VfL Bochum

Glasverbot rund ums Stadion des VfL Bochum zeigt Wirkung

Seit März gilt bei Heimspielen des VfL Bochum ein Glasverbot rund ums Stadion.

Seit März gilt bei Heimspielen des VfL Bochum ein Glasverbot rund ums Stadion.

Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool

Bochum.  Seit März gilt bei Heimspielen des VfL Bochum ein Glasverbot rund ums Stadion. Trotz der jüngsten Auseinandersetzungen beim ersten Saisonspiel gegen Dresden sind die Ordnungshüter „nicht zwingend“ zum Einschreiten verpflichtet: „Mit Augenmaß“ wolle man handeln, um gefährliche Situationen zu vermeiden.

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„Klar, Alter: Die zwei Fs gehören zusammen!“ Paul nimmt einen kräftigen Schluck aus der Pulle. Orthografie und Glaserverbot zum Trotz: Mit ihrem VfL-Fiege-Ritual wollen der 23-jährige Schlosser und seine Kumpels Timo und Karsten auch zum Saisonstart gegen Dynamo Dresden nicht brechen. Auf dem Weg zum Stadion ist die Flasche Bier mindestens so selbstverständlich wie Grönemeyers „Bochum“ vor dem Anpfiff.

„Solange die Jungs friedlich bleiben, ist dagegen nichts einzuwenden“, sagt Ulrich Grzella. Der Leiter der Polizeiinspektion Bochum war und ist einer der vehementesten Befürworter des Glasverbots. Das hatte zu Jahresbeginn für reichlich Diskussionen in Politik und Verwaltung gesorgt. In der gesamten Innenstadt, so der erste Entwurf, sollte der Verkauf von Flaschen an Heimspieltagen verboten werden. Im März verständigte sich der Rat auf eine abgespeckte Zone zwischen Hauptbahnhof und Stadion.

"Wir wollen keine Spaßbremse sein"

Verbot: Das klingt rigide. Doch die Ordnungshüter sind „nicht zwingend“ zum Einschreiten verpflichtet. Nie sei es der Polizei darum gegangen, „dem braven Familienvater sein Fußballvergnügen zu vermiesen“, versichert Ulrich Grzella. Wer sich mit einer Flasche Bier aufs Spiel einstimmen will – und das tun regelmäßig Hunderte Blau-Weiße –, „wird von uns nicht daran gehindert. Wir wollen keine Spaßbremse sein“.

Das Glasverbot ziele vielmehr auf die gegnerischen Anhänger ab. Genauer: auf gewaltbereite Problemfans, die Bierflaschen als Wurfgeschosse einsetzen. „Kollegen haben dadurch schon schlimme Verletzungen erlitten. Zum Glück nicht hier in Bochum. Aber so weit wollen wir es gar nicht kommen lassen“, erklärt der Inspektionsleiter.

Dank des Verbots kann die Polizei mitgebrachte Flaschen jetzt direkt beim Eintreffen der Fans am Bahnhof kassieren. Der USB stellt dafür eigens Container auf. „Vorher hatten wir dazu keine Handhabe. Nun können wir eingreifen, bevor gefährliche Situationen entstehen.“

WAZ-Praxistest bestätigt Strategie der Polizei

Die 300 Dresden-Fans, die mit dem Zug anreisen, traten den Fußmarsch zur Castroper Straße komplett glasfrei an.

Die 1000 Gelb-Schwarzen, die mit Bussen und Autos nach Bochum kamen, wurden von der Polizei aufmerksam beäugt, konnten ihre Flaschen aber in aller Regel behalten. „Augenmaß“, sagt Grzella.

An den VfL-Fans geht das Glasverbot komplett vorbei. Wie immer haben etliche Blau-Weiße ein Pils oder Radler in der Hand. „Gut, dass wir friedfertigen Fans weiter ihr Bier trinken dürfen“, sagt Dieter Langowski (52), der die Verordnung „im Prinzip richtig findet. Sie schützt Besucher und Beamte, lässt aber auch noch genügend Freiraum“.

Beim Dresden-Spiel geht die Rechnung auf. Zwar meldet die Polizei sechs Festnahmen Schwerverletzte sind aber nicht zu beklagen. Mit Flaschen hätte es schlimmer kommen können.

Hat das Glasverbot doch Verlierer? „Nein“, grinst Heinz, der sich mit dem Einsammeln von Flaschen am Stadion ein Zubrot verdient. „Es gibt jetzt weniger Pullen“, sagt der 64-Jährige. „Aber die Leute trinken mehr Dosenbier. Und da ist ja auch Pfand drauf.“

Festnahmen beim Dresden-Spiel

Gewalttätige „Fans“ von Dynamo Dresden haben den erfolgreichen Saisonauftakt des VfL Bochum überschattet. Sechs Personen wurden festgenommen, zwei Polizeibeamte wurden leicht verletzt.

Beim Fußmarsch zum Stadion versuchten 70 Dresden-Fans, die VfL-Vereinskneipe an der Castroper Straße zu stürmen. Die Polizei setzte Pfeffergas und Schlagstöcken ein. An einer Tankstelle griffen wenig später 20 Dresdener eine Gruppe von Bochumern an. Einer der Angreifer wurde abgeführt. Auf dem Busparkplatz hinterm Stadion fackelten neun Dresdener pyrotechnische Gegenstände ab. Für die Gruppe, die mit einem Kleintransporter angereist war, war der Fußballnachmittag zu Ende. Sie traten begleitet von Polizeikräften die Heimreise an.

Im Stadion kam es zu einem dreisten Diebstahl. Die Geldkassen beider Würstchenbuden im Gästeblock wurden gestohlen. Die Diebe griffen über die Theke, rissen die Kassen an sich und verschwanden im Block der Dresdener. „Das“, so die Polizei, „gab’s auch noch nicht.“

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