Sinti und Roma

Gypsy-Festival lädt zum Kennenlernen der Kultur ein

Der Bochumer Kulturrat veranstaltete am Samstag das dritte Gypsy-Festival. Danjetto und Manjano gaben einen Gitarren-Workshop.

Der Bochumer Kulturrat veranstaltete am Samstag das dritte Gypsy-Festival. Danjetto und Manjano gaben einen Gitarren-Workshop.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Bochum-Gerthe.  Kulturrat lädt zum dritten Mal zum Antiziganismusprojekt ein. Auch ein historischer Wagen ist dabei. Viele Vorurteile bestehen noch

Bald wird Renate V. 90 Jahre alt sein. Es ist lange her, aber sie erinnert sich noch gut daran, wie man ihr einst sagte: „Mach die Türen zu, die Zigeuner kommen.“ Heute sitzt die Seniorin in einem historischen Sinti-Wohnwagen und lauscht den Gitarren-Klängen von Danjetto Winterstein und Maniano Mettbach.

Rote Markisen zieren die Glasfenster des dunkelbraunen Holzwagens, im Inneren hängen zeitgenössische Schwarz-Weiß-Aufnahmen. „Ich bin Tänzerin und interessiere mich für Musik. Sie verbindet und wir sind doch alle Menschen“, so die Besucherin, die trotz allem ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Zu viele Vorurteile bestünden immer noch, einen falschen politischen Eindruck erwecken wolle sie auch noch. Mettbach, der im Wagen Gitarren-Unterricht anbietet, seufzt: „Ja, es gibt immer noch viel Unwissen und Vorurteile.“ Viele wüssten nicht, was Sinti und Roma überhaupt seien, es gehe deshalb darum, Brücken zu bauen.

Unterschiede zwischen Sinti und Roma

Der Bochumer Kulturrat lädt dazu zum dritten Mal zu einem zweitägigen Gypsy-Festival ein, zum ersten Mal ist auch der Kölner Verein „Maro Drom - unser Weg“ dabei. Brücken lassen sich sowohl musikalisch als auch kulinarisch bauen. „Ich stamme aus Rumänien, wo viele Sinti und Roma leben. Ich möchte meinen Kindern die Kultur zeigen“, sagt Laura Eftimie, die das typische Gulasch probiert. Anna (8) und Andrei (4) sind sich einig: „Schmeckt total gut und der Wohnwagen sieht sehr interessant aus.“ Iona Bogdan muss schmunzeln: „Es gibt eben nicht nur die schlechten Seiten, die in den Medien so oft beschrieben werden.“ Von den positiven Seiten kann und will Stachlo Reinhardt viel erzählen.

„Sinti und Roma sind zwei verschiedene Stämme. Sprache und Feste unterscheiden sich deutlich“, sagt der 21-Jährige, während er einen typischen Wohnwagen in eine Holzplatte schnitzt. Kunst ist nämlich eine weitere Brücke der Begegnung: „Wir stellen die Holzschnitte des Künstlers Otto Pankok aus, der sein Atelier auf dem Gelände der Düsseldorfer Sinti hatte und die dort lebenden Menschen porträtierte“, erklärt Krystiane Vajda. „Die Sinti leben am längsten in Deutschland, nachweislich seit über 600 Jahren“, erklärt Vajda.

Zeichen gegen Diskriminierung

Nancy, Carmen und Nuvana Reinhardt stehen derweil hinter der Essensausgabe und verteilen Sauerkraut mit Knöpflen und Gulasch. „Ich werde immer wieder gefragt, wer wir überhaupt sind“, berichtet Carmen Reinhardt über Identitätsfragen. Das Wort „Zigeuner“ schmerze immer noch. „Dabei bin ich immer offen, Fragen zu beantworten. Die Leute sollen erfahren, wer wir wirklich sind“, erklärt sie.

Ilse Kivelitz aus dem Vorstand des Kulturrates ist es daher wichtig, einen Ort der Begegnung zu schaffen, an dem Sinti und Roma zeigen können, wer sie sind. „Es ist allgemein ein Zeichen gegen Intoleranz und Diskriminierung von Minderheiten“, so Kiwelitz. Das erste Festival entstand durch die Freundschaft zu einem Angehörigen des Sinti-Stammes. „Heute setzen wir ein großes Zeichen“, so Kiwelitz.

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