Anfrage nach schnellem Internet in der Vergangenheit erst mit einem Leistungspaket beantwortet, das später wieder zurückgenommen wurde. Danach sei davon die Rede gewesen, er müsse erst einen Vertrag abschließen, bevor die technischen Voraussetzungen geklärt werden könnten.

Die WAZ hat den Kabelnetzanbieter mit den Fragen und Zweifeln konfrontiert

An welchen Stellen genau gibt es bislang kein Gigabit-Angebot bzw. wird es auch nach den weiteren Ausbauten von Unitymedia und Stadtwerke nicht geben?

Unitymedia: Die Kabelanschlüsse sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Wer sich nicht sicher ist, ob an seinem Wohnort ein Kabelanschluss vorhanden ist, der kann im Internet auf der Unitymedia-Seite eine Verfügbarkeitsabfrage durchführen.

Können andere Anbieter die Netze von Unitymedia gegen Entgelt für ihre eigenen Angebote nutzen (wie das etwa beim Strom möglich ist)?

Nein, über das Kabelnetz von Unitymedia sind ausschließlich Unitymedia-Angebote verfügbar. Unternehmenschef Lutz Schüler hatte unter der Woche bei einer Pressekonferenz im Planetarium gesagt: „Wir wollen, dass die Kunden zu uns kommen.“ Sein Unternehmen habe allein in Bochum mehrere Millionen Euro in sein Netz investiert.

Warum erhalten Gewerbekunden keinen Gigabit-Anschluss?

Unitymedia: Zurzeit kann unser Gigabit-Tarif ausschließlich von Privatkunden gebucht werden. Voraussichtlich ab Juli 2018 haben auch Geschäftskunden die Möglichkeit, einen Gigabit-Tarif zu buchen. Das Tempo beträgt bis zu 1000 Mbit/s im Download und bis zu 60 Mbit/s im Upload.

Es gibt Kritik, „bei der Unitymedia-Hotline hat niemand eine Ahnung von Gigabit“. Gibt es an dieser Stelle Defizite in Ihrem Haus?

„Unsere Mitarbeiter im Service wurden kurz vor dem Start umfassend geschult“, so Firmensprecher Helge Buchheister. „Da es sich um ein neuen Tarif handelt, möchte ich nicht ausschließen, dass einzelne Mitarbeiter, die beispielsweise urlaubsbedingt nicht an den Schulungen teilnehmen konnten, den neuen Tarif noch nicht im Detail kennen. Das sind aber Einzelfälle.“

Die Debatte im Netz bzw. die Reaktionen von Lesern zeigen, dass es an vielen Stellen bislang Probleme mit der Zuverlässigkeit des Unitymedia-Netzes gibt. Es komme immer wieder zu Störungen. Kann Unitymedia sicherstellen, dass die 1000 Mbit pro Sekunde, die versprochen sind, auch tatsächlich geliefert werden?

„Das Kabelnetz ist ein Shared Medium, d.h. alle Teilnehmer in einem Netzabschnitt teilen sich die maximal verfügbare Bandbreite. Zu Stoßzeiten, also wenn wie in den Abendstunden viele der Teilnehmer gleichzeitig online sind, kann es zu Schwankungen bei der Geschwindigkeit kommen.“

Im Unitymedia-Datenblatt heißt es: normalerweise zur Verfügung stehen – beim Download 800 MBit, beim Upload 35 MBit. Dies entspricht nicht den angekündigten Daten von 1000 MBit und 50 MBit. Wie ist das möglich?

„Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen beschreiben, welche Leistungen erbracht werden und welchen Schwankungen die Bandbreite je nach gebuchtem Produkt unterliegen können. So wie von der Bundesnetzagentur in der Transparenzverordnung gefordert, geben die Produktinformationsblätter Auskunft über die Produkte und weisen Kunden vor Vertragsschluss hierauf hin. Aus den Produktinformationsblättern ergibt sich unter anderem die maximale, normalerweise zur Verfügung stehende und die minimale Datenübertragungsrate des jeweiligen Internetprodukts.“

Ein Leser hat von Unitymedia die Auskunft erhalten, die Ausbaufähigkeit seines im Keller liegenden Unitymedia-Anschlusses würde erst geprüft werden, wenn er einen Vertrag unterschreibt. Ist das ein übliches Geschäftsgebaren?

„Wenn an einem vorhandenen Anschluss keine Störung vorliegt, kann ein Termin mit einem Techniker von Unitymedia vereinbart werden, um die Kabel-Infrastruktur vor Ort zu prüfen oder auszubauen. Die Kosten hängen vom Umfang der Arbeiten ab."

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